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Ex-Pastor schreibt über Hintern und den Tod

Jeinsen Ex-Pastor schreibt über Hintern und den Tod

„Eigentlich“, sagt er, „wollte ich nie Bücher schreiben.“ Eigentlich habe er auch gar keine Zeit für so etwas. Jetzt hat Harry Flatt-Heckert es doch getan. Und nicht nur einmal. Innerhalb von drei Monaten hat er gleich drei Bücher geschrieben – am vierten arbeitet er bereits.

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Ganz entspannt im Hier und Jetzt: Harry Flatt-Heckert zeigt seine Bücher.

Quelle: Isabell Rollenhagen

Jeinsen. Sein erstes Buch sei wie ein Befreiungsschlag für ihn gewesen, sagt der ehemalige Pastor, der in Jeinsen und Laatzen tätig war, 2006 jedoch seinen Job bei der Kirche kündigte und heute als freier Theologe arbeitet. Das fast 300 Seiten dicke Werk „Einstein, Gott und meine Brüder“ enthält nichts weniger als seine Lebensgeschichte. Untertitel: „Biografie eines verwirrten Daseins oder wie ein Hintern mir die Welt erklärte.“

Flatt-Heckert berichtet darin von seiner „verkorksten, aber wunderschönen Kindheit“, seinem „verzweifelten Versuch, Philosophie zu studieren“, wie er „aus Versehen Pastor wurde“ und sich „heillos in seinem verwirrten Dasein verstrickt“ bis er seine Frau trifft, „deren Hintern ihm die Relativitätstheorie erklärt und sein Universum neu ordnet“.

Aber auch ernste Themen wie die schwere Krankheit seiner Frau, sein eigener Schlaganfall und die Demenzerkrankung seines Vaters thematisiert Flatt-Heckert in dem Buch, das traurig und lustig zugleich ist. „Viele Episoden sind so kurios, dass man denkt, sie sind erfunden“, sagt der freie Theologe und versichert: „Es ist aber alles wahr.“

Innerhalb von vier Wochen sei die erste Auflage von 100 Büchern vergriffen gewesen, berichtet der 53-Jährige, der seine Bücher im Selbstverlag veröffentlicht. In seinem Heimatort Jeinsen werde das Buch viel diskutiert. Zwar seien alle Charaktere verfremdet, manch einer meine jedoch, sich in dem Buch wiederzuerkennen.

Nach dem Niederschreiben seiner Biografie hatte Flatt-Heckert offenbar Langeweile – oder Schreibentzug. Denn während er auf die Korrekturabzüge des Buches wartete, schrieb er bereits das nächste. Unter dem Titel „Nach Caracas geht’s hinten rum!“ erzählt er, wie er mit seinen Brüdern Lülle, Pitze, und Purzel, alle schon über 50 Jahre alt, auf gemieteten Mofas der Marke Schwalbe bei strömenden Regen von Hamburg nach Grömitz gefahren ist. Bekleidet mit gelben Öljacken, Helmen und Rennbrillen knattern die älteren Herren auf den ebenso alten Zweirädern durch die holsteinische Tiefebene und erleben einen Roadmovie á la „Easy Rider“.

Gegenüber diesem leichten Lesestoff widmete sich der ehemalige Pastor, der vor zwei Jahren aus der Kirche ausgetreten, aber nach eigenem Bekunden gläubig ist, anschließend einem sehr schwierigen Thema: dem Sterben. In dem Roman „Einmal noch“ erfährt der Protagonist mit Mitte 50, dass er Krebs hat und bald sterben wird. In dem Buch habe er seine Erlebnisse als Seelsorger und Trauerbegleiter verarbeitet, sagt Flatt-Heckert. Denn mit dem Thema Sterben wird der freie Theologe regelmäßig konfrontiert. In den vergangenen zehn Jahren hat er mehr als 1000 Trauerreden gehalten.

Zurzeit arbeitet der 53-Jährige bereits an seinem nächsten Buch. Auch „Echtzeit-Tod“ handelt vom Sterben. Thematisch scheinen alle Bücher höchst unterschiedlich. Doch eines haben sie gemeinsam: Sie sind Liebeserklärungen an das Leben. „Denn solange man lebt, lebt man“, sagt Harry Flatt. Und was dann kommt? „Das können wir nicht wissen – nur glauben.“

Die Bücher von Harry Flatt-Heckert sind über das Internet als e-books sowie über www.harry-flatt-heckert.de als Printausgabe erhältlich.
Wer den Ex-Pastor live erleben will, hat dazu am Sonnabend, 19. März, und am Sonnabend, 16. April, Gelegenheit. Am 19. März liest er aus seiner Biografie. Die Veranstaltung ist allerdings schon fast ausverkauft. Am 16. April stellt er sein Buch „Einmal noch“ vor. Beide Lesungen beginnen um 17 Uhr im Blumengeschäft Blütenpracht an der Ippenstedter Straße 18 in Jeinsen. Karten sind unter (0 50 66) 6 03 57 29 erhältlich.

Von Stephanie Zerm

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