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Ratspolitiker fordern Gedenkraum

Ronnenberg Ratspolitiker fordern Gedenkraum

Die Stadt soll beim Umbau des Verwaltungshauses an der Velsterstraße ein Gedenkzimmer einrichten, das an einen früheren jüdischen Gebetssaal erinnert. Das haben SPD, Linke und Grüne beantragt. Eigentlich war vorgesehen, mit dem Umbau dem städtischen Service im Ort mehr Platz einzuräumen.

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Verwaltungsnebenstelle: In dem Gebäude an der Velsterstraße soll nach dem Umbau mehr Bürgerservice angeboten werden. An den Gebetsraum erinnert eine Gedenktafel neben dem Eingang (Bild unten).

Quelle: Ingo Rodriguez

Ronnenberg. Rund 550 000 Euro will die Stadt investieren, um in dem historischen Verwaltungsgebäude den Wunsch vieler Anwohner zu erfüllen, nicht nur in Empelde, sondern auch in Ronnenberg den städtischen Service zu verbessern. Im Ausschuss für Finanzen, Stadtentwicklung und Gebäudewirtschaft verwies Bürgermeisterin Stephanie Harms noch einmal auf den großen Bedarf an zusätzlichen Büros. „Es wird eigentlich der ganze Platz benötigt, um der steigenden Zahl von Mitarbeitern gerecht zu werden, ohne Räume anzumieten“, sagte Harms. Ihr Vorschlag: „Die Geschichte des Hauses ist wichtig, deshalb könnte man ja in einem Raum oder Flur eine Tafel oder Vitrine einrichten.“

Das Gebäude an der Velsterstraße war bis 1938 das Wohnhaus einer jüdischen Großfamilie – mit einem Gebetssaal im Obergeschoss für alle Juden des Stadtteils. Unter dem Verfolgungsdruck der Nationalsozialisten verkauften die Eigentümer Haus und Grundstück an die Gemeinde Ronnenberg – auf Grundlage der Gesetze zur Übertragung jüdischen Vermögens und weit unter dem Wert. Noch heute erinnert eine Gedenktafel am Hauseingang an die Geschichte des Gebäudes.

Laut Antrag von SPD, Linken und Grünen soll die Stadt Ronnenberg als Eigentümerin des Hauses auf eine reine Verwaltungsnutzung verzichten. „Es ist kein beliebiges Haus und muss aufgrund der historischen Bedeutung Teil der Erinnerungskultur werden – mit einem Raum mit Ausstellungscharakter“, sagte SPD-Ratsherr Paul Krause. Die Stadt soll sich für die Erstellung eines Konzepts Unterstützung von außen holen. Es gehe nur um einen einzigen Raum an einem Originalschauplatz. Eine Vitrine reiche nicht aus, befand Krause.

Nach der bisherigen Planung soll beim Umbau das Trauzimmer ins Erdgeschoss verlegt werden. Dort sollen auch ein Bürgerbüro mit Warteraum, eine kleine Küche und eine barrierefreie Toilette entstehen. Für das Obergeschoss sind ein Sitzungszimmer, Büros und kleine Archivräume geplant. CDU-Ratsherr Klaus Erich Thum betonte: „Der ganze Platz wird benötigt, um dem Bürgerbedürfnis nach mehr städtischem Service gerecht zu werden.“ Dem Gedenken werde in Ronnenberg bislang ohnehin großer Stellenwert eingeräumt – mit Erinnerungsstelen, Stolpersteinen und Mahnmalen.

Die Antragsteller setzten sich dennoch mit sechs zu fünf Stimmen gegen CDU und AfD durch. Sollte der Rat das Votum bestätigen, muss die Stadt vor dem geplanten Umbau ein Konzept für einen Gedenkraum vorlegen.

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Verwaltungsnebenstelle: In dem Gebäude an der Velsterstraße soll nach dem Umbau mehr Bürgerservice angeboten werden. An den Gebetsraum erinnert eine Gedenktafel neben dem Eingang (Bild unten).

Quelle: Ingo Rodriguez
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Von Redakteur Ingo Rodriguez

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