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Schausteller mit Leib und Seele

Ronnenberg Schausteller mit Leib und Seele

Die Schaustellerfamilie Müller aus Ronnenberg ist auf dem hannoverschen Schützenfest mit einem ganz besonderen Schatz vertreten gewesen: Eine prächtige Jahrmarktsorgel aus dem Jahr 1908..

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Die Schaustellerfamilie präsentiert die antike Orgel aus dem Jahr 1809: Hans-Horst Müller (von links) mit Hendrik, Megan, Harald und Frederik Müller.

Quelle: Heidi Rabenhorst

Ronnenberg. Bei einem Verkauf an Sammler in Amerika oder Japan dürfte die historische 38-er Konzertorgel wohl 100.000 Euro bringen. Hans-Horst Müller winkt ab. "Unsere Orgel ist unverkäuflich. Die gehört zu unserer Familientradition", sagt der 83 Jahre alte Schausteller aus Ronnenberg. Sein Sohn Harald erzählt, dass ein Amerikaner für die Orgel 250 000 Dollar geboten habe. "Die Orgel ist das Hobby meines Vaters, die würde er niemals verkaufen", ergänzt der 52-Jährige.

Bis Sonntag zeigte die Familie das gute Stück auf dem Schützenfest in Hannover - aus Anlass der 775-jährigen Stadtjubiläums. Zur Schaustellerfamilie gehören auch Harald Müller Söhne Henrik, Frederik und Dominik. Sie sind ebenfalls mit Leib und Seele Schausteller. Mit Megan, der zwei Monate alten Tochter von Hendrik Müller, ist bereits die achte Generation geboren.

Die Schausteller sind stolz auf die Familiengeschichte, die im Jahr 1871 mit dem Sattlergesellen Oskar Müller im thüringischen Heiligenstadt begann. "Er beobachtete von seinem Dachstübchen aus das wöchentliche Marktgeschehen. Schnell bemerkte er, dass die Schausteller an einem Tag mit dem Karussell so viel Geld einnahmen, wie er selbst in einem halben Jahr", erzählt Müller.

Oskar Müller schnitzte sich Pferde für sein erstes eigenes Karussell. Als Bismarck eine für das gesamte deutsche Reich gültige Gewerbeordnung erließ, konnte der Urgroßvater mit seinem Fahrgeschäft problemlos im Land herumreisen. "Davor mussten die Schausteller erst die Genehmigung vom Herzog einholen. Das war beschwerlich", berichtet Müller. Die erste Jahrmarktsorgel in der Familie habe sein Großvater Heinrich Müller im Jahr 1908 angeschafft. 3000 Goldtaler habe er dafür bezahlen müssen. "Und dann ist die Orgel leider im Ersten Weltkrieg verbrannt."

Die auf dem hannoverschen Schützenplatz gezeigte Orgel wurde im Jahr 1809 gebaut und befindet sich seit 1991 in Müllers Besitz. Das gute Stück mit zwölf, sich beim Spiel bewegenden Engelsfiguren stammt von der Firma Gebrüder Bruder aus Waldkirch im Schwarzwald. Die mechanische Jahrmarktsorgel spielt Märsche, Polkas und Lieder aus Operetten, aber auch Ohrwürmer wie Ganz Paris träumt von der Liebe, Die Schützenliesel und den Radetzkymarsch.

Über Lochkarten werden die Musikstücke abgespielt. "Wir haben rund 60 Lochbandrollen, die vor Feuchtigkeit geschützt in Schränken verstaut sind. Jede Rolle liefert bis zu drei Musikstücke", berichtet Hans-Horst Müller.

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Von Heidi Rabenhorst

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