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Teilzeitausbildung ist Chance und Last

Arnum Teilzeitausbildung ist Chance und Last

Eine Teilzeitausbildung ist für alle Beteiligten eine Herausforderung - das sagen sowohl Patrycja Tomczak als auch ihr Arbeitgeber Ralf Möllmann.

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Kinder erziehen und gleichzeitig eine Ausbildung machen: Patrycja Tomczak will ihren Kindern ein Vorbild sein.

Quelle: Tobias Lehmann

Arnum. Tomczak macht seit dem 1. Februar bei Möllmanns Unternehmen GreenCare eine Teilzeitausbildung zur Bürokauffrau. Die alleinerziehende 28-Jährige ist Mutter von zwei Kindern im Alter von drei und fünf Jahren und wohnt in Kronsberg: Sie nimmt damit jeden Tag einen 90-minütigen Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf sich, um zur Arbeit zu kommen. „Das ist Zeit, die ich auch mit meinen Kindern verbringen könnte“, sagt sie. Ihre Arbeitszeit beträgt 30 Stunden in der Woche - aber dennoch ist Tomczak froh, die Ausbildung bekommen zu haben. „Ich will meinen Kindern ein Vorbild sein und ihnen später etwas bieten können, ohne auf jeden Cent schauen zu müssen“, sagt sie.

Das wird noch dauern: Denn in einer Teilzeitausbildung bekommen Alleinerziehende nur so viel, wie sie ohnehin vom Staat beziehen könnten. Dorit Miehe, die das Projekt SpATZ (Sprungbrett Ausbildung in Teilzeit) für den Laatzener Verein ZukunftPlus betreut, sagt: „Es gehört eine ungeheure Motivation dazu, sich in Teilzeit ausbilden zu lassen. Denn in der Ausbildungszeit von meist drei Jahren wird ohne finanziellen Mehrwert viel verlangt.“

Tomczak hat allerdings nicht nur das Ziel und den dann wachsenden Verdienst vor Augen, sondern sieht auch jetzt bereits Vorteile. „Ein Job holt Alleinerziehende aus einem Loch heraus, in das manche fallen. Er gibt Selbstbewusstsein und Bestätigung.“ Das bestätigt auch ihr Arbeitgeber: „Es läuft immer besser“, sagt Möllmann.

Möllmann weist aber auch auf die Probleme des Modells hin: „Würde ich Frau Tomczak nach normalen Kriterien beurteilen, wäre sie bereits raus“, sagt er. So habe ein normaler Arbeitgeber im Schnitt bis zu zehn Krankheitstage im Jahr, bei Tomczak sind es bereits 40. „Sie muss eben nicht nur bei eigener Krankheit zu Hause bleiben, sondern auch bei einer Erkrankung ihrer Kinder“, sagt er.

Aber auch Möllmann hat selbst einen Sohn und deshalb Verständnis für die Situation seiner Auszubildenen. „Jeder Betrieb sollte zusätzlich zu den üblichen Ausbildungsstellen auch noch eine Stelle in Teilzeit anbieten“, fordert er. Denn für Alleinerziehende sei es häufig die einzige Möglichkeit, am Berufsleben teilzunehmen und damit für die Zukunft vorzusorgen.

Laut Miehe bieten nur zehn Prozent aller Betriebe diese Möglichkeit an. „Als Alternative bleiben häufig nur kurzfristige Jobs, die langfristig aber keine Perspektive bieten“, sagt sie. Auch Tomczak kritisiert: „Wenn von Arbeitslosen verlangt wird, sich eine Stelle zu suchen, muss ihnen auch die Möglichkeit dafür gegeben werden.“

Wer eine Ausbildungsstelle in Teilzeit anbieten will, erreicht Miehe unter der Telefonnummer (0511) 98 23 24 60.

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