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Jung ist Harms' neuer Mann

Ronnenberg Jung ist Harms' neuer Mann

Ronnenbergs neuer Wirtschaftsförderer heißt Torsten Jung. Der Freie-Wähler-Ratsherr aus Empelde beginnt seine Tätigkeit im Rathaus am 15. Dezember. Laut Bürgermeisterin Stephanie Harms soll er sich auch um das Stadtmarketing kümmern.

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Bei der Stichwahl für das Bürgermeisteramt hat Torsten Jung eine Wahlempfehlung für Stephanie Harms abgegeben.

Quelle: Kerstin Siegmund

Ronnenberg. Diese Personalentscheidung ist eine ganz besondere: Bürgermeisterin Stephanie Harms (CDU) hat Torsten Jung für die von ihr neu geschaffene Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing ausgewählt.

Jung war vor zwei Jahren bei der Bürgermeisterwahl Gegenkandidat von Stephanie Harms. 3552 Ronnenberger gaben ihm ihre Stimme. Mit diesen beachtlichen 27,1 Prozent brachte er Stephanie Harms (CDU) und den als Favoriten gehandelten Ersten Stadtrat Torsten Kölle (SPD) in die Stichwahl.

Vor dieser Entscheidung hatte Jung seine Wähler in einer öffentlichen Aktion aufgefordert, Stephanie Harms die Stimme zu geben. Dieser Coup gelang. Harms ist seit 1. Januar 2014 Bürgermeisterin und damit nach 31 Jahren SPD-Regierung die erste Christdemokratin auf dem Chefsessel im Rathaus.

Auf Anfrage teilte Harms mit, dass Torsten Jung einer von 68 Bewerbern für die öffentlich ausgeschriebene Stelle war „Zwölf Kandidaten sind in die engere Wahl gekommen. Ich schätze Torsten Jung als bestmöglichen Bewerber ein“, sagte Harms. Er erfülle alle Anforderungen der Stellenausschreibung, bringe Erfahrung als Netzwerker und im Marketing mit. Sie habe bewusst keinen Verwaltungsmitarbeiter ausgewählt. „Ich wollte einen Mann aus der freien Wirtschaft“, sagt die Bürgermeisterin.

Dass Jung im Rat einst durchaus ihr Widersacher gewesen sei – „aus meiner Zeit als CDU-Fraktionsvorsitzende kann ich mich noch gut an Auseinandersetzungen erinnern“ – sei für sie daher kein Ausschlusskriterium gewesen. „Bei Personalentscheidungen muss ich meine Parteibrille absetzen“, sagte die Bürgermeisterin. Torsten Jung greife bei politischen Diskussionen im Rat SPD, Grüne und CDU an, aber nicht die Stadt und die Verwaltung, betonte Harms.

Der 53-jährige Empelder hat bisher als Bürokaufmann und EDV-Fachmann im Vertrieb gearbeitet, sammelte nach eigenen Angaben aber auch Marketingerfahrungen. 2005 begann Jung seine politische Laufbahn in der CDU, wechselte 2009 zu den Freien Wählern, ist Ratsmitglied und seit 
2011 Regionsabgeordneter. „Dieses Mandat wird er behalten. Das ist seine Privatsache“, sagt Harms. Sein Mandat in Ronnenberg muss er allerdings aufgeben, wenn er als Angestellter ins Rathaus wechselt.

Die Stadt braucht mehr Fachpersonal

Die Personalsituation bei der Stadtverwaltung ist angespannt. „Alle Mitarbeiter fahren am Limit“, sagt Bürgermeisterin Stephanie Harms. Und weitere Kräfte zu finden, sei kaum möglich. „Der Markt ist leer gefegt, die Kommunen nehmen sich gegenseitig die Stellen weg.“ Der Grund: Den Städten und Gemeinden sind von Bund und Land zahlreiche neue Aufgaben übertragen worden.

Aktuell sei es die Flüchtlingskrise, die den Mitarbeitern sehr viel abverlange, sagt Harms. Aber auch der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, die Drittkräfte in den Kitas oder die Inklusion sind Beispiele für den steigenden Bedarf an gut ausgebildetem Personal. Zurzeit schreibt die Verwaltung Sachbearbeiterstellen für die Teams Personal, Sozialleistungen, Bürgerdienste sowie für einen Bauingenieur in der Gebäudewirtschaft aus. „Wir suchen 
eigentlich ständig Leute“, sagt Harms, „weil es schon immer einen großen Wechsel gab.“

Den Hauptgrund für die hohe Fluktuation sieht sie beim Land und bei der Region. „Dort sind die Stellen besser bezahlt und die Aufstiegschancen sind größer“, sagt Harms. Möglicherweise gehe es in der Landes- oder Regionsverwaltung auch ruhiger zu. „In einer Kommune tragen die Sachbearbeiter große Verantwortung.“

Derzeit beschäftigt die Stadt 
369 Mitarbeiter, davon allein 166 in den Kindergärten. Dem Asylbereich sind aktuell fünf Stellen direkt zugeordnet, aber auch etliche weitere Angestellte und Beamte sind für die Flüchtlinge tätig.

Kommentar

Der Rat bleibt außen vor

Nach der Bürgermeisterwahl ist Torsten Jung Mitte Oktober 2013 gefragt worden, was ihm Stephanie Harms für seine Wahlempfehlung versprochen habe. „Meinen Sie einen Job? Ich habe schon einen in der IT-Branche“, antwortete der Empelder selbstbewusst. Damals verwies er auf die gemeinsamen politischen Ziele zum Wohle der Stadt, um die sich Harms als Gegenleistung für seine Unterstützung kümmern werde. Nun kommt es doch so, wie damals hier und da vermutet wurde.Torsten Jung erhält eine Stelle bei der Stadt. Eine Entscheidung, die Harms ohne Zustimmung des Rates treffen darf.

Von Kerstin Siegmund

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Von Redakteur Kerstin Siegmund

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