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Behnam Afkhami kümmert sich um Flüchtlinge

Seelze Behnam Afkhami kümmert sich um Flüchtlinge

Mit Behnam Afkhami hat die Stadtverwaltung einen Mitarbeiter im Sozialen Dienst angestellt, der den vielen Flüchtlingen auf Augenhöhe begegnet. Der 44-jährige Sozialpädagoge und Familientherapeut hat selbst einen Migrationshintergrund.

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Behnam Afkhami arbeitet erstmals in einer Stadtverwaltung. Er fühlt sich wohl im Rathaus und lebt inzwischen auch in der Stadt. Im Bereich Sozialer Dienst hat er vor allem viel mit Flüchtlingen zu tun.

Quelle: Treeske Hönemann

Seelze. Afkhami ist in Teheran geboren, als Kind nach Deutschland gekommen und weiß daher um die Schwierigkeiten, in einem fremden Land Fuß zu fassen. „Gott hat Sie geschickt“ - solche Sätze bekommt Afkhami schon einmal zu hören. Vor allem von Flüchtlingen aus Afghanistan. Sie sind froh, das sie sich an jemanden wenden können, der ihre Sprache spricht. Die Muttersprache des Sozialarbeiters ist Farsi. Afkhami stammt aus dem Iran. Seine Familie flüchtete aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen nach Deutschland, als Afkhami ein Kind war.

„Als Kind ist man in einem fremden Land sofort drin. Es gibt zwar die sprachliche Barriere. Aber die Hürde wird durch den Besuch des Kindergartens oder der Schule schnell genommen. Kinder haben keinen Ellbogen. Sie lernen neue Dinge leicht und hinterfragen nicht allzu viel“, weiß der 44-Jährige aus eigener Erfahrung.

Afkhami landete mit seiner Familie in Emden. Anfangs hatte er Heimweh. Das gab sich aber schnell. Die Nordsee fand er toll, bald konnte er Plattdeutsch. „Mein Vater war Germanist im Iran. Grammatikalisch ist er mir im Deutschen bis heute voraus“, sagt Afkhami und lächelt.

Flüchtlinge zu sein war für die Akademikerfamilie erst einmal ein sozialer Abstieg. „Es war eine absolute Umstellung für uns.“ Behnam Afkhami hat sie bewältigt. Er machte zunächst eine Ausbildung als Zimmermann, holte das Fachabitur nach, studierte Soziale Arbeit an der Hochschule in Bremen. In München nahm er ein Pädagogik- und Psychologiestudium auf, das er sich selbst finanzierte. „Als Student macht man fast alles von Umzügen bis zu Malerarbeiten.“

Unbefristete Stellen waren in seinem Beruf rar. Afkhami nahm viele Jobs an: Streetworker, Schulsozialarbeiter, Therapeut in einer evangelischen Beratungsstelle, Betreuung psychisch Kranker. „Im Nachhinein bin ich froh. Ich habe viele berufliche Erfahrungen gemacht.“ Der gebürtige Iraner erkennt, wenn Flüchtlinge traumatisiert sind und professionelle Hilfe brauchen.

Drei Stunden täglich verbringt er im Obdachlosenheim an der Hannoverschen Straße, in dem inzwischen auch Flüchtlinge untergebracht sind. Er will Verständnis wecken für die Belange des jeweils anderen. „Es ist nicht leicht, dicht an dicht zu leben. Ich biete gemeinsamen Sport an und Ausflüge.“

Interview

Die Mülltrennung zu verstehen braucht Zeit

Sozialarbeiter Behnam Afkhami (44) ist seit Oktober bei der Stadt als Sozialarbeiter beschäftigt.

Was ist Ihr Anliegen im Umgang mit Flüchtlingen?
Ich frage mich stets: Was ist den Betroffenen wichtig, was brauchen sie? Vor allem natürlich Hilfe zur Selbsthilfe. Die Neuankömmlinge müssen selbstständiger werden, das macht sie langfristig selbstbewusster. Sie müssen lernen, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen. Dann schreiben sie in Deutschland ihre eigene Geschichte weiter.

Wie schwierig ist der Umgang mit den Flüchtlingen?
Es gibt eine kulturelle Barriere. Ich versuche, manche Dinge mit Humor zu vermitteln. Zum Beispiel die Mülltrennung. Dafür bedarf es auf der anderen Seite eine ganze Menge Verständnis. Die Menschen kennen so etwas einfach nicht. Ein anderer Punkt ist das Einhalten von Terminen. Die Flüchtlinge kommen zu uns ins Rathaus, aber vielleicht eine Stunde später. Dann ist der Termin passé, der nächste Klient sitzt in unserer Sprechstunde.

Die Flüchtlinge kommen nicht nur zu Ihnen, Sie fahren auch mal hin.
Ja, klar. Manche Probleme kann man nicht zwischen Tür und Angel lösen. Da gibt es mehr zu bereden und zu erklären. Manchmal muss ich weit ausholen. Ich fahre dann in die Unterkunft und nehme mir Zeit. Die Menschen sind darüber froh und dankbar.

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Von Redakteur Treeske Hönemann

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