Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Die "Peter Pan" ist eine schwimmende Wohnung

Seelze Die "Peter Pan" ist eine schwimmende Wohnung

Aus dem Rohbau einer Segeljacht, der Anfang 2013 von einem städtischen Grundstück zur Marina-Rasche-Werft gehievt worden war, ist eine schwimmende Wohnung geworden. Das Boot, in einem Bericht der Zeitschrift „Yacht“ damals als Stahlmonster von Seelze bezeichnet, soll künftig auch fahren können.

Voriger Artikel
Stadt bildet Familienpaten aus
Nächster Artikel
Luther-Trilogie geht in die zweite Runde

Holger Peterson (links) und Frank Antefuhr im Wohnbereich der Segeljacht.

Quelle: Thomas Tschörner

Lohnde. Über Geld spricht Frank Antefuhr, Geschäftsführer der Marina-Rasche-Werft und mittlerweile Eigentümer der auf "Peter Pan" getauften Deckhausjacht nur ungern. Mehr als 100 000 Euro habe er in den vergangenen zwei Jahren neben viel Arbeit in den Ausbau des Bootes investiert. "Jetzt wohne ich mit meiner Frau auf dem Boot." Dies war vor gut drei Jahren nicht absehbar. Damals gab es nur einen rostigen Stahlrumpf. Selbst Antefuhr hatte Zweifel, ob aus dem Rohbau noch etwas gemacht werden könnte.
Auf einem brachliegenden städtischen Grundstück zwischen Bahnlinie und Werftstraße stand der 30 Tonnen schwere Rumpf einsam und verlassen 17 Jahre und war von Dornen zugewachsen. Der Rumpf war Anfang der siebziger Jahre in Hannover-Vinnhorst gebaut und dann vor etwa 20 Jahren auf das Grundstück gegenüber der Marina-Rasche-Werft gebracht worden. Dort wollte der damalige Eigentümer Manfred G. den Innenausbau selbst erledigen. Sein Traum war eine große Fahrt nach Polynesien. Doch G. starb, Erben gab es offenbar keine, der Rohbau fiel an die Stadt und blieb auf dem Gelände. Bei einer Bahnfahrt fiel er auch "Yacht"-Autor Holger Peterson auf, der an einer Serie über "Wrackgeschichten" mit kuriosen Fällen aus ganz Deutschland arbeitete. "Erst durch meine Recherchen kam es im Jahr 2013 zum Eigentumswechsel", sagt Peterson.
Die Stadt Seelze, die zwischenzeitlich einen Pächter für das Grundstück gefunden hatte, wollte das Boot loswerden. In dieser Situation kam Antefuhr ins Spiel und half der Stadt, indem er das Boot von einem Kranwagen in mühevoller Kleinarbeit über die Straße hieven und auf dem Gelände der Werft einlagern ließ. Entgegen dem ersten Augenschein war der Rumpf wesentlich solider als angenommen gearbeitet. "Das Boot ist durchgängig aus acht Millimeter dicken Stahlplatten geschweißt, selbst das normalerweise aus dünneren Blechen gefertigte Oberschiff", sagt Peterson. Eine derart robuste Ausführung sei ungewöhnlich.
Tatsächlich fand sich relativ schnell ein Liebhaber, der das Boot wieder flottmachen wollte – mit Antefuhrs Unterstützung. "Der Käufer hat uns mit dem Innenausbau beauftragt", sagt der Geschäftsführer. Doch der neue Eigner habe schnell gemerkt, dass das Projekt zu groß für ihn war. Er habe deshalb vor der Wahl gestanden, sagt Antefuhr. "Entweder das Boot zerschneiden oder es selbst nehmen."
Antefuhr entschied sich für die Rettung des Bootes. In liebevoller Kleinarbeit entstanden 50 Quadratmeter Wohnfläche auf der ohne Bugspriet 16 Meter langen und 5,40 Meter breiten Hochseejacht. "Yacht"-Fachmann Peterson ist begeistert und spricht von "Wohntraum" und "Spiegelkabinett". Für Antefuhr ist mit dem Ausbau eine wichtige Etappe erreicht. Nun ginge es daran, den 100 PS starken, nagelneuen Motor von Hanomag-Henschel zum Laufen zu bringen und den Steuerstand in einen funktionstüchtigen Zustand zu versetzen. Damit seien dann Reisen nach Berlin möglich. Doch letztlich müsse das Segelboot auch segeln. Antefuhr träumt davon, den Zweimaster aufzutakeln und mit Segeln auszustatten. Ein Projekt für den Ruhestand, wenn die Zeit dafür da ist. Denn: „Das Boot gehört in die Südsee.“ Das hatte Antefuhr schon 2013 festgestellt.

Wohnen auf Booten ist angesagt: Mit seiner schwimmenden Wohnung auf der "Peter Pan" liegt Frank Antefuhr im Trend. In Lohnde gibt es bereits drei weitere, auf ihrem Boot lebende Eigner. "Yacht"-Autor Holger Peterson hat mit "Mein Boot ist mein Zuhause" sogar einen Ratgeber zum Thema veröffentlicht. "Seither beobachte ich, dass besonders Studenten meinem Beispiel folgen und an Bord von Booten ziehen." In den Universitätsstädten seien Wohnungen rar und teuer. Das Leben auf dem Wasser sei vor allem dann günstig, wenn das Boot bestimmte Maße nicht überschreitet. Denn für große Boote wie die "Peter Pan" seien Liegeplätze nur schwer zu finden. Für ein neun Meter langes Boot fielen dagegen jährlich rund 1000 Euro Gebühr für den Liegeplatz sowie 60 Euro für die Haftpflicht an. Und das Boot sei auch für den Urlaub im eigenen Land ideal. Mit seinem neuen Buch "Wie wir im Norden segeln" hat Peterson auch dafür Tipps.

doc6ruhi0wga6wbgds443d

Fotostrecke Seelze: Die "Peter Pan" ist eine schwimmende Wohnung

Zur Bildergalerie

Von Thomas Tschörner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sq91gn0z1csphqka85
Weihnachtsmärkte auf Schulhöfen aufgebaut

Fotostrecke Seelze: Weihnachtsmärkte auf Schulhöfen aufgebaut