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Yogakurs statt Flüchtlingshilfe

Ihme-Roloven Yogakurs statt Flüchtlingshilfe

Sportler oder Flüchtlinge? In Ihme-Roloven ist die Diskussion über die Frage neu entbrannt, wer die Wohnung im Gemeinschaftshaus nutzen soll. Ronnenberg will dem Sportverein die Wohnung für die Yogagruppen zur Verfügung stellen, obwohl händeringend Wohnraum für Flüchtlinge gesucht wird.

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Statt in die Mehrzweckhalle (Bild) wollte der Sportverein eine Wohnung im Gemeinschaftshaus in Ihme-Roloven nutzen. Die Politiker stimmten zu, haben jetzt jedoch Zweifel an ihrer Entscheidung.

Quelle: Kerstin Siegmund

Ihme-Roloven. Der Appell war eindeutig: Bürgermeister Wolfgang Walther, seine Amtsnachfolgerin Stephanie Harms sowie Vertreter der Ratsfraktionen appellierten im Dezember 2013 öffentlich an private Hausbesitzer, Wohnraum für Flüchtlinge zu vermieten. Zu dem Zeitpunkt hatte die Stadt erfahren, dass sie – wie sämtliche Kommunen – in diesem Jahr weit mehr Flüchtlinge unterbringen muss als geplant. Die Quote der Asylsuchenden wird den Städten und Gemeinden anhand ihrer Einwohnerzahl von den Ausländerbehörden zugewiesen.

Zeitgleich mit der Verschärfung der Flüchtlingssituation stellte die Verwaltung 10.000 Euro zur Verfügung – auf Wunsch und zugunsten des Sportvereins Ihme-Roloven, der eine städtische Wohnung im örtlichen Gemeinschaftshaus (DGH) für Ruhesportarten nutzen will. Bei den Haushaltsberatungen im Frühjahr stimmten die Ratsfraktionen dem Vorhaben zu.

Stadt und Verein haben vertraglich festgelegt, dass die 87 Quadratmeter große ehemalige Mietwohnung vom Verein für sportliche Zwecke umgebaut und mietfrei für mindestens zwölf Jahre genutzt werden kann. Ein Überlassungsvertrag wurde ausgehandelt, der am 17. September im Ortsrat und im Oktober in den Ratsgremien behandelt wird.

In der Turnhalle sei es für Yoga zu kalt

Angesichts des Mangels an kostengünstigen Wohnungen in Ronnenberg – nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle Menschen ohne eigenes Einkommen – hegen Ronnenbergs Politiker jetzt aber Zweifel, ob sie auf die Wohnung im DGH Ihme-Roloven verzichten können. Zumal dem Sportverein eine eigene Turnhalle zur Verfügung steht, die die Stadt jüngst aufwendig sanieren ließ.

Entkräftet ist laut Verwaltung damit inzwischen das Argument des Sportvereins, für Ruhesportarten wie Yoga sei die Turnhalle zu kalt. Neue Wärmeschutzfenster, ein wärmegedämmtes Dach und eine ebensolche Fassade sollen den Energieverbrauch, aber auch das Raumklima in der Mehrzweckhalle am Mühlenweg verbessern. Sportler wie die Yogagruppen klagten in der Vergangenheit, dass es in der Halle nicht warm werde. „Das sollte jetzt besser sein“, sagt der städtische Diplomingenieur Florian Schwindt.

Der SV Ihme-Roloven brachte nicht nur die kühlen Temperaturen als Argument für den Wunsch vor, zusätzlich zur Halle eine städtische Wohnung zu nutzen. Der Vorstand argumentierte im Februar, dass der Verein die 87-Quadratmeter-Wohnung im Obergeschoss des Gemeinschaftshauses für Yoga, Seniorengymnastik und Mutter-Kind-Turnen nutzen will. Ortsbürgermeister Hans-Hermann Fricke (CDU) ermunterte den Verein, die Wohnung auszubauen. „Das ist eine gute Sache. Damit wird die Kapazität der Halle um 20 Prozent vergrößert.“

Diese Argumente empfanden Ronnenbergs Politiker im Frühjahr als stichhaltig. Inzwischen hegen sie Zweifel angesichts der Probleme, die die Stadt mit der Unterbringung von Flüchtlingen und von Menschen hat, die sich Wohnungen nicht leisten können. „Wir stellen den Beschluss infrage“, sagt Ruth Wenzel, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Die Bürgermeisterin müsse prüfen, wie es zu der Zusage gekommen sei. Ihr Ratskollege Dieter Schur (SPD) meint, „dass die Integrationsaufgabe alle Stadtteile mittragen müssen. Darüber haben wir im Verwaltungsausschuss intensiv diskutiert.“ Laut Bürgermeisterin Stephanie Harms, seit 1. Januar im Amt, ist im Rathaus nicht aufzuklären, wer die 10 000 Euro für den SV Ihme-Roloven in den Haushalt stellte. „Wir haben den Betrag auch nicht hinterfragt“, sagt Harms, damals CDU-Fraktionsvorsitzende.

Kommentar von Kerstin Siegmund: Raum für Yoga findet sich

Wie ist es zu der Entscheidung gekommen, dem SV Ihme-Roloven eine Wohnung zusätzlich zur Turnhalle zu überlassen, deren Sanierung lange geplant war? Dem Verein hat der Bürgermeisterwahlkampf in die Hände gespielt. Das werden jedoch weder die SPD mit ihrem Kandidaten Torsten Kölle noch die CDU heute offenlegen. Fakt ist, dass die Stadt es sich nicht leisten kann, eine Wohnung aufzugeben, die sie dringend benötigt. Sollte der Rat auch zu dieser Auffassung gelangen und seine Zusage zurücknehmen, wird sich für die Yoga- und Seniorengruppen eine Lösung finden. Der Naturschutzbund und die Feuerwehr verfügen über Räume, die sie den Ruhesportlern stundenweise anbieten könnten – sollte die Halle tatsächlich zu klein und zu kalt sein.

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