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Hamster werden für Bundesstraße umgesiedelt

Ronnenberg Hamster werden für Bundesstraße umgesiedelt

Landwirt Christoph Burchard stellt dafür einen 5,3 Hektar großen Acker nordöstlich von Linderte zur Verfügung. Dorthin lässt die Straßenbauverwaltung des Landes im kommenden Jahr eine Feldhamsterkolonie umsiedeln. Anlass ist die neue Bundesstraße 3, die um Hemmingen herumgeführt werden soll.

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Christoph Burchard (rechts) erläutert Berufskollegen und Mitgliedern des Naturschutzbundes das Umsiedlungsprojekt für Hamster.

Quelle: Siegmund

Linderte . Das Umsiedlungsmodell wurde in Sachsen schon erfolgreich umgesetzt. „Es funktioniert“, sagt Burchard. Nun greift es auch in der Region Hannover, denn nicht nur das Land, sondern auch private Bauherren sind gesetzlich verpflichtet, den Artenschutz zu beachten. Wenn Freiflächen in der Natur zu Bauland werden, müssen die Areale auf Hamsterbauten untersucht werden.

Den putzigen Nagern, deren Bestand europaweit stark zurückgeht, soll es in der neuen Heimat gut gehen. Die Naturschutzbehörde der Region überwacht die Umsiedlung. Sie gibt die Größe der Fläche und den Bewuchs genau vor.
„Jeder Hamster braucht etwa 100 Quadratmeter Fläche und verschiedene Kulturen wie Luzerne als Dauergrün und Weizen für den Wintervorrat“, sagt Burchard.

Dass die Hemminger Hamster ab August 2016 in der Gemarkung Linderte leben sollen, liegt am dort vorhandenen lockeren Lößboden. Als Tiere der Ackersteppe benötigen die Nager bestimmte Bodenverhältnisse, um ihre bis zu 60 Zentimeter tiefen Bauten buddeln zu können. „Auf diesem Acker waren schon immer Hamster“, sagt der Burchard. Das Land überweist ihm eine Ausgleichszahlung für den Ernteausfall im neuen Hamsterparadies

Ein Paradies für Hamster

Saftige Luzerne und knackige Weizenkörner – der Speiseplan für Feldhamster ist fertig. Landwirt Christoph Burchard weiß, was die Nager mögen. Auf seinem Acker im Nordosten von Linderte leben seit jeher Hamster. Ihre Bauten sind gut zu erkennen. Es sind kleine Hügel mit einem ziemlich großen Einstiegsloch.

Wenn die Nager aus dem Raum Hemmingen/Arnum wegen der Bauarbeiten für die neue Bundestraße 3 nach Linderte umgesiedelt werden, müssten sie sich eigentlich gut eingewöhnen können. In Absprache mit einem von der Region Hannover beauftragten Planungsbüro aus Braunschweig hat der Linderter Landwirt seinen Acker für die Umsiedlung der Feldhamster im August 2016 vorbereitet. Im nächsten Jahr werden sogar die Höhlen im Erdreich vorgebaut, um den Tieren das Einleben auf der neuen Fläche so leicht wie möglich zu machen.

Die Umsiedlung schreibt der europäische Artenschutz vor. Die nachtaktiven Tiere gehören zu den streng geschützten Arten in Europa. Sie sind vom Aussterben bedroht, weil sich ihre Lebensbedingungen verschlechtert haben. Burchard nennt die Gründe: „Die Landschaft hat sich verändert, sie ist nicht mehr so kleinparzellig und abwechslungsreich wie vor 50 Jahren.“ Außerdem habe der Hamster weit mehr natürliche Feinde als früher. „Dazu gehören Greifvögel, deren Verfolgung gesetzlich verboten ist, sowie Füchse, deren Zahl ebenfalls stark zugenommen hat“, sagt Burchard.

Der Landwirt und Jäger will auf seinem Acker in der Nähe der Windkraftanlagen nicht nur den Hamstern einen Lebensraum bieten. Auf einem 14 Meter breiten Schutzstreifen rund um die Fläche gedeihen jede Menge Wildkräuter und Lupinen. „Hier können sich auch Feldlerchen und Rebhühner wohlfühlen“, meint Burchard. Der Schutzstreifen wird nicht gedüngt und nicht gespritzt.

In Sichtweite der Hamsterfläche plant der Naturschutzbund Ronnenberg ein ähnliches Projekt. Eine 10 000 Quadratmeter große Fläche soll ebenfalls umgestaltet werden. „Wir wollen mehr Vielfalt in die Landschaft bringen“, sagt der Vorsitzende Rainer Tubbe aus Ihme-Roloven.

Von Kerstin Siegmund

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