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Mehr als 250 Gäste besuchen Neujahrsempfang

Pattensen-Mitte Mehr als 250 Gäste besuchen Neujahrsempfang

Bürgermeisterin Ramona Schumann und die Ratsvorsitzende Julia Recke haben am Freitagabend den Neujahrsempfang der Stadt Pattensen im Ratskeller vor mehr als 250 Gästen eröffnet. Schumann sprach in ihrer Rede Erfolge und Probleme des vergangenen Jahres an. Zudem wurden viele Pattenser geehrt.

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Mehr als 250 Gäste besuchen den Neujahrsempfang der Stadt Pattensen im Ratskeller. 

Quelle: Tobias Lehmann

Pattensen-Mitte. Schumann begann ihre Rede mit einem Zitat, das sie auf dem sozialen Netzwerk Twitter gelesen hatte: „2016 in drei Worten: Nicht noch einmal.“ Sie erinnerte an Anschläge, den Brexit und die „Wahl eines Präsidenten mit zweifelhaftem Haarschnitt“. Sie ging anschließend auf die Gefahren populistischer Politik, die Arbeit des Bundestages wie auch auf bewältigte und künftige Aufgaben in Pattensen ein.

Mit einem Gefühl von „Verwunderung und ansteigendem Ärger“ nimmt Schumann die aus ihrer Sicht ungenügende Unterstützung des Bundestages, der dieses Jahr neu gewählt wird, für die Kommunen wahr. Das Land produziere Milliarden Euro von Überschüssen. Dennoch halte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble an der „Schwarzen Null“ fest. Diese nehme den Kommunen jedoch die Luft zum Atmen und sorge dafür, dass das Land aus den Fugen gerate. Denn ohne Zuschüsse müssten Förderungen freiwilliger Leistungen gestrichen, Einrichtungen wie Schwimmbäder auf lange Sicht vermutlich geschlossen werden.

Dabei seien die Kommunen der treibende Faktor, wenn es um gesellschaftliche Veränderungen geht. Es seien die Kommunen gewesen, die 2016 mit der Flüchtlingskrise vor Ort konfrontiert worden und diese letztlich gemeistert haben. Eine Wertschätzung von Seiten des Bundes dafür habe es bisher nicht gegeben. Stattdessen habe sich Schumann von einem Abgeordneten, den sie nicht namentlich nannte, anhören müssen, dass die Kommunen doch dankbar für ein Bundesprogramm in Höhe von 3,5 Milliarden Euro sein sollten. Damit werden finanzschwache Kommunen gefördert. Pattensen bekommt davon 360.000 Euro. „Ich bin nicht leicht sprachlos zu machen. Doch da blieb mir kurz die Luft weg“, sagte Schumann.

Sie wies darauf hin, dass allein die Sanierung der Ernst-Reuter-Schule mehr als 20 Millionen Euro koste. Dessen erster Bauabschnitt wurde Ende 2016 abgeschlossen. Der Namensgeber der Schule, Ernst Reuter, sagte einmal über Berlin, dessen Bürgermeister er von 1948 bis 1953 war: „Menschen dieser Welt, schaut auf diese Stadt.“ Schumann entgegnete diesem Satz augenzwinkernd: "Pattensen hat den ersten Bauabschnitt der KGS-Sanierung in der geplanten Zeit und den vorgegebenen Kosten eingehalten. In Richtung Berlin gewandt möchte ich sagen, dass die Menschen vielleicht besser auf Pattensen schauen sollten." Als positive Ereignisse erwähnte Schumann zudem die Fertigstellung der Kindertagesstätte Ruther Straße und des Marktplatzes im vergangenen Jahr. Letzteren bezeichnete sie als „Herzstück und Wohnzimmer von Pattensen“.

Schumann verschwieg nicht, dass es 2016 auch in Pattensen Probleme gab. Dazu gehörten die, „um es vorsichtig auszudrücken, überraschenden Messergebnisse“ im Neubaugebiet Pattensen Mitte-Nord. Der von der Baufirma Werretal bestellte Vermessungsingenieur hatte andere Grundstücksgrenzen ins Katasteramt eintragen lassen, als sie der Rat der Stadt vorgegeben hatte. Die Region Hannover erteilte als Bauaufsicht daraufhin keine Baugenehmigungen mehr. Pattenses Rat stimmte für eine Änderung des Bebauungsplans, so dass es für die Grundstückseigentümer weiter gehen konnte. Schumann befürchtet allerdings, dass es noch zu weiteren Streitpunkten mit den Investor Werretal kommen werde.

Doch die Bürgermeisterin glaubt auch daran, dass diese ebenso bewältigt werden. Das Motto des Neujahrsempfangs lautete: „Aktiv in Pattensen“. Der Begriff passe zu Pattensen. Denn die Stadt habe immer wieder gezeigt, dass sie flexibel auf Herausforderungen reagieren könne. „Es ist kein Geheimnis, dass ich dem Neuen gegenüber immer neugierig und aufgeschlossen bin“, sagte Schumann. Sie mag es nicht, wenn vermeintliche Risiken dazu führen, dass Projekte beerdigt werden, bevor sie begonnen haben. Doch sie habe auch Verständnis für das „Bedürfnis nach Sicherheit und dass nicht alles in Frage gestellt wird“, sagte die Bürgermeisterin. Beides müsse im Einklang stehen. „Wir können Neues vollbringen, wenn wir uns das Bewährte verlassen können“, sagte Schumann.

Zum Bewährten zählte die Bürgermeisterin den Zusammenhalt in Pattensen, aber auch die Freundschaft zu der französischen Partnerstadt Saint-Aubin-lès-Elbeuf, dessen Bürgermeister Jean-Marie Masson am Pattenser Empfang teilnahm.

Abschließend ging Schumann auf den wachsenden Populismus in der Gesellschaft ein. „Populisten sind faul. Sie scheuen die Arbeit, die eine Demokratie erfordert“, sagte sie. Populisten teilten die Welt häufig nur in zwei Pole ein: schwarz und weiß. Doch dadurch werde ein Trugbild geschaffen. Entscheidungsprozesse ließen sich am besten in einem heterogenen Team fällen, in dem jeder seinen Platz habe. „Es arbeitet sich nicht gut, in ständigem Kampf gegen die Veränderung. Besser ist es, sich für die Gestaltung einzusetzen“, sagte sie.

Die mehr als 250 Besucher im Ratskeller applaudierten. Unter den Gästen waren der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch, die SPD-Landtagsabgeordnete Silke Lesemann, der hannoversche Polizeipräsident Volker Kluwe sowie zahlreiche Ratsmitglieder.

Mitglieder für ihr Engagement geehrt

Für besonderes bürgerschaftliches Engagement zeichneten Bürgermeisterin Ramona Schumann und die Vorsitzende des Pattenser Sportrings, Ellen Eggers, die Mitglieder der Tafel sowie der Servicepools des Pattenser Bads aus.

Der Moderator der Veranstaltung, Christoph Dannowski, interviewte Getraude Kruse und Hans-Georg Frühwirt stellvertretend für die Mitglieder der Tafel. Kruse sagte, dass in unserer Gesellschaft immer noch viel zu viele Lebensmittel weggeschmissen werden, die noch verspeist werden können. „Wir haben Bedarf daran“, sagte sie. Sie lobte auch den Einsatz der Tafel-Mitglieder, die jeden Donnerstag von 8 bis 18 Uhr im Gemeindehaus St. Lucas im Einsatz sind, um die Waren anzunehmen, Gemüse zu waschen, Kunden zu registrieren und die Lebensmittel zwischen 14 und 17 Uhr auszugeben. Frühwirt sagte, dass die Dankbarkeit der Kunden groß sei. „Drei Flüchtlinge, die selbst Waren beziehen, helfen jetzt auch bei uns mit“, sagte er.

Fred Oeltermann lobte als Geschäftsführer des Pattenser Bads den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder des Service-Pools. Er wies auch darauf hin, dass der Förderverein mehr als 1000 Mitglieder habe. „Der Einsatz für das Pattenser Bad ist ein gutes Beispiel für den Zusammenhalt unserer Stadt“, sagte er.

Für besonderes Engagement im sportlichen Bereich wurden Heinrich Angermann in Abwesenheit, Karl Bode und August Wilhelm Gehrke geehrt. Angermann hatte 1990 den Radsportverein Pattensen gegründet, der zahlreiche Erfolge feiern konnte und sich auch über den Sport hinaus mit zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen für die Stadt engagierte. Der 75-jährige Bode hat sich beim SV Koldingen in zahlreichen Ämtern engagiert, war unter anderem Gerätewart wie auch Jugendwart und steht heute noch bei Veranstaltungen hinter dem Grill und sorgt für die Zubereitung der Würstchen.

Der 1935 geborene Gehrke ist seit 70 Jahren Mitglied im TSV Pattensen und hat sich dort ebenfalls in zahlreichen Ämtern engagiert. Er erinnerte sich daran, wie er als Elfjähriger 1946 in den Verein eingetreten ist. „Wir hatten keine Schuhe, keine Hosen und keine Trikots. Wenn wir im Ratskeller trainiert haben, mussten wir im Winter Kohle zum Heizen mitbringen, um es ein wenig warm zu haben“, sagte er. Doch es habe immer Spaß gemacht. Bereits in ihrer Rede erwähnte Schumann auch die Leistung der Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr. „Für diesen ehrenamtlichen Einsatz bin ich sehr dankbar“, sagte sie.

Bürgermeister Masson ruft zum Zusammenhalt auf

Der Bürgermeister aus Pattensens französischer Partnerstadt Saint-Aubin-lès-Elbeuf, Jean-Marie Masson, nahm am Empfang teil. Er begrüßte die Gäste zunächst auf Deutsch, sprach dann aber in Französisch weiter. Seine Rede wurde zeitgleich in der deutschen Übersetzung mit einem Beamer auf eine Leinwand übertragen. Masson ging vor allem auf die aus seiner Sicht besorgniserregende weltpolitische Lage ein. Er erinnerte an den Anschlag in Berlin im Dezember und sprach den Deutschen die Solidarität Frankreichs aus. Die Tendenz vieler Länder, sich voneinander abzuschotten, sei inakzeptabel. Sie werde vorangetrieben von „populistischen Politikern, die überhaupt nichts verstehen“, sagte er.

Für ihn sei es eine Verpflichtung, gegen diese Tendenzen zu arbeiten und sich für den Zusammenhalt der Länder einzusetzen, um „Europa wieder aufblühen zu lassen“. Wichtig sei es auch, Jugendliche in diesen Prozess einzubinden. Sie haben die dunklen Zeiten eines Krieges nicht kennen gelernt, sollten sich dieser aber bewusst sein, sagte er.

Masson wies auch darauf hin, dass die Partnerschaft zwischen Pattensen und Saint-Aubin-lès-Elbeuf 2017 seit 40 Jahren besteht. Es werde verschiedene Veranstaltungen dazu geben, auf die er sich jetzt bereits freue. Höhepunkt soll eine große Feier in Saint-Aubin-lès-Elbeuf über die Pfingsttage sein.

Die Band Wednesnight spielt Hits

„Ihr dürft auch gerne mitsingen und mitklatschen“, sagte eine der beiden Sängerinnen der Schülerband Wednesnight zu den rund 250 Gästen beim Neujahrsempfang und nutzte wie bei einer Popband üblich die vertraute Anredeform. Gesungen wurde dann zwar nicht, doch beim Klatschen ließen sich die Gäste nicht lange bitten. Die Band spielte unter anderem Hits von Christina Stürmer und Sportfreunde Stiller.

In der Band sind Schüler aus vier Jahrgängen der KGS Pattensen sowie der Musiklehrer Thomas Schrader. Ihren Namen trägt sie, weil sie immer am Mittwochabend probt. Auch Bürgermeisterin Ramona Schumann hat die Band schon einmal bei einer Probe besucht und mitgesungen. „Sich vor so vielen Leuten auf die Bühne zu stellen und live zu spielen, erfordert viel Mut. Dafür sollten sie mit einem extragroßen Applaus belohnt werden“, sagte sie. Den bekam die Band dann auch.

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