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Kirchenkreistag beschäftigt sich mit sexualisierter Gewalt

Pattensen-Mitte Kirchenkreistag beschäftigt sich mit sexualisierter Gewalt

Beim Kirchenkreistag in Pattensen haben sich die Gläubigen des Kirchenkreises Laatzen-Springe am Freitag mit dem Thema "Sexualisierte Gewalt" in Verbindung mit dem Islam beschäftigt. In einem Vortrag machte Wolfgang Reinbold, Beauftragter für den christlich-muslimischen Dialog, unterschiedliche Diskussionsansätze deutlich.

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Zum Kirchenkreistag des Kirchenkreises Laatzen-Springe treffen sich die Teilnehmer in der St. Lucas-Kirche in Pattensen.

Quelle: Daniel Junker

Pattensen. Die Ereignisse der Silvesternacht in Köln, bei denen Frauen Opfer von Übergriffen durch Männer vorrangig aus dem nordafrikanischen Raum geworden waren, hatten große Bestürzung ausgelöst. Der Kirchenkreistag nahm die Vorfälle zum Anlass für eine Debatte über sexualisierte Gewalt in Verbindung mit einer Auseinandersetzung über die Geschlechterrollen im Islam.

Reinbold beleuchtete das Thema von verschiedenen Seiten. Er unterschied zwischen altertümlichen Vorstellungen, die in vielen Kulturkreisen herrschen, und dem Islam als Religion. Dabei stellte er unterschiedliche Positionen gegeneinander. Der Soziologe und Religionspädagoge Rauf Ceylan zeige das Problem auf, dass selbst Jugendliche, die in der Dritten Generation in Deutschland wohnen, noch als Ausländer wahrgenommen würden. "Sie werden anders behandelt und ziehen sich deshalb zurück in die eigene Gruppe." Viele seien dadurch empfänglich für andere Strömungen. Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, sei der Ansicht, dass der in Deutschland gelehrte Islam eine Macho-Kultur fördere.

"Eine frauenverachtende Art ist nichts, was die Muslime erfunden haben", sagte Reinbold und nannte das Frauenbild in Indien als Beispiel. Allerdings würden muslimische Männern eine Unterdrückung der Frau nicht selten mit dem Islam verbinden. "Das ist aber nicht typisch islamisch, und auch im Christentum ist das Thema beileibe nicht durch."

In Gruppengesprächen hatten sich die Gläubigen beim Kirchenkreistag im Anschluss eine gemeinschaftliche Position erarbeitet. Die Teilnehmer kamen überein, dass Flüchtlinge nicht unter Generalverdacht gestellt werden dürften. "Das spielt denen in die Hände, die in diesen Tagen ausländerfeindliche Parolen vertreten." Aus Ansicht der Beteiligten sei das Bild des Islam seit den Ereignissen in Köln beschädigt.

Vor diesem Hintergrund will der Kirchenkreistag erreichen, dass die evangelische Kirche Verantwortung übernimmt und an das grundgesetzlich verankerte Recht zur freien Religionsausübung erinnert. "Wir warnen davor, die religiöse Identität des Islam aufgrund des zu verurteilenden Fehlverhaltens Einzelner in Frage zu stellen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Gemeinden sollen ermutigt werden, das Gespräch mit den Muslimen in ihrer Nachbarschaft zu suchen sowie vorhandene Kontakte zu pflegen und auszubauen.

Superintendet Detlef Brandes plädiert für eine offene und aufgeklärte Haltung. "Wie die Gesellschaft verändert sich auch die Religion." Es sei notwendig, die Positionen ander zu verstehen und die eigenen Positionen immer wieder zu hinterfragen. Es sei Aufgabe der Kirche, entsprechende Diskussionen in die Gesellschaft zu bringen.

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Von Daniel Junker

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