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Prozess um bewaffnete Erpressung ausgesetzt

Ronnenberg Prozess um bewaffnete Erpressung ausgesetzt

Fiel am 4. April auf dem Kinderspielplatz in Empelde ein Schuss? Ging es bei dem Streit zweier Männern womöglich um Schleusergeld? Der Prozessauftakt um eine vermeintlich gewalttätige Erpressung vor dem Landgericht Hannover warf am Dienstagvormittag mehr Fragen auf, als geklärt werden konnten.

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Der Angeklagte Togal S. (vorn) nimmt im Großen Schwurgerichtssaal Platz.

Quelle: Mario Moers

Empelde. Auf der Anklagebank saß, gefasst und aufmerksam dem Dolmetscher zuhörend, der 43-jährige Togal S. aus Bornum. Ihm wird vorgeworfen, den Ronnenberger Cemal S. auf dem Spielplatz, in der Nähe dessen Wohnung in Empelde, mit einer Pistole bedroht zu haben. Um seiner Forderung, ihm 9000 Euro auszuhändigen Nachdruck zu verleihen, soll er einen Schuss neben den Kopf von Cemal S. abgefeuert haben, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Das Ungeheuerliche: auf dem Spielplatz haben zu dieser Zeit Kinder gespielt.

„Ich hatte weder eine Waffe dabei, noch habe ich einen Schuss abgegeben“, hieß es in einer Stellungnahme des türkischstämmigen Angeklagten, die Verteidiger Selcuk Bulut verlas. Togal S. habe lediglich versucht von dem vermeintlichen Opfer Geld einzuholen. Die betreffenden 9000 Euro soll Cemal S. für ein misslungenes Schleusergeschäft vom Bruder des Angeklagten in der Türkei erhalten haben, um diesen illegal nach Deutschland zu bringen. Die Aktion sei allerdings gescheitert, woraufhin Togal S. mehrfach vergeblich versucht habe, den Schleuserlohn im Namen seines Bruder zurückzuholen.

Im April sei es dabei zu dem Streit auf dem Spielplatz gekommen. Togal S. gab zu, harte Worte benutzt zu haben. Eine Waffe sei jedoch nicht im Spiel gewesen. Togal S. besitzt nach eigener Aussage keinen Waffenschein. Gleichwohl räumte er ein, dass 2014 eine Schreckschusspistole aus seinem Besitz von der Polizei beschlagnahmt wurde. Von dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, auf Cemal S. geschossen zu haben, sei er entsetzt gewesen. Der Geschädigte selbst habe ihn telefonisch über die Anzeige informiert. Kurz darauf war Togal S. festgenommen, nach wenigen Tagen Untersuchungshaft aber wieder entlassen worden.

Ob diese Geschichte stimmt, konnte das Gericht am Dienstag nicht klären. Das vermeintliche Opfer Cemal S. sowie dessen ebenfalls als Zeugin geladene Frau erschienen nicht im Landgericht. Richter Michael Schweigert beauftragte daraufhin die Ordnungshüter in Ronnenberg, beide per Polizei-Taxi in den Zeugenstand zu bringen – vergeblich. „Die ganze Familie ist spurlos verschwunden“, kommentiert Verteidiger Bulut. Tatsächlich traf die Polizei vor Ort niemanden an.

Richter Schweigert beauftragte die Staatsanwaltschaft, die Zeugen ausfindig zu machen. Der Prozess wurde vorerst ausgesetzt.

Von Mario Moers

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