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Grüne: Bahn hat an Trasse kein Interesse

Seelze Grüne: Bahn hat an Trasse kein Interesse

Die Stadt Seelze will alle Hebel in Bewegung setzen, um die mögliche Bahntrasse im Süden der Stadt aus dem Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 zu entfernen. Dabei wollen auch die Bürger aktiv werden. Unterdessen berichten die Grünen, dass die Bahn kein Interesse an der geplanten Trasse hat.

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Das Forum der Geschwister-Scholl-Schule war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Quelle: Thomas Tschörner

Seelze. Bei einer Bürgerversammlung im Forum des Schulzentrums hat Bürgermeister Detlef Schallhorn am Donnerstagabend ein düsteres Bild gezeichnet, sollte die Bahntrasse aus dem Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 jemals Wirklichkeit werden. Von Letter abzweigend sollen zwei Gleise nördlich von Harenberg und Döteberg durch den Bereich Seelze-Süd und weiter zwischen Almhorst und Almhorster Wald in Richtung Barsinghäuser Gebiet verlaufen. "Allein die Planung ist für Seelze eine große Katastrophe, denn dadurch entsteht eine jahrelange große Unsicherheit bei allen Betroffen wie Grundstückseigentümer, potentielle Käufer und Gewerbetreibende", sagte Schallhorn vor rund 350 Zuhörern, von denen viele im Forum keinen Sitzplatz mehr fanden und deshalb stehen mussten. Seelze-Süd sei in den Planungen überhaupt nicht berücksichtigt worden.

Die Umsetzbarkeit der weiteren Planungen für das Neubaugebiet Seelze-Süd, für das ein vierter Bauabschnitt im Gespräch ist, würden massiv erschwert. Es drohten Schadensersatzansprüche, und die Stadt würde erheblich an Glaubwürdigkeit verlieren. Zudem würde das Stadtgebiet durchschnitten, weitere Entwicklungsmöglichkeiten würden stark eingeschränkt. Auch die Ansiedlung eines Nahversorgers würde erschwert. Betroffen seien aber auch die Bürger, die mit Wertverlusten ihrer Immobilien rechnen müssten.

Eine Nachricht, die viele Seelzer hoffen lässt, hatte Grünen-Ortsverbandsvorsitzender Ralf Marter im Gepäck. Marter hatte vor der Versammlung gemeinsam mit Seelzes Grünen-Fraktionschef Knut Werner und der Landtagsabgeordneten Mareet Westphely ein Gespräch mit Vertretern der Deutschen Bahn geführt. "Die Idee kommt nicht von der Deutschen Bahn, das kommt vom Land", sagte Marter. Die Bahn habe andere Wünsche und wolle im Raum Kassel die sogenannte Kasseler Kurve bauen. Damit könnte die derzeit vom Güterverkehr stark belastete Strecke Hannover-Minden entlastet werden, und die Bahn hätte im Süden mehr Kapazitäten für den Güterverkehr. Dies würde die Bahn in ihrer Stellungnahme auch schreiben, erklärte Marter.

Allerdings entscheidet die Bahn nicht über den Verkehrswegeplan, sondern der Bundestag. Bürgermeister Detlef Schallhorn sprach sich deshalb dafür aus, dass die Stadt mit aller Kraft versuchen sollte, die umstrittene Trasse schon aus dem Entwurf wieder entfernen zu lassen. Allerdings bleibt nicht viel Zeit, weil die Öffentlichkeitsbeteiligung bereits am 2. Mai endet. Vorgesehen sind eine Stellungnahme der Stadt, die der Rat Ende April beschließen soll. Gefordert sind zudem alle Bürger, die eigene Stellungnahmen gegen das Projekt abgeben können. Auch eine Bürgerinitiative soll gegründet werden. Die Stadt habe zudem eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, sagte Schallhorn am Freitag. Die Kosten seien unklar. Auch wenn das Defizit dadurch möglicherweise steige, sei der Schaden größer, wenn die Trasse umgesetzt wird.

Die Bürger zeigten sich besorgt. Viele sahen sich angesichts des Zeitdrucks überfordert, eine gute Stellungnahme abzugeben. Die Stadt sagte ihre Unterstützung zu. So soll Edit Gaal von der Abteilung Stadt-, Grünplanung und Umweltschutz die Bürgerinitiative beraten.

Die Planung: Die Neubautrasse soll für eine Entlastung der Bahnstrecke Hannover-Bielefeld sorgen. Kapazitäten sollen erhöht, ein Reisezeitgewinn von 8 Minuten durch mögliche Geschwindigkeiten von bis zu 230 Stundenkilomter erreicht werden. Die Kosten werden auf 1,9 Milliarden Euro geschätzt. Die Planungen sollen sieben Jahre dauern, die Bauphase fünf Jahre. Die endgültige Trassierung steht noch nicht fest. Der Zeitplan ist eng getaktet. Die Öffentlichkeitsbeteiligung endet am 2. Mai. Im Sommer ist der Kabinettsbeschluss vorgesehen, im September befasst sich der Bundesrat mit den Plänen. Es folgen Sondersitzungen, öffentliche Anhörungen und Abschlussberatungen, eine zweite Lesung im Bundestag, bevor im Januar 2017 der Beschluss vorgesehen ist.

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Von Thomas Tschörner

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