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Flügelaltar erinnert an Martin von Holle

Seelze Flügelaltar erinnert an Martin von Holle

An Martin von Holle, der 1560 in Velber geboren wurde und 1611 dort im Alter von 51 Jahren gestorben ist, erinnern heute nur noch ein Straßenname und der von ihm und seiner Frau gestiftete Flügelaltar in der Kapelle. Stadtarchivar Norbert Saul hat sich der Geschichte des Gutsherren angenommen.

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Der Gutshof in Velber in den 1960er Jahren.

Quelle: Stadtarchiv

Velber. "Mich hat interessiert, etwas über einen Menschen um 1600 in Erfahrung zu bringen", sagt Saul. Was könne man überhaupt über einen Menschen wissen, der im 16./17. Jahrhundert in einem kleinen Dorf wie Velber gelebt hat. Dies sei eine lohnenswerte Aufgabe. Immer, wenn es seine Zeit zuließ, hat Saul deshalb versucht, mehr über den Gutsherren in Erfahrung zu bringen.

Martin von Holle, auf plattdeutsch schlicht Marten Holle genannt, wurde am 22. September 1560 in Velber geboren. Die Familie war bereits seit 1540 mit dem Hof in dem Dorf belehnt. "Das eher bescheidene Fachwerkhaus, welches das Hofbild bis zum Abriss 1969 prägte, stammte wahrscheinlich aus der Zeit Martin von Holles, wurde also möglicherweise von ihm oder seinem Vater erbaut", schreibt Saul in seiner sechsseitigen Abhandlung. Unbekannt sei, wann der Hof mit einem Wassergraben, einem sogenannten Wehrgraben, geschützt wurde. Die Existenz des Grabens sei in Kartenbildern wie der Kurhannoverschen Landesaufnahme 1781 und Reste noch im Katasterblatt 1959/61 belegt. Der Graben sei zudem um den gesamten Gutshof verlaufen. Dies sei auch aus Grabungen zu ersehen, die 1851 in der Nordostecke des Hofes vorgenommen wurden, um Fundamente für ein neues Viehhaus zu legen.

In dem kleinen Dorf Velber mit damals nur neun Höfen und auch in Bezug auf das Kirchspiel Limmer, zu dem neben Velber auch Ahlem und Davenstedt mit insgesamt weniger als 500 Einwohnern gehörten, sei Martin von Holle sicher ein sehr wohlhabender Mann gewesen. Er verfügte nicht nur über die Einnahmen seines eigenen Hofes, sondern erhielt auch diverse Abgaben wie den Korn- und Fleischzehnt aus Velber, jeweils den halben Kornzehnt von Harenberg und Letter sowie Dienstleistungen von insgesamt 23 Höfen von Velber und Davenstedt. "Martin von Holle war zu seiner Zeit als Gutsherr in dem kleinen Dorf Velber mit weniger als hundert Einwohnern der "Herr", daran kann kein Zweifel bestehen", berichtet Saul.

Das Leben Martin von Holles: "Es gibt eine 1612 gedruckte Leichenpredigt von dem limmerschen Pfarrer Tilemann Herbort für Martin von Holle, in der wir einige Informationen zu seinem Werdegang bekommen", sagt Saul. Danach hat Martin von Holle eine Schule besucht. Seelzes Stadtarchivar vermutet, dass dies die Stiftsschule in Wunstorf war. Über die Dauer des Schulbesuchs ist nichts bekannt. Spätestens nach dem frühen Tod seines Vaters Claus von Holle 1568, als Martin gerade acht Jahre alt war, übernahm seines Vaters Bruder, der Obrist Johann von Holle in Wunstorf die Erziehung des Jungen. 1577 kam Martin zu einem weiteren Verwandten: Askanius von Holle, hildesheimischer Drost (höchster Vertreter des Landesherrn) in Peine. Danach wurde er noch "Leibjunge" bei Eberhard von Holle, dem Bischof von Lübeck und Verden, dem er insgesamt neun Jahre diente."Es ist davon auszugehen, dass Eberhard von Holle die Vormundschaft bis zu Martins 21. Lebensjahr hatte und dass er sich für die Erziehung und Bildung seines Mündels verantwortlich fühlte." Im Alter von 25 Jahren heiratete Martin von Holle am 13. Februar 1586 die 19-jährige Anna Barner aus einem alten Hildesheimer Rittergeschlecht. Die Ehe bleibt kinderlos. Im selben Jahr stirbt auch von Holles Mutter Elisabeth von Mandelsloh.

1602 begann dann für Martin von Holle eine Leidensgeschichte, die bis zu seinem Tod am 20. Oktober 1611 nicht mehr abriss. Um Pfingsten 1602 bekam er Windpocken, damals auch Kinderblattern genannt, und erkrankte um die Weihnachtszeit desselben Jahres an Masern. Zwar überlebte er beide Krankheiten, was nach Sauls Einschätzung damals keineswegs eine Selbstverständlichkeit war, blieb aber sehr geschwächt und erreichte nie mehr die vorherige Gesundheit und Vitalität. In der Leichenpredigt ist von zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden in den letzten fünf, sechs Lebensjahren die Rede. Er stirbt nach langer Krankheit in seinem Gutshaus in Velber und wird in einer Gruft "auf dem Chore" in der alten Kirche in Limmer begraben, dem Vorgängerbau der 1791 errichteten Nikolaikirche.

Viel überliefert ist von den Taten des Gutsherren nicht. Saul hat aber zwei Stiftungen in Erfahrungen gebracht. 1602 gab Martin von Holle 400 Goldgulden für die erstmalige Einrichtung einer Schule in Lommer für Limmer, Ahlem, Davenstedt und Velber sowie die Bezahlung eines Schulmeisters und die Einrichtung eines Hilfsfonds für Kinder, deren Eltern das Schulgeld nicht bezahlen konnten. Zudem stifteten er und seine Frau Anna Barner einen Flügelaltar für die Kapelle in Velber, der noch erhalten ist. Wie damals üblich, ließen sich die Stifter in die dargestellte Kreuzigungsszene im Mittelteil hineinmalen.

Nach Martins Tod wird das Gut zunächst seiner Witwe überlassen. Dann fällt es an eine Erbengemeinschaft von Holle. 1651, 40 Jahre nach Martins Tod und drei Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, wird das Gut durch Harmen (Hermann) von Holle verkauft und an einen neuen Lehnsträger übergeben. 1969 wurde der Gutshof, der zuletzt den Lenthes gehörte, abgerissen. An Martin von Holle erinnern heute nur noch der Straßenname Martin-von-Holle-Weg und der von ihm gestiftete Altar.

Stadtarchivar Norbert Sauls Bericht mit geschichtlichen Hintergrundinformationen ist auf seelze.de zu finden.

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Fotostrecke Seelze: Flügelaltar erinnert an Martin von Holle

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Von Thomas Tschörner

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