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Mieterin verliert Streit wegen Schimmel


Benthe Mieterin verliert Streit wegen Schimmel


Acht Jahre hat Ulrike Domeier in einer Erdgeschosswohnung in Benthe gewohnt und ist dort wegen starkem Schimmelbefall krank geworden. Nun will sie sich eine andere Wohnung suchen. Einen Rechtsstreit mit dem Vermieter Meravis hat sie verloren.

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In diesem Haus gibt es Probleme mit Schimmel. Eine Mieterin im Erdgeschoss hat vergeblich versucht, den Vermieter auf Schadenersatz zu verklagen.

Quelle: Kerstin Siegmund

Benthe. Schimmel und Stockflecken in Küche, Flur und Wohnzimmer, auf Haushaltsgegenständen, auf der Kleidung und eine Luftfeuchtigkeit, die teilweise über 80 Prozent steigt: Ulrike Domeiers Erdgeschosswohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Salinenstraße ist mit Lüften und Heizen – auch im Sommer – nicht trocken zu bekommen. Die Mieterin leidet wegen des Schimmelbefalls an Atemnot und anderen Beschwerden. Sie musste sich neue Möbel kaufen, etwa, weil ihre Schrankwand komplett von Schimmel befallen war.

Nach langem Hin und Her (wir berichteten im November 2014) hatte Domeier den Vermieter Meravis verklagt. Sie hatte vergeblich versucht, eine Beseitigung der Feuchtigkeitsschäden zu erreichen. Domeier meint, die Ursache für die feuchte und schimmelige Wohnung zu kennen. „Das Haus wurde zu stark isoliert, es schwitzt“, sagt sie.

Am 23. Juni sollte das Amtsgericht Wennigsen die Schuldfrage klären. Eine Gutachterin wurde befragt, Domeier hatte ebenfalls ein Gutachten erstellen lassen. Nach der Verhandlung äußerte sie sich zuversichtlich. „Ich habe ein gutes Gefühl, dass ich gewinne und Schadenersatz bekomme.“ Mittlerweile liegt Ulrike Domeier die schriftliche Urteilsbegründung vor. Die Klage wurde abgewiesen.

„Das Urteil stützt sich voll und ganz auf das Gutachten des Vermieters. Darin wird behauptet, dass die hohe Luftfeuchtigkeit durch meine Anwesenheit, kochen, duschen, Wäsche waschen und zu viele Pflanzen entsteht, ferner durch falsches Lüften und Heizen.“ Dies alles habe sie durch Protokolle, Zeugen, Gegengutachten widerlegt, auch, dass die Luftfeuchtigkeit steige, wenn sie mehrere Wochen nicht in der Wohnung sei. „Alle meine Aussagen wurden ignoriert und nicht weiter verfolgt. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Das ist David gegen Goliath“, sagt Domeier.

Nach Rücksprache mit ihrem Anwalt gibt sie nun auf. „Ich bleibe jetzt schon auf den Kosten sitzen, eine Berufung kann ich mir finanziell nicht leisten“, sagt die Bentherin.

Gerichte befassen sich mit dem Schimmelproblem

Feuchtigkeit und Schimmel in Wohnhäusern gehören zu den häufigsten Anlässen für Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern, bemerkt der Mieterbund Hannover.

In den meisten Fällen steht, wie bei Ulrike Domeier, Aussage gegen Aussage. Der Vermieter Meravis wies bereits vor zwei Jahren die Vorwürfe der Bentherin zurück. Das Unternehmen gebe viel Geld für Sanierungen aus, hieß es, und lasse zudem keinen Mieter mit Gesundheitsgefährdungen zurück.

Die Gerichte befassen sich mit fast allen Facetten des Schimmelproblems, auch mit dem Phänomen, dass eine zu gründliche Gebäudesanierung die Ursache sein könnte. So heißt es in einem Urteil, dass schnell Schimmel entstehen kann, wenn so dichte Fenster eingebaut werden, die eine Zwangslüftung nicht ermöglichen und der Mieter nicht mehr als bisher lüfte.

Es sei zunächst die Pflicht des Vermieters, Vorkehrungen für einen regelmäßigen Luftaustausch zu treffen und den Mieter über den erhöhten Lüftungsbedarf zu informieren. Führt danach das normale Wohnverhalten zur Schimmelbildung, kann dies dem ahnungslosen Mieter nicht angekreidet werden.

(LG Gießen, Urteil v. 02.04.2014, Az.: 1 S 199/13)

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Von Redakteur Kerstin Siegmund

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