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Gruppenaufnahmen gewinnen später an Wert

Seelze Gruppenaufnahmen gewinnen später an Wert

Bilder sind Erinnerungen. Doch gerade die mittlerweile fast unbegrenzten Möglichkeiten der Digitalfotografie führen zu einem Verlust der Wertigkeit von Fotos, bedauert Artur Kurth, Inhaber des Fotostudios Kurth in Seelze. Denn Quantität sei nicht alles.

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Artur Kurth im Freilichtstudio hinter seinem Haus.

Quelle: Thomas Tschörner

Seelze. In mittlerweile dritter Generation führt Kurth, doppelt qualifiziert als gelernter Fotokaufmann und Fotograf mit Meisterprüfung, das von seinem Großvater vor 102 Jahren gegründete Geschäft (siehe Text unten). Natürlich ist er mit Zeit gegangen. "Entwickler, Fixierbad und Dunkelkammer wurden zu Relikten der Vergangenheit, Fotos sind heute kaum noch auf Papier, sondern meist auf CDs oder auf der Festplatte des Computers zu finden." Kurth fotografiert selbstverständlich digital und nutzt zeitgemäße Technik.
Doch die digitale Fotografie habe auch Nachteile, weil die Fotos sortiert und gesichert werden müssen. Dies würden viele nicht bedenken. "Die Handyfotografiererei führt dazu, dass es irgendwann keine Bilder mehr gibt", befürchtet der Fotografenmeister.
Er erinnert sich an eine Kundin, die Bilder direkt von ihrem Handy ausdrucken wollte. Doch bei den mehr als 27 800 Fotos, die in dem Mobiltelefon gespeichert waren, fand sie die gewünschten schlicht nicht wieder und gab schließlich auf. Falls das Gerät kaputt gehe oder gestohlen werde, seien alle Erinnerungen weg.
Kurth ist nach wie vor von Fotos auf Papier und Alben überzeugt. Damit könnten Fotos adäquat aufbewahrt und gezeigt werden. Der Betrachter entscheide selbst, wie lange er sich eine Aufnahme anschaue. "Jeder erinnert sich doch an Dia-Abende, wo einer mit dem Knopf für den Projektor die Macht und alle gelangweilt hatte – das ist heute wieder so, bloß digital."
Unterschätzt werde inzwischen der Wert von Gruppenaufnahmen, die vernachlässigt würden. "Früher gab es mehr Gruppenbilder von Schulklassen, Konfirmationen und Hochzeiten." Kurth räumt ein, dass derartige Aufnahmen aktuell oft nicht interessant seien. Die Zeit sei schnelllebig, die Zukunft aktuell nicht interessant, Gruppenfotos gewännen somit erst später an Wert. Dies Bilder würden dann aber mit am längsten angesehen. "Wer weiß nach zehn oder 20 Jahren noch, wer alles auf seiner Hochzeit war." Gruppenaufnahmen öffneten im Kopf Schubladen, die sonst abgeschlossen wären.

Betrieb ist seit 102 Jahren im Familienbesitz: Der Buchbinder Arthur Kurth hat am 1. April 1914 den Familienbetrieb Foto-Kurth gegründet, der seitdem im selben Gebäude an der Hannoverschen Straße 21 seinen Sitz hat. Kurth bildete sich autodidaktisch zum Fotografen weiter. Mit Erfolg: Eine Urkunde aus jener Zeit bescheinigte ihm einen dritten Platz bei einem deutschlandweiten Fotowettbewerb. Zeitweise war der Großvater des heutigen Inhabers auch als Werksfotograf in der Schmirgel- und Maschinenfabrik in Hainholz aktiv. Nach einem schweren Fahrradunfall des Gründers übernahm sein Sohn Artur II. im Jahr 1935 den Familienbetrieb. "Das fehlende ,h’ im Vornamen hatte er einem Fehler des Standesbeamten zu verdanken", berichtet der Enkel Artur III., der das fehlende h ebenso erbte wie die Leidenschaft für die Fotografie. In den fünfziger Jahren profitierte das Geschäft von der boomenden Amateurfotografie: Ein Schwarz-Weiß-Labor wurde eingerichtet, in dem zwei Laborantinnen und zwei Auszubildende beschäftigt waren. Der Enkel stieg 1975 in den väterlichen Betrieb ein und übernahm das Fotostudio 1985 nach dem Ablegen der Meisterprüfung. Nach dem Tod des Vaters 1995 waren der Anbau eines größeren Studios, die komplette Sanierung der Hausfront und die Erweiterung des Ladengeschäfts die ersten großen Investitionen, denen weitere im technischen Bereich folgten. Denn der Fotomarkt änderte sich rasant. "Früher hatte sich ein Fotograf seine Ausrüstung gekauft und damit zeitlebens fotografiert, heute muss man alle sechs Jahre den Gerätepark erneuern." Es sei ein Irrglaube, dass digitale Fotografie nichts koste. Zwar würden Laborchemikalien eingespart, dafür müssten aber regelmäßig Druckköpfe erneuert werden. Kurth hat beobachtet, dass die digitale Technik viele Kunden überfordert. "Früher wurde den Menschen beim Kauf einer Kamera diese erklärt, heute stehen sie mit ihrer Packung allein da." Deshalb bietet er auch Fotokurse an. Kurths größter Wunsch: "Ich hoffe, dass Fotos wieder in die Hand genommen werden – Monitore sind das schlechteste Medium, um Bilder zu betrachten."

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Von Thomas Tschörner

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