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SC Empelde versinkt im Chaos

Empelde SC Empelde versinkt im Chaos

Einen Monat nach der Massenschlägerei während eines Spiels des Sportclubs Empelde erheben Trainer und Funktionäre schwere Vorwürfe gegen den neuen Vorsitzenden Hasan Cansi: Gewalt gegen Zuschauer, Drohungen gegen Vorstandskollegen und Unterschlagung. Der Vereinschef weist die Anschuldigungen zurück.

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Mit fliegenden Fahnen in einen ungeheuerlichen Skandal geschlittert: Beim SC Empelde hängen die Flaggen zwar noch nicht auf Halbmast. Dem Vereinschef bläst derzeit aber kräftiger Gegenwind ins Gesicht.

Quelle: Kerstin Siegmund

Ronnenberg. Beim SC überschlagen sich die Ereignisse: Ist es ein Machtkampf? Was ist wirklich geschehen? Und wie soll es weitergehen? Es sind ungeheuerliche Vorwürfe, die gegen den neuen Vorsitzenden und seinen Stellvertreter Murat Güler vorgebracht werden. Beide sind seit dem 30. Mai im Amt. Doch sie geraten schon jetzt massiv unter Druck.

Nicht allein wegen der Vorwürfe: Über den Club und seinen erweiterten Vorstand ist eine Rücktrittswelle hereingebrochen. Geschäftsführer Peter Thomas Reintjes, Fußball-Spartenleiter Klaus Borntraeger, Jugendleiter Aleksej Sokolov, Schiedsrichterobmann Erhan Kardan, Badmintonleiter Dennis Knigge, 1.-Herren-Fußballtrainer Karsten Poerz - sie alle haben ihre Posten niedergelegt. Kassierer Hans-Werner Friedemann wurde offenbar von Cansi seines Amtes enthoben. Der Verein ist in zwei Lager gespalten.

Wortführerin der Protestler ist eine ehemalige Funktionärin: Catalina Wähling, Ehefrau des langjährigen früheren - aber auch umstrittenen - Vorsitzenden Lothar Wähling. Seinetwegen hatten vor zwei Jahren zehn Seniorenfußballer den Verein verlassen und Borussia Empelde gegründet. Die Wählings wiederum hatten im Mai nach jahrelangem Engagement aus gesundheitlichen und privaten Gründen ihre Ämter niedergelegt. Man war froh, mit Cansi einen Nachfolger gefunden zu haben - nun das.

Am Sonnabend gaben Catalina Wähling und die zurückgetretenen Funktionäre in einem Büro in Hannovers Innenstadt in einer extra einberufenen Pressekonferenz ihre Rücktritte bekannt und konkretisierten die Vorwürfe gegen den Clubchef. Wähling sollte Cansi einarbeiten. Dabei sei es zu Unstimmigkeiten gekommen. „Er hat noch nicht einmal seine Unterschrift für das Vereinsregister geleistet, deshalb besitzt zurzeit niemand eine Bankvollmacht. Trainergehälter und zwei Quartale Energiekostenbeiträge an die Stadt stehen aus“, behauptet Wähling.

Zudem habe Cansi in der Sommerpause zwar rund 30 neue Spieler und Mitglieder zum SC Empelde geholt, aber es würden kaum Beiträge gezahlt. Stattdessen habe Cansi Einkäufe getätigt und dem Verein in Rechnung stellen lassen. „Was wir zurzeit erleben, ist eine Katastrophe: Cansi hat alle Hinweise ignoriert“, sagt die frühere Schatzmeisterin.

Sie weiß noch nicht einmal, ob die Personalentscheidungen, die bei einer Vorstandssitzung am 3. August getroffen wurden, rechtens sind. „Die Postenvergabe hat Cansi nicht akzeptiert, weil er bei dem Treffen nicht anwesend war. Wir wissen gar nicht, ob wir vor den Rücktritten im Amt waren“, sagt Wähling. Eine Anfrage beim Fußballverband habe ergeben: „Unsere Satzung ist aus dem Jahr 1981, veraltet und schwammig.“

Besonders ungeheuerlich: Cansi soll einem Vorstandskollegen Gewalt angedroht haben, wenn er weiter falsche Rücktrittsabsichten des Vereinschefs verbreite. Auch bei der Massenschlägerei im Juli sollen Cansi und Stellvertreter Güler kräftig mitgemischt haben. Deshalb seien bereits einige Jugendfußballer ausgetreten. Derzeit zählt der Verein rund 130 Mitglieder, drei Fußball-Herrenmannschaften, vier Jugendmannschaften und eine Badmintonsparte.

Ein weiterer Vorwurf an den Clubchef: „Es gibt eine Spendenbescheinigung über 1500 Euro, aber wo ist das Geld?“, deutet Wähling Veruntreuung an. Eine Woche vor dem Saisonstart in der zweiten Fußball-Kreisklasse wird der SC von einem Skandal erschüttert. „Wir wissen uns nicht anders zu helfen, als an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt Wähling. Auch die Bürgermeisterin wurde informiert.

Nur: Ob Cansi einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zustimme, sei fraglich. Genau das hat er aber vor: „Man versucht, mich aus dem Amt zu drängen, aber ich werde alle Vorwürfe bei einer Versammlung entkräften, sobald mein Stellvertreter aus dem Urlaub zurückkommt.“

Vorsitzender weist alle Vorwürfe zurück

Vorsitzender Hasan Cansi hat in einem Telefongespräch zu allen Vorwürfen Stellung genommen und Aufklärung in einer Mitgliederversammlung angekündigt. Cansi bestätigt, dass die frühere Vorstandsfrau Catalina Wähling ihn einarbeiten sollte. Warum sie versuche, ihn aus dem Amt zu drängen? „Nach der Saison gab es nur noch acht Fußballspieler. Ich habe 30 dazugeholt, auch ehemalige Empelder, die unter Wählings nicht mehr bleiben wollten.“ Als man gesehen habe, dass es wieder laufe, hätten Wählings zurück gewollt. „Ich werde noch sagen, was mir alles angeboten wurde, wenn ich zurücktreten würde.“ Cansi räumt auch ein, noch keine Bankvollmacht für den Verein zu besitzen. „Dafür fehlen mir drei Unterlagen für den Notar, die mir einfach nicht von Wählings gegeben werden.“ Deshalb habe er einen Anwalt eingeschaltet. Warum er die in seiner Abwesenheit getroffenen Personalentscheidungen einer Vorstandssitzung nicht akzeptiert habe? „Die können sich doch nicht einfach ohne mich bei Catalina in der Privatwohnung treffen und Posten vergeben“, sagt Cansi. Den Kassierer Hans-Werner Friedemann habe er nicht bedroht, sondern nur aufgefordert, keine unwahren Rücktrittswünsche des Vereinschefs mehr zu verbreiten. Dass Friedemann als Kassierer aufhören soll, habe andere Gründe: „Er ist für die Beiträge zuständig, aber es kommen kaum Beiträge rein.“ An Spenden habe Cansi bislang 300 Euro angenommen. „Das zu prüfen ist Sache des Vorstands und des Finanzamtes, nicht von Catalina.“ Zudem sage es viel aus, erst einen Monat nach der Massenschlägerei ihm eine Beteiligung zu unterstellen. „Warum nicht eher?“, fragt Cansi. Er macht die Wählings auch für etliche Abgänge verantwortlich. „Ich werde mit der Aufklärung bis zur Rückkehr meines Stellvertreters warten, denn wir sind ein Team – anders als früher beim SC.“

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