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Jörg Tadje: "Es war ein Stück weit mein Leben"

Ronnenberg Jörg Tadje: "Es war ein Stück weit mein Leben"

Am 30. November soll Schluss sein. Zwölf Jahre beziehungsweise zwei Amtszeiten lang hat Jörg Tadje als Stadtbrandmeister die Ronnenberger Feuerwehr angeführt. Eine intensive und anstrengende Zeit, wie der 59-Jährige betont. Dennoch blickt der Linderter zufrieden auf seine Amtszeit zurück.

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Zwölf Jahre lang war Jörg Tadje Stadtbrandmeister von Ronnenberg.

Quelle: Heidi Rabenhorst

Ronnenberg/Linderte. Direkt zu Beginn war Tadje jedoch vor große Herausforderungen gestellt worden. "Im Sommer 2005 wurde endgültig klar: Die Kommune hat kein Geld mehr", erinnert er sich. Die Jahre, in denen jede Ortsfeuerwehr die gleiche Ausrüstung und Gerätschaften vorhalten konnte, waren vorbei. Primäre Aufgabe für den neuen Stadtbrandmeister war es also, nach Einsparmöglichkeiten zu suchen. Sein Lösungsansatz lautete damals: Gerätschaften gemeinsam nutzen.

Ein Ansatz, der zunächst nicht bei allen Ortsbrandmeistern auf Zustimmung gestoßen sei, berichtet Tadje. Schließlich habe jeder von ihnen den Kameraden eine möglichst gute Ausstattung vor Ort bieten wollen. Natürlich habe er Verständnis für diese Haltung gehabt, sagt der Linderter. Er sei jedoch davon überzeugt gewesen, dass beispielsweise nicht jede Ortsfeuerwehr einen eigenen Druckbelüfter besitzen müsse. Den könne im Einsatzfall auch eine benachbarte auf Anfrage zum Einsatzort bringen. In den vorgeschriebenen 17 Minuten sei das kein Problem, argumentierte Tadje damals. Letztendlich setzte er sich durch, und die Ortsbrandmeister trugen die Entscheidung mit. "Wir waren häufig nicht einer Meinung, haben aber stets eine Lösung gefunden", bilanziert Tadje und betont gleichzeitig, wie dankbar er für diese Unterstützung während der zwölf Jahre sei.

Im Zuge der Einsparreformen entwickelte Tadje gemeinsam mit den weiteren Feuerwehrführungskräften, der Politik sowie der Verwaltung einen ersten Fahrzeugplan, der als Grundlage des heutigen Feuerwehrbedarfsplans diente. Dass dadurch die Bedarfe der Wehren und somit auch der finanzielle Aufwand für die Stadt für mehrere Jahre transparent und planbar wurde, ist nach Tadjes Worten ein Meilenstein gewesen, ebenso wie die Beschaffung der neuen Einsatzbekleidung.

Mit Blick auf seine Zeit als Stadtbrandmeister lobt Tadje ganz besonders die aus seiner Sicht exzellente Zusammenarbeit mit dem zuständigen Fachbereich Ordnung im Rathaus. Sowohl mit Fachbereichsleiter Wolfgang Zehler als auch mit allen anderen Mitarbeitern sei diese stets hervorragend gewesen. "Das liegt auch daran, dass die zuständigen Leute im Rathaus enormes Fachwissen haben", sagt Tadje. Dadurch habe immer eine Kommunikation auf Augenhöhe stattgefunden.

Sein Alter zwingt Tadje noch nicht zum Aufhören. Vielmehr sei es der Umfang der Aufgaben eines Stadtbrandmeisters, die ihn müde gemacht hätten, erklärt der 59-Jährige. Unzählige Sitzungen in der gesamten Region, Arbeitskreise und immer mehr Verwaltungsaufgaben hätten ihn an die Belastungsgrenze geführt. Der immer größer werdende Aufwand lasse ihn daran zweifeln, ob ein Stadtbrandmeisteramt in Zukunft überhaupt noch ehrenamtlich ausgeführt werden könne. "Eigentlich ist das neben einer normalen Erwerbstätigkeit nicht machbar", so sein Fazit. Dennoch wünscht er seinem Nachfolger Gunnar Scheele alles Gute für seine im Dezember beginnende Amtszeit. "Er ist jung und hat frische Ideen", lobt Tadje. Daher mache er sich auch keine Gedanken über die Zukunft der Ronnenberger Feuerwehr.

Die stressfreiere Zukunft will Tadje vermehrt in den Reihen seiner Familie verbringen. Immerhin habe diese in der Zeit als Stadtbrandmeister viel auf ihn verzichten müssen, sagt der Linderter. Er freue sich darauf, einfach mal auf der Terrasse zu sitzen, sich um sein Patenkind zu kümmern oder dem Hund beim Spielen zuzusehen. Dennoch werde er die Zeit als Führungspersönlichkeit bei der Feuerwehr vermissen, resümiert der 59-Jährige: "Es war ein Stück weit mein Leben."

Zur Person

Die Feuerwehr war für Jörg Tadje von Kindesbeinen an ein elementarer Bestandteil seines Lebens. Als Sohn eines Gründungsmitglieds der Linderter Feuerwehr stand außer Frage, dass auch er eines Tages in die Ortsfeuerwehr eintreten würde. Am 1. Februar 1971 war es soweit: Im Alter von 14 Jahren trat Tadje der an diesem Tag gegründeten Jugendfeuerwehr Linderte bei. Mit 17 Jahren ging es in die aktive Wehr, 1988 wurde Tadje ins Kommando der Ortsfeuerwehr gewählt. Nach zahlreichen Lehrgängen wurde er 1994 stellvertretender Ortsbrandmeister, bevor er von 1996 bis 2005 das Amt des Ortsbrandmeisters inne hatte. In der Zeit von 2001 bis 2005 war er zudem Stellvertreter des damaligen Stadtbrandmeisters Hans-Heinrich Hüper, bis er dessen Amt übernahm. 

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Von Marcel Sacha

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