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Bei erstem Riesenrad war Handantrieb gefragt

Seelze Bei erstem Riesenrad war Handantrieb gefragt

Das erste Riesenrad der Familie Wilhelm hatte einen Durchmesser von acht Metern. Mittlerweile ist das dritte Modell mit einer Höhe von 45 Metern in Betrieb. Die in Lohnde ansässige Schaustellerfamilie ist mittlerweile in der vierten Generation auf Schützen- und Volksfesten aktiv.

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Vivien Wilhelm in der Halle der Familie vor einem alten Kranwagen.

Quelle: Thomas Tschörner

Lohnde. Seit mehr als 135 Jahren ist das Familienunternehmen im Schaustellergewerbe tätig. Auch die nunmehr vierte Generation hält die Familientradition aufrecht. Die 25-jährige Vivien Wilhelm unterstützt ihre Eltern Petra und Klaus beim Betrieb des Riesenrades und hat sich zudem mit einem kleinen Automatenspielbetrieb namens "Barber Cut" selbstständig gemacht, ihre älteren Brüder Claus und Markus haben bereits ein eigenes Fahrgeschäft und einen Mandelwagen.

"Die meiste Zeit sind wir unterwegs", sagt Vivien Wilhelm. Die Feste lägen im ganzen norddeutschen Raum, weiteste Distanz sei Annaberg-Buchholz kurz vor der tschechischen Grenze. Lediglich die Wintermonate erlaubten es, zu Hause zu sein. Nicht immer sind das ganze drei Monate, ergänzt ihre Mutter Petra. Es sei auch schon vorgekommen, dass die Saison im Januar endete und Anfang März wieder begann. "Das waren gerade sechs Wochen Pause, wenn man es denn Pause nennen kann." Denn in der "freien Zeit" würde ihr Mann das Riesenrad überholen und die Fahrzeuge in Schuss halten. "Schaustellerfrauen haben mehrere Berufe", sagt Vivien Wilhelm. Neben der Arbeit als Hausfrau seien sie meist für die Buchhaltung zuständig und säßen in den Geschäften. Dennoch ist sie von ihrem Beruf begeistert. "Es ist schön, dass man herumkommt und neue Städte kennenlernen kann." Es werde nie langweilig.

Die Familie zog 1994 aus Platzgründen nach Lohnde, nachdem sie lange Zeit in Hannover-Stöcken gewohnt hatte. Vivien Wilhelm freut sich, dass ihr Neffe Jason die gleiche Grundschule besucht wie sie. Zumindest jeweils ein halbes Jahr. Denn die andere Hälfte des Jahres ist ihr Bruder Claus in Brakel bei Hamburg. "Ich bin stolz darauf, dass ihm die Schule gefällt." Sie habe zumindest nur gute Erinnerungen an die Lohnder Grundschule, die eine persönliche und schöne Atmosphäre habe. 

Ihr eigenes Geschäft, bei dem mit einer Art ferngesteuerten Schere Fäden mit Preisen wie Plüschtieren abgeschnitten werden, betreibt sie seit vier Jahren. "Ich bin noch nicht dazu gekommen, mich zu vergrößern", sagt Vivien Wilhelm. Denn sie werde bei ihren Eltern noch gebraucht. Sie sitze an der Kasse des Riesenrades und sei Ansprechpartnerin für die vier Mitarbeiter.

Mit einer Tiermanegerie fing alles an: Der Gründer des Familienbetriebs, Vivien Wilhelms Urgroßvater Hubert, war bereits als Schausteller unterwegs. Allerdings nicht mit Fahrgeschäften, sondern mit einer Tiermanegerie. "Das Geschäft ist aber während des Ersten Weltkrieges kaputt gegangen", sagt Vivien Wilhelm. Angesichts der allgemeinen Nahrungsmittelknappheit musste sich der Urgroßvater von seinen Tieren trennen und sie an Tierparks abgeben. "Das hat ihm sehr wehgetan." Zuvor hatte Hubert Wilhelm für Furore gesorgt, als er mit einem Bären durch die Stadt spaziert war. Nachdem er deswegen einen Rüffel kassiert hatte, weil wilde Tiere nun mal in der Stadt nicht zulässig seien, sei er mit einem Tiger losgezogen.

Ihr Großvater Erich kaufte dann 1937 das Riesenrad, einen Durchmesser von acht Metern und zehn Gondeln hatte. "Es wurde noch mit der Hand angetrieben." Immerhin war das Fahrgeschäft ist 1969 im Einsatz, bevor es 1970 von einem deutlich größeren Riesenrad mit einem Durchmesser von 20 Metern und 16 Gondeln abgelöst wurde. Die Wilhelms nutzten es bis 1987. "Es steht immer noch in Prag." Das aktuelle Riesenrad ist mit einer Höhe von  45 Metern und 36 Gondeln erneut eine Nummer größer. "Es gibt zusätzlich die Möglichkeit, Effekte wie Smileys mit Hilfe der ausgeleuchteten Speichen zu erzielen."

Der Aufbau dieses Riesenrades dauert etwa drei Tage. Neben ihrem Vater und ihren Brüdern sowie den vier Angestellten werden dafür noch zwei Aushilfen benötigt. Das Fahrgeschäft ist einzeln verpackt: Eine Lastwagenladung ist allein für die Gondeln nötig, zwei für die Speichen, eine für die Masten zwei für die Fußböden und die hintere Wand. Dazu kommt noch Holz zum Unterlegen und drei Wassertanks für jede Seite, die die Standfestigkeit gewährleisten. "Das Riesenrad darf bis Windstärke acht betrieben werden - und der Hersteller sagt, dass es bei Windstärke zwölf immer noch steht."

Von Thomas Tschörner

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