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Empörung nach Schüssen auf Flüchtlingsheim

Empelde Empörung nach Schüssen auf Flüchtlingsheim

Nach den Schüssen auf ein noch nicht bewohntes Flüchtlingsheim in Empelde sind das Entsetzen und die Empörung groß. Die Polizei ist weiter auf der Suche nach dem Täter, der mit scharfer Munition auf das bezugsfertige Gebäude schoss.

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Nach den Schüssen auf das bezugsfertige Wohnheim hat die Polizei das Gelände abgeriegelt.

Quelle: Christian Elsner

Empelde. Die Polizei hatte am Mittwochabend einen Zeugenaufruf über die Medien verbreitet. "Wir erhielten vereinzelte Hinweise, denen wir jetzt nachgehen", sagte Polizeisprecher Andre Puiu am Donnerstagnachmittag. Die Einschusslöcher in dem bezugsfertigen Gebäude wurden am Mittwochmittag von einem Mitarbeiter der Stadt Ronnenberg entdeckt. Die Polizei sperrte das Areal und fand bei ihren Untersuchungen Patronenhülsen von scharfer Munition.

Eigentlich sollten am Donnerstag zwölf Personen in die Wohncontainer einziehen, die die Stadt auf dem ehemaligen Festplatz am Ortsrand aufstellen ließ. Die Flüchtlinge sind aus einer Erstaufnahmeeinrichtung des Landes nach Ronnenberg geschickt worden. Sie wurden laut Bürgermeisterin Stephanie Harms am Donnerstag bis auf Weiteres in angemieteten Räumen in Empelde untergebracht.

Ronnenbergs Stadtverwaltung ist zum ersten Mal mit einem Anschlag auf ein Flüchtlingsheim konfrontiert worden. „Wir sind alle noch geschockt“, sagte Harms gestern Abend. Das Entsetzen sei auch bei den Bürgern spürbar. „Auch jene, die skeptisch sind wegen der Flüchtlingsaufnahme, sagen mir: Wenn die Menschen hier sind, müssen sie eine sichere Unterkunft erhalten“, berichtete die Bürgermeisterin.

Ob die Stadt ihr Sicherheitskonzept ausweitet, soll noch diskutiert werden. „Ich warte dazu das Abschlussgespräch mit der Polizei ab“, sagte Harms. Der Kontakt der Stadtmitarbeiter zum Kommissariat in Ronnenberg sei sehr eng. Zurzeit hat die Verwaltung eine 16-Stunden-Betreuung für ihre Sammelunterkünfte in Ronnenberg, Weetzen und Benthe organisiert – das sich laut Harms an Erfahrungswerten aus anderen Kommunen orientiert. Tagsüber sind in den Wohnheimen sogenannte Objektbetreuer tätig, anschließend ist ein Sicherheitsdienst vor Ort.

Dieses Konzept geht einigen Politikern nicht weit genug. Die Ronnenberger Grünen fordern schärfere Sicherheitsvorkehrungen. „Das war ein Angriff auf Schutzsuchende“, sagte die Fraktionsvorsitzende Ruth Wenzel gestern. „Wir müssen für diese Menschen einen besseren Schutz gewährleisten.“

Der Anschlag hat Entsetzen hervorgerufen. „Wie sollen Menschen, die gerade dem Krieg und Terror entkommen sind, unter solchen Umständen hier in Ronnenberg zur Ruhe kommen?“, fragte der Vorstandssprecher der Grünen, Jörg Rutzen. Er sorgt sich aber auch um die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen, die in unmittelbarer Nähe des Wohnheims auf den Sportanlagen trainieren oder auf dem Weg in die nahgelegene Marie-Curie-Schule sind. "Da hätte auch noch mehr passieren können", sagte Rutzen.

„Dieser Angriff ist feige und menschenverachtend“, ergänzte Rutzens Parteikollege, der Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler (Grüne) aus Hannover. „Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen, müssen bei uns Schutz erhalten, statt erneut um ihr Leben fürchten zu müssen. Daher hoffe ich, dass die angelaufenen Ermittlungen schnell ein Ergebnis bringen und die Täter gerecht und konsequent bestraft werden“, teilte Kindler weiter mit.

Mit "Fassungslosigkeit und einer großen Portion Wut", so der Vorsitzende Rudi Heim, reagierte die SPD. „Dieser Anschlag ist nicht nur feige, es ist auch unerträglich wie hier heimtückisch Ängste hervorgerufen werden. Immerhin sollen Menschen in der Unterkunft wohnen, die gerade vor Schusswaffen geflohen sind“, sagte Heim. Er ruft die Bürger dazu auf, sich bei der Polizei zu melden, sofern sie etwas bemerkt haben. „Wir dürfen nicht zulassen, dass wir bei dem Einsatz von Gewalt abstumpfen und nichts dagegen unternehmen. Vielmehr müssen wir alle uns klar dagegen stellen“, ergänzte Heim.

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Von Redakteur Kerstin Siegmund

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