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Die Angst sitzt mit im Zuschauerraum

Ronnenberg Die Angst sitzt mit im Zuschauerraum

Die Stadt Ronnenberg geht davon aus, bis ins Jahr 2017 hinein genügend Kapazitäten zu haben, um alle zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen zu können. Dennoch wird bei der Informationsveranstaltung im Gemeinschaftshaus die Verunsicherung der Bevölkerung deutlich.

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In der ehemaligen Kfz-Zulassungsstelle an der Hamelner Straße sollen im Herbst bis zu 84 Flüchtlinge untergebracht werden. Gerüchten, wonach auch der Parkplatz mit Wohnmodulen belegt werden soll, widerspracht Bürgermeisterin Stephanie Harms.

Quelle: Ingo Rodriguez

Ronnenberg. Es dauerte gut eineinhalb Stunden. Dann fasste einer der etwa 100 Ronnenberger, die den Ausführungen der versammelten Verwaltungsspitze aufmerksam zugehört hatten, das zusammen, was offenbar vielen von ihnen im Kopf herumging. "Wir haben hier jetzt viel über Quoten und Zahlen gehört. Aber wir sind vor allen Dingen hier, weil wir Familien und Ängste haben", sagte er unter lautem Applaus. Es seien Ängste, wie sich das Zusammenleben mit den neuen Nachbarn entwickeln wird und ob speziell die Frauen und Kinder sich möglicherweise nicht mehr sicher in ihrer gewohnten Umgebung bewegen könnten.

Dass die Verwaltung diese Ängste ernst nimmt, war schon an der Tatsache zu erkennen, dass bei der sechsten derartigen Informationsveranstaltung erstmals eine kleine Delegation der Polizei unter Führung von Christoph Badenhop anwesend war. "Seit den Vorfällen von Köln in der Silvesternacht habe ich das Gefühl, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippt", erklärte der Leiter des Kommissariats Ronnenberg. "Es gibt subjektive Verunsicherungen, denen wir objektive Fakten entgegenstellen wollen." So habe es in Ronnenberg seit dem September des vergangenen Jahres lediglich elf Straftaten von Flüchtlingen gegeben - darunter auch Vergehen wie Schwarzfahren. Und die sieben bis acht Körperverletzungsdelikte, die es gegeben habe, seien ausschließlich innerhalb der Unterkunft passiert.

Wie verunsichert die Anwohner sind, verdeutlichte jedoch eine kurze Rückfrage aus dem Zuschauerraum. Ob diese Statistik geschönt sei, wollte jemand wissen und erhielt als Antwort ein klares Nein. Auch dem Gerücht, dass die ehemalige Zulassungsstelle an der Hamelner Straße bald deutlich mehr als die bislang vorgesehenen 84 Schutzsuchenden beherbergen könnte, widersprach Bürgermeisterin Stephanie Harms deutlich. Es habe zwar die Überlegung der Region Hannover gegeben, auf dem Parkplatz des Gebäudes Wohnmodule für 200 bis 250 Menschen aufzustellen. Aber das sei von der Stadt als nicht erforderlich eingestuft und abgelehnt worden.

Denn vorerst sieht sich die Verwaltung in der Flüchtlingssituation gut aufgestellt. Derzeit seien 411 Personen in Ronnenberg untergebracht, erklärte der Erste Stadtrat Torsten Kölle. Davon 223 in Wohnheimen, der Rest dezentral. Im Januar habe die Stadt 68 Menschen aufgenommen, bis Ende März sollen 155 weitere dazukommen - für den Rest des Jahres gehe die Verwaltung nach derzeitigem Informationsstand von 900 Flüchtlingen aus. Bis zu diesem Zeitpunkt würden in unterschiedlichen Einrichtungen aber insgesamt 1485 Plätze geschaffen worden sein, sodass sich Ronnenberg gut aufgestellt sieht.

Bereits in der kommenden Woche werden laut Fachbereichsleiter Frank Schulz am Sportpark in Empelde die ersten Wohnmodule aufgestellt. Das Gebäude der ehemaligen Kfz-Zulassungsstelle werde von der Region bis zum September für die Unterbringung von Flüchtlingen vorbereitet. Auf dem Festplatz an der Empelder Straße in Ronnenberg werden zudem zwischen April und Juni fünf Containerkomplexe mit einer Maximalbelegung von jeweils 21 Personen errichtet. Laut Kölle handele es sich dabei um "temporäre Bauten - das kann alles zwischen einem und zehn Jahren bedeuten". Das einzige dauerhaft geplante Gebäude im Stadtgebiet sei der soziale Wohnungsbau am Weizenkamp gegenüber dem Rathaus. Und bei der Belegung sämtlicher Einrichtungen lege die Verwaltung einen großen Wert auf eine "gesunde Mischung" aus Familien und Einzelpersonen, erläuterte der Erste Stadtrat.

Antworten erhielten die Bürger am Donnerstagabend auch auf ihre ganz praktischen Fragen: Die Skateranlage am Festplatz werde trotz der Bebauung durch das Containerdorf ebenso erhalten bleiben wie der Wertstoff-Sammelplatz, erklärte Schulz. Und auch das Osterfeuer, ergänzte Bürgermeisterin Harms, werde definitiv stattfinden. Nur eben nicht wie gewohnt auf dem Festplatz, sondern am neuen Standort am Bahnhof.

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