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Knochen sind 1300 Jahre alt

Ronnenberg Knochen sind 1300 Jahre alt

Wissenschaftler haben zwei menschliche Unterkieferknochen eindeutig der Merowingerzeit (480 bis 750 nach Christus) zugeordnet. Damit liegt ein dritter Beweis vor, dass Ronnenbergs bisher bekannte urkundliche Ersterwähnung zutreffend sein könnte.

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Eberhard Winkler (von links), Wilfried Stümpel, Konrad Boden und Lothar von der Heide betrachten den Kieferknochen aus der Merowingerzeit.

Quelle: Kerstin Siegmund

Ronnenberg. Makellos sind die Zähne erhalten. „Dieser Mensch ist etwa 20 Jahre alt geworden“, sagt Eberhard Winkler. Als Beleg für seine These führt der Hobbyhistoriker und Tierarzt einen Weisheitszahn an, der im Unterkiefer zwar angelegt, aber noch nicht durchgebrochen ist. Die Knochen sind sehr alt: Wissenschaftler der Universität Erlangen fanden heraus, dass die Fundstücke 1300 beziehungsweise 1350 Jahre alt sind. Die jüngste Expertise bestätigt das Untersuchungsergebnis eines Schädelknochens vor einem Jahr an der Uni Kiel im Auftrag des Heimatbundes.

Der Vorsitzende Karl-Friedrich Seemann forscht seit Jahren über das wahre Alter der Stadt. Jahrzehntelang galt Ronnenbergs erste urkundliche Erwähnung 531 nach Christus. Diese zog Prof. Carl-Friedrich Hauptmeyer, Historiker der Universität Hannover, vor acht Jahren in Zweifel - in einem Gutachten, das Bürgermeister Wolfgang Walther in Auftrag gab. Das Ergebnis sorgte für Verstimmung zwischen Walther, dem von ihm eingesetzten Arbeitskreis Stadtgeschichte unter Leitung von Wilhelm Kulke und dem Heimatbund. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet. Die Stadt zahlte sogar die Kosten für die Knochenbestimmung an der Universität Erlangen. „Das Ergebnis zeigt, dass Geschichtsforschung ergebnisoffen sein sollte“, sagte Walther gestern im Heimatmuseum.

Für Museumsleiter Lothar von der Heide ist das Ergebnis „ein Volltreffer.“ Er fand die Unterkiefer beim Aufräumen im Museum und bewahrte sie auf. Nun werden sie in einer Vitrine ausgestellt. Gefunden wurden die menschlichen Überreste bereits vor Jahrzehnten im Ortskern an den Quellen.  

Die Untersuchung

Modernes Verfahren

Mit der sogenannten C-14-Methode ist heute eine Altersbestimmung möglich. Gemessen wird der Anteil des durch Nahrung aufgenommenen radioaktiven Kohlenstoffes C14 in den Knochen. Dieser Anteil nimmt nach dem Tod eines Lebewesens kontinuierlich ab. Diese Untersuchung kostete die Stadt 760 Euro, ist also erschwinglich. Weitaus aufwendiger, meint Karl-Friedrich Seemann, wird die Bestimmung sein, wo und wie die Menschen gelebt haben, deren Knochen in Ronnenberg gefunden wurden. Sie sind Teile eines historischen Puzzles. Im Museum lagern Mühlsteine, die ebenfalls 1300 Jahre alt sind.

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Von Redakteur Kerstin Siegmund

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