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Apotheker sieht Beratung in Gefahr

Seelze Apotheker sieht Beratung in Gefahr

Alexander Rupp, Apotheker in dritter Generation, schlägt Alarm: Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), das den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten mit Rabatten erlaubt, gefährdet nach Einschätzung des Inhabers der Löns-Apotheke eine vernünftige Beratung.

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Maria Flachsbarth (links) mit Mechthild Westhoff, Pharmazeutisch Technische Assistentin, arbeiten in der sogenannten Rezeptur, in der unter anderem Salben hergestellt werden.

Quelle: Thomas Tschörner

Letter. Bei dem Urteil sei es allein um den monetären Wettbewerb gegangen, gesundheitspolitische Fragen seien außen vor geblieben, sagte Rupp bei einem Besuch der CDU-Bundestagsabgeordneten Maria Flachsbarth. Der Apotheker bedauerte, dass ausländische Versandapotheken Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente geben dürften, was deutschen Apotheken untersagt sei.
Chronisch Kranke, die regelmäßig Medikamente brauchen, könnten durch Rabatte zwar Geld sparen, sagte Flachsbarth. Doch dieses Verfahren habe auch Nachteile. "Die Vor-Ort-Apotheke braucht letztlich ein Einkommen, um ihre Dienstleistung anbieten zu können", sagte Rupp. Dies sei schwer genug: Bereits seit einigen Jahren schließe jeden Tag eine Apotheke für immer in Deutschland. Es ginge aber nicht nur um das Schicksal der Apotheker und ihrer Mitarbeiter, betonte Rupp. Letztlich litten auch die Patienten, weil die Beratung wegfiele. Zudem seien die Vor-Ort-Apotheken unübertroffen schnell. Rund 90 Prozent der Medikamente seien sofort erhältlich, alles andere in zwei Stunden lieferbar. "Das schafft keine Versandapotheke." Die Apotheken seien ein Baustein im Gesunheitssystem und sparten Milliarden an unnötigen Kosten, die ohne Beratung schnell durch Mehrfachmedikamentierung entstehen könnten. "Wir bieten einen niedrigschwelligen Einstieg ins Gesundheitssystem, weil wir das Netzwerk im Ort wie Ärzte, Sanitätshäuser und Krankenkassen kennen." Mit den Rabatten im Versandhandel sei zu befürchten, dass irgendwann niemand mehr die Patienten vor Ort betreue. Dem deutschen Gesundheitssystem werde so Geld entzogen.
"Wir folgen Rupp weitgehend", sicherte Flachsbarth ihre Unterstützung zu. Gesundheitsminister Hermann Gröhe habe zu dem EuGH-Urteil ein Gesetz erarbeitet, das aber noch mit dem Koalitionspartnter SPD abgestimmt werden müsse. Die Versorgungsstruktur müsse erhalten bleiben, sagte Flachsbarth. Ziel sei auch die Vermeidung einer Polymedikation, die Einnahme vieler Mittel, mit für den Laien nicht abschätzbaren Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten. Nur auf den ersten Blick seien die Vo-Ort-Apotheken teurer als der Versandhandel, auf den zweiten Blick aber preiswerter. Denn die Beratung einer älter werdenden Bevölkerung müsse gewährleistet werden. Dies würden die Internetapotheken nicht leisten.

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Maria Flachsbarth informiert sich im Labor von Apotheker Alexander Rupp, in dem Chemikalien untersucht werden.

Quelle: Thomas Tschörner

Von Thomas Tschörner

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