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Schröder-Kopf nimmt Integrationswünsche mit

Empelde Schröder-Kopf nimmt Integrationswünsche mit

Viele Wünsche für eine bessere Integration von Flüchtlingskindern: Die SPD-Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf hat sich an der KGS Ronnenberg über das Konzept und die Schwierigkeiten in Sprachlernklassen informiert. Pädagogische Hürden sind keineswegs nur die Sprachbarrieren.

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Die SPD-Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf (vorne, Mitte) informiert sich als Landesbeauftragte für Migration an der KGS Ronnenberg bei der Schulleitung und bei Vertretern der Stadtverwaltung über pädagogische Schwierigkeiten rund um die Beschulung von Flüchtlingskindern.

Quelle: Ingo Rodriguez

Empelde. Es war alles andere als ein Höflichkeitsbesuch. Dafür waren die Erwartungen viel zu groß. Schröder-Köpf war als ehrenamtliche Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe von der Schulleitung nicht nur eingeladen worden, um ihr die Integrationsbemühungen der Schule vorzustellen. "Wir wollen auch pädagogische Schwierigkeiten in den Sprachlernklassen ansprechen, um Verbesserungen zu erzielen", sagte Schulleiter Frank Hellberg. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die leitenden Lehrkräfte der Kooperativen Gesamtschule (KGS) schon mit Schröder-Köpf in einen Besprechungsraum zurückgezogen - unmittelbar nach ihrer Ankunft.

Um die besonderen Herausforderungen in den Sprachlernklassen zu verdeutlichen, war es aber auch notwendig, das pädagogische Konzept der KGS darzustellen. An der Marie-Curie-Gesamtschule gibt es erst seit einem Jahr Sprachlernklassen. Inzwischen sind es drei Klassen mit insgesamt 45 Kindern. "Wir haben Neuland betreten. Das Konzept musste neu entwickelt und muss weiter entwickelt werden", sagte Hellberg.

An der KGS sollen sich die Flüchtlingskinder in den ersten drei Monaten nach ihrer Ankunft in den Sprachklassen intensiv eingewöhnen. "Viele trauen sich ja kaum, den Raum zu verlassen", sagte Pädagogin Maria Lutz, eine von drei Sprachlern-Klassenlehrerinnen. Erst nach drei Monaten Deutschunterricht sei es vorgesehen, Flüchtlingskinder altersgerecht für einen Schnuppertag pro Woche in die Regelklassen zu schicken. "Ab dem achten Monat haben die Schüler ein Sprachniveau erreicht, das drei Unterrichtstage in den Regelklassen und die Auflösung der Sprachlernklasse nach etwa einem Jahr möglich macht", erklärte Lutz.

Ein besonderes Problem ist derzeit, dass eine neue Sprachlernklasse mit zehn bis 15 Jahre alten Schülern gibt, die nicht einmal das Alphabet kennen. "Dort geht es zunächst nur mit Händen, Füßen und Bildern, weil sehr wenig Dolmetscherstunden zu Verfügung stehen", sagte Lutz. Sie nannte Schröder-Kopf in ihrem Vortrag noch viele weitere pädagogische Hürden bei der Beschulung der Flüchtlingskinder: unterschiedliches Alter, verschiedene kulturelle Hintergründe, Traumatisierungen, ungleiche Begabungen und Auffassungsfähigkeiten. Deshalb würden niveaugleiche Tischgruppen gebildet, es sei viel Improvisation nötig. Die erste Forderung der KGS-Lehrer: "Es müssen mehr spezielle Fortbildungen angeboten werden. Nur wenige Pädagogen haben entsprechende Zusatzqualifikationen, erst recht kaum Praxis", sagte Lutz.

Bei Schröder-Kopf stießen die Pädagogen auf Verständnis: "Das ist für Lehrer eine ganz andere Liga", sagte sie und ließ sich weitere Wünsche und Anregungen nennen - darunter mehr Förderstunden, beschleunigter Familiennachzug als psychologischen Halt, unbürokratische Anerkennung der jeweiligen Muttersprache als zweite Fremdsprache, Flüchtlingslotsen für die Berufsorientierung, schulische Kompetenzzentren für Alphabetisierung und Niveaugleichheit.

Schröder-Köpf versprach, alle Anregungen dem Kultusministerium weiter zu leiten. In dem etwa eineinhalbstündigen Gespräch mit der KGS-Leitung machte sie sich zudem für eigenständige Migrationsministerien und höhere Kostenbeteiligung des Bundes stark. Laut Schröder-Köpf tragen derzeit das Land und die Kommunen etwa 75 Prozent der Kosten für jeden Flüchtling.

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