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Brautstrauß aus Nelken, Kakao aus dem Westen

Letter Brautstrauß aus Nelken, Kakao aus dem Westen

„Das waren noch andere Zeiten“, erinnert sich Bärbel Linz an ihre Hochzeit vor 60 Jahren in der damaligen DDR. Ihr Brautstrauß bestand aus acht bunten Nelken, und der Kakao für die Hochzeitstorte wurde von Verwandten aus dem Westen geschickt.

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Die Familie hält zusammen: Bärbel und Hermann Linz zeigen Fotos von ihren Kindern, Enkelkindern und von ihrem Urenkel Ansgar.

Quelle: Rebecca Hürter

Letter. „In den Wochen vor der Hochzeit mussten wir unsere Lebensmittelmarken sparen“, erzählt Hermann Linz, „sonst hätte es kein Hochzeitsessen gegeben.“ Auf einer Verlobungsfeier von Freunden lernten sich Hermann und Bärbel Linz kennen. Ein Jahr später, am 17. März 1956, läuteten die Hochzeitsglocken in Arnstadt. Heute kommt die ganze Familie in Letter zusammen, um die diamantene Hochzeit der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern zu feiern.

An die schweren Zeiten während des Krieges und in der Nachkriegszeit hat das Ehepaar keine guten Erinnerungen. Hermann Linz wurde in Arnstadt geboren und war bei der Marine in Wolgast stationiert. Seine Frau musste zweimal alles hinter sich lassen: Als Bärbel Eulrich wurde sie im hinterpommerschen Neu­stettin geboren. Sie floh nach dem Krieg mit Mutter und Schwester zu Verwandten auf Usedom. „Damals waren wir auch Flüchtlinge“, erzählt sie heute.

Nach der Hochzeit folgte der zweite Umzug: Als die ganze Familie von Hermann Linz die DDR verließ, wollte er nicht allein im Osten bleiben. Nach einem komplizierten Umzug mit zwei kleinen Kindern über West-Berlin kam das junge Paar am Ende des Jahres 1957 in Hannover an. Nur weil Bärbel Linz eine Anstellung als Säuglingspflegerin im Annastift fand, durften sie in die vom Krieg zerstörte Stadt ziehen. „Wir sind mit einem Koffer angekommen“, erinnert sich der 82-jährige Hermann Linz. „Mein erster Küchenschrank bestand aus zwei Apfelsinenkisten“, fügt seine 79-jährige Frau mit einem Lächeln hinzu.

In den ersten Jahren im Westen lebten die Eheleute getrennt, dann konnten sie endlich gemeinsam mit den Kindern Silvia, Hans-Hermann und Michael sowie der Mutter von Hermann Linz in ein kleines Gartenhaus einziehen.

Vor 40 Jahren hat die Familie Linz in Letter eine neue Heimat gefunden. „Hier ist es am schönsten, hier fühlen wir uns wohl“, sagt Bärbel Linz. Die Kinder, zwei Enkeltöchter und Urenkel Ansgar sind die große Freude des Ehepaares. Die Familienmitglieder halten zusammen und kommen häufig aus Kiel, Münster und Wunstorf zu Besuch nach Letter.

Von Rebecca Hürter

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