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Alte Fahne gibt Rätsel auf

Almhorst Alte Fahne gibt Rätsel auf

Bei der Vorbereitung der Ausstellung „Almhorst gestern, Almhorst heute“ sind Angela Riechers und Klaus D.Weiland auf die rote Fahne gestoßen, die lange auf dem Dachboden der Schule gelegen hatte. Unklar ist die Bedeutung des alten Tuchs. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zur Schlacht von Waterloo.

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Angela Riechers und Klaus D. Weiland präsentieren die andere Seite der Fahne, die offensichtlich auf den hannoverschen König Georg V. und das Jahr 1865 anspielt.

Quelle: Thomas Tschörner

Almhorst. „Wir planen die Ausstellung zum Regionsentdeckertag am 13. September“, sagt Weiland, der mit Angela Riechers für den Verein Dorfgemeinschaft Almhorst das notwendige Material sammelt. Dabei sei die Fahne wieder aufgetaucht. Auf der einen Seite ist eine Krone mit den Versalien GR V. für den hannoverschen König Georg V. sowie die Jahreszahl 1865 aufgenäht. Die andere Seite zeigt ein weißes Pferd und die Aufschrift „Vivat Gemeinde Almhorst“ (Es lebe die Gemeinde Almhorst). Auf jeder Seite sind zudem jeweils zwei Hände zu sehen, die zur Mitte des Tuchs zeigen.

Die Fahne lag wohl jahrzehntelang auf dem Dachboden der Dorfschule, bis sie in den siebziger Jahren bei Renovierungsarbeiten in einem Container landete. Dort rettete sie Willi Schüddekopf vor der Müllkippe und hängte sie in seinen Hobbyraum. „Kein Mensch weiß, was das für eine Fahne ist“, sagt Weiland.

Der rote Samtstoff ist an mehreren Stellen ausgebessert worden, sagt Angela Riechers. Auf sonst übliche Stickerei sei verzichtet worden. Stattdessen seien Pferd, Krone und Buchstaben mit feinen Stichen aufgenäht worden. Weil der Stoff offensichtlich schon ziemlich mürbe war, hatte Schüddekopf die Fahne mit den Maßen 1,40 Meter mal 1,10 Meter in Plastikfolie eingenäht. Ob die goldene Borte original ist, sei unklar, sagte Riechers. Versuche, die Fahne Almhorster Vereinen zuzuordnen, seien gescheitert, erklärt Weiland. Möglicherweise gebe es aber einen Zusammenhang mit der Schlacht von Waterloo 1815, deren 50. Jahrestag vielleicht 1865 groß gefeiert wurde.

Dies schließt Stadtarchivar Norbert Saul zumindest nicht aus. „Wir vergessen heute, was Waterloo damals für ein Ereignis war.“ Das gesamte 19. Jahrhundert sei noch voll von Erinnerungen und Feiern gewesen. Der Almhorster Fund sei auf jeden Fall keine Dorffahne, sondern eine Jubelfahne, ist Saul überzeugt.

Seelzer ist bei Schlacht dabei

Johann Heinrich Rindfleisch (1793 bis 1877) hat als 20-jähriger Kriegsfreiwilliger 1815 an dem Feldzug gegen Napoleon und der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 teilgenommen, bei der eine Allianz von unter anderem Briten, Hannoveranern, Braunschweigern und Preußen das französche Heer besiegte. Rindfleisch wurde am Bein verwundet, verzichtete aber zugunsten anderer auf die ihm zustehende Rente. Stadtarchivar Norbert Saul hat herausgefunden, dass der Seelzer als Spätfolge nicht lange stehen oder gehen konnte und deshalb oft auf ein Reitpferd angewiesen war. Ein mögliches Motiv für die freiwillige Meldung des Seelzers war die Heranziehung seines bereits auf dem Altenteil lebenden Großvaters Dietrich Hermanns zu einer Kriegslast über 2000 Franc, die der französche Intendant Belleville verlangte. Andernfalls drohte ihm die Einquartierung von französichen Soldaten und letztlich der Verlust seines Heims. 1820 übernahm Johann Heinrich Rindfleisch den Vollmeierhof Nummer 3 (heute Martinskirchstraße 20). Er war in Seelze sozial sehr engagiert, gehörte 50 Jahre dem Kirchenvorstand an und war mehrere Jahre Gemeindevorsteher und Vormund.

Von Thomas Tschörner

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