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Fluglärm nervt einige Bürger

Weetzen/Gehrden Fluglärm nervt einige Bürger

Einige Bürger aus Weetzen sind genervt vom Fluglärm. Eine Anwohnerin der Dietrich-Bonhoeffer-Straße berichtet, dass ab 2 Uhr nachts in kurzen Abständen Flugzeuge tief über den Ort flögen. Der Fluglärmschutzbeauftragte des Landes gibt aber Entwarnung.

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So tief wie in Langenhagen fliegen die Flugzeuge nicht über Weetzen, aber einige Bürger fühlen sich trotzdem erheblich gestört.

Quelle: dpa

Weetzen/Gehrden. „Weetzen wird nicht direkt überflogen“, sagt Reinhart Thomas, Fluglärmschutzbeauftragte für den Flughafen Langenhagen, auf Anfrage. Der Ort liege an der Povel-Route, das ist die südöstliche Hauptflugroute des Großflughafens in Langenhagen. Sie verläuft zwischen Ronnenberg und Weetzen – etwa auf der Achse Stemmen–Gehrden–Sarstedt.

Der Fluglärmschutzbeauftragte weist darauf hin, dass es aus technischen, meteorologischen oder luftverkehrsbedingten Gründen Abweichungen und Streuungen von der Route geben könne. „Aufgrund der freien Flächen in der Umgebung sind die Luftfahrzeuge entlang der Route in einer Überflughöhe von rund 3500 Meter wohl zu hören“, meint Thomas.

Die Wahrnehmung von Fluglärm sei jedoch nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einer Belastung oder gar Beeinträchtigung der Gesundheit aufgrund von Fluglärm, meint der Experte. „Normaler Verkehrslärm ist hinzunehmen“, sagt Thomas. Ihn verwundert nicht, dass Flugzeuggeräusche derzeit möglicherweise stärker als sonst wahrgenommen werden. „An Tagen mit hohen Außentemperaturen halten sich die Menschen häufiger im Freien auf oder schlafen bei geöffnetem Fenster.“ Zudem brächten die Monate Mai bis Oktober ein erhöhtes Luftverkehrsaufkommen mit sich, ergänzt Thomas.

Anwohner der Dietrich-Bonhoeffer-Straße bezeichnen den Flugverkehr und die Lärmbelästigung hingegen als „ganz extrem – die Flugzeuge fliegen so tief. Wir drehen hier am Rad“, sagt eine Frau.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Povel-Route zu Beschwerden führt. Im Herbst 2014 und auch in den Jahren zuvor war störender Fluglärm ein Thema in Weetzens Nachbarkommune Gehrden. Insbesondere an Tagen mit Westwind – und damit an 70 Prozent aller Tage im Jahr – überqueren zahlreiche Flugzeuge unmittelbar nach dem Start das Calenberger Land. Demnach sind die Bewohner dem Lärm der im Steigflug mit voller Schubkraft fliegenden Maschinen ausgesetzt. Besonders nachts seien die Geräusche unüberhörbar, lautete damals die Argumentation der Gehrdener.

Der vermeintliche Fluglärm über Weetzen wird kontrovers diskutiert. Ein langjähriger Anwohner der Anton-Bruckner-Straße in Weetzen bemerkt keinerlei störende Geräusche. „Auch nicht, wenn ich auf der Terrasse sitze. Die Güterzüge, die durch Weetzen fahren, sind viel lauter“, stellt Detlef Mandke fest.

Dagegen bedeutet für Frank Guillium aus Gehrden der Fluglärm eine erhebliche Beeinträchtigung. „Ich habe mich 2014 und 2015 eindringlich damit befasst. Die vom Flughafenbetreiber genannten Überflughöhen wurden in fast jedem Fall unterschritten. Damals wurde vorgeschlagen, die Route über nicht dicht besiedeltes Gebiet zu führen, zumal die Start-und Landephasen als die gefährlichsten Flugphasen gelten. Schon deshalb sollte während dieser Phasen das unnötige Überfliegen dicht besiedelter Gebiete vermieden werden“, meint der Gehrdener.

Sein Vorschlag lautet: „Die Route etwa zehn Kilometer weiter in den Westen verlegen und den Deister der Länge nach zu überqueren, bis eine Flughöhe erreicht ist, die die Bürger nicht in diesem Maße stört.“ 2015 habe ihm der Flughafen Hannover auf Nachfrage und Konfrontation mit konkret gezählten Flugzeugen erklärt, es seien doch nicht, wie ursprünglich behauptet, nur sechs Flugzeuge pro Tag, die Gehrden, Ronnenberg und Weetzen in niedriger Höhe und mit voller Schubkraft Richtung Süden überqueren. „Vielmehr sind es im Jahr 2014 im Schnitt 14 Flugzeuge pro Tag gewesen. Im Spätsommer 2015 erbrachte eine Zählung an einem Wochentag in 22 Stunden über 40 Flugzeuge, die in etwa 3000 Metern Höhe Gehrden überquerten. Dies ließ sich damals leicht mit dem vom Flughafen Hannover bereit gestellten Flugvisualisierungsprogramm, das auch die Flughöhe angab, feststellen.“

Guillium gewann damals die Erkenntnis, dass „sowohl der Flughafen Hannover als auch der Lärmschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen nicht die Interessen der Bürger vertreten, sondern ausschließlich die des Flughafens. Es wurde lediglich darauf hingewiesen, dass es für den Flughafen Hannover kein Nachtflugverbot gibt.“

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Von Redakteur Kerstin Siegmund

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