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Unvorstellbares Leid in Worte gefasst

Empelde Unvorstellbares Leid in Worte gefasst

Das Schicksal der Juden, die unter dem Hitler-Regime unvorstellbares Leid erlitten, bestimmt den Holocaust-Gedenktag. In Empelde thematisiert am Mittwochabend eine Theateraufführung den Todesmarsch nach Bergen-Belsen. Am Vormittag erinnerten Schüler am Mahnmal an die NS-Opfer.

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Die Darsteller Andreas Daniel Müller, Hanna Legatis und Gerrit Neuhaus bringen "Moshes zweites Leben" auf die Bühne.

Quelle: Heidi Rabenhorst

Empelde. Interviews mit den Holocaust-Überlebenden Moshe Oster und Josef Dreilinger bilden die Grundlage für das Theaterstück "Moshes zweites Leben". Martin G. Kunze schrieb die Theaterfassung anhand der Aufzeichnungen des Journalisten Hans-Jürgen Hermel. Das Stück erinnert auch an den 60 Kilometer langen Fußmarsch der Insassen des KZ-Außenlagers Hannover-Mühlenberg nach Bergen-Belsen.

Die Oberstufenschüler der Marie-Curie-Schule haben sich das bewegende Stück bereits am Dienstag angesehen. Sichtlich ergriffen verfolgten sie die Inszenierung der Regisseurin Laetitia Mazzotti. Das Grauen wird mit Worten deutlich gemacht. "Als wir nachts in Bergen-Belsen ankamen, fiel mein Blick auf einen großen Haufen, der aussah wie Kraut. Fein, dachte ich mir, das Lager ist ja gar nicht so schlimm. Es gibt genug zu essen", sagt Moshe Oster in Gestalt von Andreas Daniel Müller. "Am Morgen darauf sei er eines Bessern belehrt worden: Moshe hatten einen Leichenberg gesehen. „Wir bekamen den Befehl, die Baracke 11 auszureinigen. Wir mussten die Toten rausschmeissen, damit für uns Platz war“, erinnert sich Moshe. Auch den Zählapell am nächsten Morgen wird er nie vergessen. „Wir mussten den ganzen Tag stehen. Wer hinfiel, wurde erschossen.“

Eindrucksvoll beschreibt Darsteller Gerrit Neuhaus die Erlebnisse von Josef Dreilinger. „Als wir durch Hannover marschierten, staunten die Menschen nicht schlecht. Sie wollten wissen, wer wir sind. Unsere Bewacher bezeichneten uns als englische Kriegsgefangene“, erzählt er auf der Bühne der Marie-Curie-Schule.

Nach der Befreiung des Lagers am 15. April 1945 macht sich eine britische Krankenschwester (Hanna Legatis) daran, ihre Patienten auf die Welt außerhalb des KZ vorzubereiten. „Meine Herren, der Krieg ist aus. Deutschland hat kapituliert. Das sollten wir feiern“, überbringt sie ihnen am 8. Mai die frohe Botschaft. Erst nach minutenlanger Stille antwortet Moshe: „Wie sollen wir das feiern? Zum Tanzen bin ich zu schwach“, sagte er. Josef schöpft neuen Lebensmut. „Wir sind jetzt "displaced persons" - verschleppte Personen. Wir können erst einmal hier bleiben. Das klingt doch nach Hoffnung“, sagt er.

Josef heiratet im Lager, sein erster Sohn wird dort geboren. Bergen-Belsen bleibt ihm Heimat bis zur Auflösung des Lagers im Jahr 1950. Das Ehepaar wandert später nach Palästina aus.

Nicht so einfach hatte es Moshe. Ihm wurde die Einreise nach Palästina verweigert, er verbrachte 22 Monate in einem Internierungslager auf der Insel Zypern, bevor er auswandern durfte. Auch er gründete eine Familie.

Das bewegende Stück ist am Mittwochabend um 19.30 Uhr in der Marie-Curie-Schule, Am Sportpark 1, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Gedenkstunde am Mahnmal

Ronnenbergs Bürgermeisterin Stephanie Harms und Schüler der Marie-Curie-Schule haben am Mittwochvormittag am Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus Blumen niedergelegt. „Auschwitz ist zum Synonym für millionenfachen Mord geworden, für Folter und Menschenversuche, für eine bis ins letzte geplante Vernichtungsmaschinerie, für Unmenschlichkeit schlechthin“ sagte Harms. Diesem Verbrechen seien Menschen zum Opfer gefallen, die in die ideologischen Vorstellungen der Nationalsozialisten nicht hineinpassten und denen deshalb das Existenzrecht abgesprochen wurde.

„Wir stellen uns heute einer Erinnerung, die schwer fällt, der Erinnerung an ein verbrecherisches Regime, der Erinnerung an den Holocaust. Sich der gedemütigten, geschundenen und umgebrachten Menschen zu erinnern, ist unsere menschliche Pflicht. Ihnen allen gilt unsere Trauer und unser Mitgefühl “, betonte Harms.

Diesen Tag mit Schülern begehen zu können, sei erfreulich. Die Jugendlichen erinnerten szenisch an die Schicksale jener Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet worden waren. Als Quelle dienten ihnen Zeitzeugenberichte, die sie unter anderem bei Besuchen in Bergen-Belsen sammelten.

 

 
 

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Stephanie Harms (3. von rechts) legt mit Emilia Peinecke (von links), Maurice Golling, Sarah Baumgarten, Alicia Klingenberg, Daniel Taubert und Lilly Kalies Blumen am Mahnmal nieder.

Quelle: Heidi Rabenhorst

Von Heidi Rabenhorst

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