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Stadt ersetzt Synagogen-Tafel zum zweiten Mal

Pattensen Stadt ersetzt Synagogen-Tafel zum zweiten Mal

Einmal wurde sie zerstört, einmal gestohlen: Die Stadt hat zum zweiten Mal die Gedenktafel der 1938 zerstörten Pattenser Synagoge ersetzen müssen - mit Hilfe von Spendern.

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Die Gedenktafel an der Hofstraße erinnert an die 1938 zerstörte Synagoge. Nach dem Diebstahl im Dezember ist die Tafel nun ersetzt - zur Freude von Martin Winter und Ramona Schumann.

Quelle: Ralf Schunk

Pattensen. Lange zu überlegen brauchte Martin Winter nicht. Kaum hatte der Pattenser Fuhrunternehmer von dem Diebstahl der an die ehemalige Synagoge Pattensens erinnernden Gedenktafel an der Hofstraße gehört, griff er auch schon zum Telefon und sagte der Stadt eine Spende für die Neuanschaffung zu.

Das war Mitte Dezember vergangenen Jahres. Gut vier Monate später weist eine neue Tafel – die dritte mittlerweile – auf das einstige jüdische Gotteshaus hin, dass am 10. November 1938 während der Reichspogromnacht von den Nationalsozialisten zerstört worden war.

Tafel Nummer eins, 1986 im Zuge der 1000-Jahr-Feier der Stadt Pattensen installiert, war im Dezember 2013 von Unbekannten mit einem schwarzen bituminösen Gemisch beschmiert und damit letztlich zerstört worden. Im Dezember 2015 lösten dann Unbekannte Tafel mit Spezialwerkszeug von der Mauer. Auf die Täter gibt es bis heute keine Hinweise. Der Verdacht gegen einen 22-jährigen Pattenser, gegen den im Zusammenhang mit einer Anschlagserie gegen die Parteibüros von CDU und SPD im Dezember 2013 ermittelt worden war, hat sich nicht erhärtet. „Wir haben in beiden Fällen Anzeige gegen Unbekannt gestellt", sagt Stadtsprecherin Renate Riedel. Mangels Zeugenhinweisen gehe die Stadt davon aus, dass das Verfahren bald eingestellt werde.

Die jetzt an der Hofstraße installierte Gedenktafel ist noch etwas raffinierter gesichert als ihre Vorgängerin. Sollte auch sie eines Tages wieder abmontiert werden, so die Zusage von Martin Winter, werde er erneut für einen Ersatz spenden. „Das was während der NS-Zeit passiert ist, ist Teil unsere Geschichte – wenn auch ein trauriger", satt der Pattenser. "So etwas darf nie wieder passieren. Deshalb ist es wichtig, den neuen Nazis etwas entgegen zu setzen."

Auch Ramona Schumann unterstreicht, dass sich Pattensen seine Geschichte nicht nehmen lassen werde, weshalb es für die Stadt keine Frage gewesen sei, die gestohlene Gedenktafel zu ersetzen. Der Dank der Bürgermeisterin gilt neben Winter auch Hannelore Bente, die ebenfalls 250 Euro gespendet hatte. Die übrigen 600 Euro übernahm die Stadt.

Das jüdische Leben in Pattensen wurde von den Nationalsozialisten ausgelöscht. Rabbiner Jacob Abt, an den ein in den Gehweg vor der Gedenktafel eingelassener Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert, stand bis Anfang der 1930er-Jahre einer 43-köpfigen Gemeinde vor. Er selbst wurde 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und später im weißrussischen Minsk ermordet. Die Geschichte der Pattenser Juden ist von den Pattensern Dirk Anders und Thomas Scheuer aufgeschrieben worden. Ihre Dokumentation ist im Internet unter www.juden-in-pattensen.de zu finden.

Von Ralf Schunk

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