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Integrationshilfe läuft wie am Fließband

Weetzen Integrationshilfe läuft wie am Fließband

Schrauben für die Integration: Seit fast zwei Jahren schon repariert der 67-jährige Gerd-Volker Weiden aus Weetzen ehrenamtlich gebrauchte Fahrräder, um sie kostenlos Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen. Mit dem 21-jährigen Reshad aus Afghanistan hat er inzwischen auch einen tatkräftigen Helfer gefunden. Doch jetzt fehlt Material.

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Schrauben als Integrationshilfe: Gerd-Volker Weiden (links) und der 21-jährige Reshad aus Afghanistan bringen gemeinsam gebrauchte Fahrräder auf Vordermann, damit sich möglichst viele Flüchtlinge aus dem Ronnenberger Stadtgebiet schneller fortbewegen können.

Quelle: Rodriguez

Weetzen. Ganz am Anfang waren es noch kreativ zusammen geschraubte Unikate. Nur wenige Wochen später bereits konnte man aber dank einer überwältigenden Spendenbereitschaft fast schon von einer Art Serienproduktion sprechen. Und gut zwei Jahre nach dem Start läuft die Integrationshilfe des 67-jährigen Rentners Gerd-Volker Weiden nicht nur sprichwörtlich wie am Fließband.

Der pensionierte Starkstromelektriker aus dem Arbeitskreis Willkommen in Weetzen repariert seit Mai 2014 für Flüchtlinge gebrauchte Fahrräder. Begonnen hatte das Integrationsprojekt mit einem Spendenaufruf. Doch von der Resonanz wurde der Rentner auch sinngemäß geradezu überrollt. Weidens Plan, im Vorhof seines Grundstücks ausrangierte Fahrräder auszuschlachten, zu reparieren und möglichst viele verkehrssichere Modelle anzufertigen, wurde von der Spendenwelle schnell beflügelt. "Mein Carport war blockiert, weil 68 Räder abgegeben wurden", sagt er. Inzwischen hat Weiden seine kleine Fahrradwerkstatt in einen kostengünstig angemieteten Standort am Ortsrand verlagert. "Zu viele Räder, zu wenig Platz", begründet der Weetzener den Umzug.

Weidens Rückschau ist eine Erfolgsbilanz: Seit dem Beginn seiner Aktion hat er für Flüchtlinge aus Weetzen, Ronnenberg, Vörie und Linderte insgesamt 253 Fahrräder, 23 Roller, fünf Skateboards, sieben Paar Inliner, zwei Paar Rollschuhe und etwa 30 Kinderfahrzeuge auf Vordermann gebracht. "Bremsen reparieren, Beleuchtung instandsetzen, Schläuche austauschen - was alles so anfällt", sagt Weiden. Seit einem halben Jahr verkauft er die Produkte für fünf Euro pro Exemplar an die Asylbewerber, um Material und Werkzeug zu finanzieren. "Und die Überschüsse kommen Aktionen des Arbeitskreises Willkommen zugute: Deutschkurse, Süßigkeiten für Spielenachmittage", sagt Weiden.

Seit etwa drei Monaten steht ihm in der Fahrradwerkstatt mit dem 21-jährigen Diplom-Ingenieur Reshad aus Afghanistan auch ein tatkräftiger und geschickter Helfer zur Seite. "Er wurde mir von einem Flüchtlingsbetreuer empfohlen, weil er eine Beschäftigung suchte und handwerklich begabt ist", sagt Weiden. Und offenbar tut auch dem jungen Mann, der jetzt in Linderte wohnt, die gemeinsame Arbeit gut. "Am Anfang haben wir uns mit Händen und Füßen unterhalten, jetzt versteht er mich schon sehr gut", freut sich Weiden. Der Asylbewerber ist auch sehr froh über den kostenlosen Sprachunterricht beim Schrauben. Er möchte nämlich möglichst schnell Vorlesungen an der Universität in Hannover besuchen, damit sein Diplomtitel auch in Deutschland anerkannt wird. Reshad ist seit gut drei Monaten mit seiner Mutter und zwei Brüdern in Linderte untergebracht. Er hofft, dass bald auch sein Vater und zwei Schwestern nach Deutschland fliehen können. "Es scheitert noch am Geld für die Fluchthelfer", weiß Weiden.

Kurzfristig hat das Duo aber einen anderen Wunsch: "Wir brauchen dringend weitere Spenden - ausrangierte und gebrauchte Fahrräder", sagt Weiden. "Es kommen bald 25 neue Asylbewerber in Weetzen an, und in Empelde gibt es keine Fahrradwerkstatt", nennt Weiden den Grund. Er habe zuletzt immer wieder Flüchtlingen kein Rad ausliefern können. "Weil in der Werkstatt nicht genügend Exemplare zur Verfügung stehen." Aber Weiden ist zuversichtlich: "Wenn wir wieder Sachspenden bekommen, geht es schnell weiter, weil ich mit Reshad doppelt so schnell liefern kann."

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Großparkplatz: An der Flüchtlingsunterkunft in Weetzen können die Asylbewerber die Fahrräder aus Weidens Produktion inzwischen an von der Stadt kostenlos installierten Anlehnbügeln abstellen.

Quelle: Privat
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