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"Wir brauchen definitiv noch Kandidaten"

Ronnenberg "Wir brauchen definitiv noch Kandidaten"

Um der Jugend in Ronnenberg in der Politik eine Stimme zu geben, soll ein Jugendparlament aufgestellt werden. Dafür setzt sich auch Julia F. Schulze aus Empelde ein. Sie wünscht sich einen größeren Zusammenhalt unter den Jugendlichen, mehr Bolzplätze und dass der Spaß im Gremium nicht zu kurz kommt.

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Julia F. Schulze (17) geht als Kandidatin in die Wahl zum Jugendparlament.

Quelle: Oehlschläger

Ronnenberg. Zur Person:  Julia Friederike Schulze aus Empelde ist Schülersprecherin der Marie-Curie-Schule und besucht dort den elften Jahrgang. Die 17-Jährige ist Initiatorin des geplanten Jugendparlaments Ronnenberg und engagiert sich auch im Vorstand der Schüler Union Hannover. Erste politische Erfahrungen sammelte sie im Debattierclub während ihrer Zeit als Stipendiatin einer US-amerikanischen High-School. Als Schülervertreterin sitzt sie auch im Jugendausschuss der Stadt Ronnenberg.

Frau Schulze, passen Jugendliche und Politik überhaupt zusammen?
Politik betrifft uns alle. Ich denke, dass die Lokalpolitiker die ersten Ansprechpartner sind. Vor Ort werden Entscheidungen über Fragen getroffen, die konkret auch Jugendliche betreffen. Man hat die Chance, Veränderungen hervorrufen.

Aber Jugendliche haben ja meistens noch ganz andere Sachen im Kopf.
Das stimmt. Wenn man zum Beispiel Fußball im Kopf hat: Will man einen neuen Bolzplatz, wendet man sich an die Ratsmitglieder. Ein Jugendparlament könnte, wenn es zum Beispiel um einen Spielplatz, eine Skateanlage, solche Dinge geht, der erste Ansprechpartner sein. Es könnte sich für die Durchsetzung solcher Themen einsetzen. Das Jugendparlament soll ein Antragsrecht haben. Das hat viel mit Politik zu tun, auch wenn man das vielleicht nicht immer denkt.

Sie haben als Schülersprecherin inzwischen zweimal am Jugendausschuss teilgenommen. Wie war Ihr erster Eindruck?
Die erste Sitzung war sehr lang. Aber ich denke, das war ein Ausnahmefall. Ich fand es spannend. Von jedem Team der Stadtverwaltung, dass etwas mit dem Ausschuss zu tun hat, wurde Bericht erstattet. Das hat auf mich sehr transparent gewirkt. Ich habe das Gefühl, erfahren zu haben, was gerade in der Stadt gemacht wird. Auch konnten Bürger Fragen stellen und ihre eigenen Belange vorbringen. Das war mir vorher gar nicht so bewusst.

Gibt es etwas in Ronnenberg, was Sie ändern würden?
Bei uns in der Nähe gab es früher mal einen Bolzplatz, wo ich als Kind viel Zeit verbracht habe. Man könnte gucken, wie mehr Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung von Jugendlichen in der Nähe organisiert werden könnten.

Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass Ihnen Fußballplätze so wichtig sind.
Früher, als ich kleiner war, stand ich öfter mit meinen Freunden auf einem Bolzplatz. Ich finde das schön, wenn andere Kinder das heute auch noch machen können. Es geht ja nicht nur um mich, sondern auch um die anderen Jugendlichen. Ich finde es schön, wenn man die Möglichkeit hat, auch außerhalb eines Vereins ein bisschen mit anderen Jugendlichen rumkicken zu können, weil man viel zu viel Zeit im Haus verbringt.

Gibt es inzwischen genug Anwärter für ein Jugendparlament?
Wir brauchen definitiv noch Kandidaten. Wir sind gerade sieben oder acht Leute und viele davon gehen in die elfte Klasse. Bei denen ist es unsicher, wie lange sie beim Jugendparlament überhaupt mitmachen können. Und da die Stadt viel Geld für das Projekt in die Hand nimmt und ein Weiterbestehen sehr wünschenswert wäre, bräuchten wir natürlich viele Kandidaten die mitmachen wollen und dann in der Liste nachrücken können. Es wäre schon ein Erfolg, wenn sich durch das neue Gremium einfach mehr junge Menschen für Politik interessieren.

Es gibt Ronnenberger, die sagen, dass man Jugendliche vor der Gründung ihres Parlaments zu selten bei Ausschüssen sieht.
Meiner Meinung nach kommen generell wenig Bürger zu den Ausschüssen. Ich denke jedoch, konkret bei Jugendlichen hat das hat viel mit Desinteresse an Politik zu tun. Damit, dass Politik so fremd wirkt, so trocken und eher was für ältere Leute ist. Aber man kann auch Spaß haben, beispielsweise bei einem Treffen um etwas zu besprechen oder gemeinsam Ideen zu sammeln. Bei uns im Jugendparlament sollte dies ein wichtiger Aspekt sein. So könnte man das Interesse bei Jugendlichen wecken, sich auch später politisch zu engagieren.

Woher kommt denn bei Ihnen das Interesse an Politik?
Mein Interesse an Politik wurde in den USA durch den Debattierclub und einige Fächer, wie beispielsweise Geschichte, geweckt. In Deutschland bin ich dann der Schülerunion Niedersachsen beigetreten, weil ich auf einem ihrer Rhetorik Seminare war, mir das Ganze sehr gut gefallen hat und ich dort auch viele neue Freunde gefunden habe. Wir befassen uns hauptsächlich mit Bildungspolitik und der Arbeit der Schülervertretung und versuchen Dinge zu verändern, die uns stören. Seit Ende letzten Jahres bin ich im Vorstand der Region Hannover. Dann gab es letztes Jahr einen Artikel über das Jugendparlament in Wennigsen und dass es schon so lange besteht. Da habe ich mich gefragt, warum es sowas in Ronnenberg nicht gibt, weil ja durch ein solches Organ die Belange der Jugend gehört werden.

Wie geht es denn der Jugend in Ronnenberg?
Das hängt immer von der einzelnen Person ab. Ich kann nur sagen, dass es mir sehr gut geht. Denkt man jedoch an die Jugend als Gemeinschaft, fällt auf, dass ein bisschen der Zusammenhalt fehlt. Es wäre schön, wenn man ein bisschen mehr zueinander findet, indem man vielleicht mehr gemeinsam macht. Beispielsweise könnte man wie in Wennigsen eine Jupa-Party organisieren. Junge Leute machen nicht viel in der Stadt Ronnenberg, wenn dann fährt man mit Freunden nach Hannover oder trifft sich zuhause. Man könnte also daran arbeiten, die Stadt selber attraktiver für die Jugend zu gestalten.

Und was fehlt dann da? Ein H&M oder … ?
Was Konkretes fällt mir da gar nicht ein. Das Jugendparlament könnte beispielsweise eine Umfrage starten, um herauszufinden, was die Jugend denkt um dann dementsprechend aktiv zu werden.

Wie hoch ist denn dabei der Zeitaufwand für einen Jugendlichen im Parlament?
Ich denke, das hängt viel von der Position im Jugendparlament ab. Ob man einfach Mitglied im Parlament ist oder vielleicht stellvertretender Jugendbürgermeister. Aber wenn man davon ausgeht, dass man sich einmal im Monat trifft, denke ich, dass der Zeitaufwand nicht überdimensional ist. Zumal man ja sonst auch viel am Handy sitzt, so wie ich das auch von mir kenne. Ich denke also nicht, dass der Zeitaufwand ein Punkt ist, der gegen die Teilnahme am Jugendparlament spricht, sondern eher dafür. Man verbringt die Zeit dann dort auch mit Freunden, indem man sich trifft, unterhält und gemeinsam zu Ausschüssen geht.

Welche Voraussetzungen muss man als Kandidat erfüllen?
Bisher hatten wurde überlegt, dass man zwischen 13 bis 18 Jahre alt sein und im Stadtgebiet Ronnenberg wohnen muss. Dann kann man sich als Kandidat aufstellen und wählen lassen. Wir wollen am Ende acht oder neun Leute im Parlament sein. Am Anfang würden wir natürlich einen Jugendbürgermeister, einen Stellvertreter und einen Schatzmeister wählen. Wählen kann man zwischen 13 und 19 Jahren.

Und wie sieht dann die Arbeit aus?
Wir würden Sitzungen haben, in denen wir besprechen, was wir machen möchten. Unterstützen wird uns dann wohl auch Herr von Maltzahn als Jugendpfleger, wobei er uns jetzt schon viel hilft und dafür sind wir auch sehr dankbar. Natürlich würde man auch an den Ausschüssen teilnehmen, da würden wir uns aufteilen um unsere Meinung einzubringen und Anträge zu stellen. Von den Parteien gibt es jetzt schon ein paar Mentoren, die Parteien kommen uns da schon sehr weit entgegen. Wenn man Lust hat, etwas zu verändern, ist man herzlichen willkommen. Auch als 13- oder 14-Jähriger kann man gerne mitmachen, weil auch die Interessen dieser Altersgruppe damit abgedeckt würden. Und generell sollte man einfach Spaß haben.

Wer sich für das Jugendparlament zur Wahl stellen möchte, kann sich per Email an ronnenberg.jupa@gmx.de melden. Ein Wahltermin ist bisher noch nicht festgelegt worden.

Von Nils Oehlschläger

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