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Fremd fühlen in der eigenen Stadt

Empelde Fremd fühlen in der eigenen Stadt

Dass günstige Wohnungen in den kommenden Monaten vorrangig für Flüchtlinge gebaut werden, ruft nicht überall Begeisterung hervor. Ein Familienvater aus Empelde hat nun keine Hoffnung mehr, in absehbarer Zeit eine bezahlbare Wohnung zu finden.

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In Empelde fehlen seit Jahren günstige Mietwohnungen. Dass diese nun vorrangig für Flüchtlinge gebaut werden, trübt die Stimmung in der Bevölkerung

Quelle: Nils Oehschläger

Empelde. Frank Bernhardt hat für sich und seine Familie ein Reihenhaus gemietet, für 900 Euro im Monat, die sich der Angestellte nach eigenen Angaben nur mit Hilfe von zwei Nebenjobs leisten kann. „Wir suchen seit langer Zeit eine bezahlbare Wohnung, aber es gibt sie nicht“, sagt der 50-jährige Vater eines schulpflichtigen Sohnes. Wegzuziehen in eine günstigere Wohngegend kommt für ihn nicht in Frage. „Ich lebe seit meiner Geburt in Empelde.“

Seitdem die Medien fast täglich über die Probleme bei der Unterbringung der Flüchtlinge berichten, hat Bernhardt die Hoffnung aufgegeben, in absehbarer Zeit eine andere Wohnung zu finden. Gänzlich entmutigt hat ihn die Nachricht, dass in Empelde bezahlbarer Wohnraum gebaut wird, der zunächst an Asylsuchende vermietet wird.

Die KSG Hannover errichtet an der Nenndorfer Straße zwölf Drei- und Vierzimmerwohnungen, die im kommenden Sommer bezugsfertig sind. Das Projekt, das die KSG mit der Stadt Ronnenberg verwirklicht, hat Modellcharakter für die gesamte Region. Auf Nachbargrundstücken entstehen weitere günstige Wohnungen. „Mit den Flüchtlingen bekommen wir hunderte neue Bewohner“, lautet die Einschätzung der Stadtmitarbeiter. Schon seit Jahren sei versucht worden, Investoren für den Bau günstiger Wohnungen nach Empelde zu holen. „Ohne Erfolg“, sagt der städtische Fachbereichsleiter Wolfgang Zehler. Erst die Flüchtlingskrise habe dazu geführt, dass Wohnbauprogramme aufgelegt werden, die es zuletzt vor 25 Jahren gab.

„Die Stimmung in der Empelder Bevölkerung ist schlecht“, berichtet Frank Bernhardt. Die Sorge der Menschen, die seit langer Zeit hier leben, sei groß, dass sie vergessen werden angesichts der Fürsorge für Flüchtlinge. „Wir fühlen uns fremd in unserer eigenen Stadt. Viele Leute sind gefrustet und verschüchtert“, sagt der Empelder. Sie würden sich nicht trauen, öffentlich darüber zu sprechen, dass sie befürchten, vergessen zu werden. „Man darf nichts sagen über Flüchtlinge, weil man gleich in eine rechte Schublade gesteckt wird.“ Er aber stehe zu seiner Meinung mit seinem vollen Namen. „Ich bin selbst mit einer Ausländerin verheiratet“, sagt Bernhardt.

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Von Redakteur Kerstin Siegmund

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