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1916: Not in Seelze und Verluste an Front

Seelze 1916: Not in Seelze und Verluste an Front

Im November 1916 stehen die Menschen vor dem Geschäft von Schlachter Freytag Schlange, um etwas Fleisch zu ergattern. Unterdessen berichtet der Lathwehrener Johan Tomzak Schreckliches von den Schlachtfeldern der Westfront. Das Heimatmuseum hat den Kriegsmonat auf einem Kalenderblatt zusammengefasst.

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Menschen stehen vor dem Geschäft von Schlachter Freytag Schlange, um etwas Fleisch zu ergattern.

Quelle: Stadtarchiv

Letter. Johann Tomzak, der als Knecht bei Bauer Bremer in Lathwehren arbeitete und gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 eingezogen worden war, hielt per Feldpost regelmäßig Kontakt zu den Bremers. Heinrich Bremer, Enkel des gleichnamigen Landwirts, hat die Briefe und Postkarten an seinen Großvater alle aufbewahrt und abgetippt - obwohl Tomzak aus Angst vor der Zensur um die Vernichtung seiner Schreiben bat. "Johann Tomzak hat zwar Angst vor der Zensur, muss aber seinem Herzen aber doch einmal Luft machen", heißt es in dem von Stadtarchivar Norbert Saul, der auch Mitglied im Museumsverein ist, zusammengestellten Kalenderblatt. Am 10. November entschuldigt sich der Knecht, dass die Bremers schon länger nichts mehr von ihm gehört hätten. Aber es sei schlecht gegangen, weil seine Einheit dauernd von einer Ecke zur anderen gekommen sei. Da habe er wenig Zeit zum Schreiben gehabt. "Bei dieser Gelegenheit bin ich auch nach Verdun und der Somme gekommen und wie es dort herging, das kann ich euch überhaupt nicht beschreiben, ihr werdet wohl auch selber genug davon gehört oder gelesen haben." Tomzak hofft auch ein baldiges Kriegsende, es sei alles zu viel. Dann wird er deutlich: "Die Menschen werden hier abgeschlachtet wie ein Stück Vieh." Die Somme-Schlacht kostet etwa 1,2 Millionen Menschen das Leben, darunter 500.000 deutsche Soldaten.

Seelze hat im November 1916 fünf Kriegstote zu beklagen. In den Dörfern selbst herrscht weiter Mangel. Das Kalenderblatt berichtet von Schlangen vor dem Geschäft von Schlachter Freytag am Kreuzweg, bei dem die Menschen noch etwas von dem wenigen Fleisch ergattern wollen, das es noch gibt. Auch für Oberbekleidung seien in diesem Monat Bezugsscheine eingeführt worden.

Mit den Kalenderblättern knüpft das Heimatmuseum an die Ausstellung "Der Weltkrieg 1914-18 und seine Bedeutung für die Menschen in Seelze" an, die im Oktober 2014 endete. "Die Ausstellung ist zwar beendet, aber der Krieg ging weiter", sagte Saul. Deshalb will das Museum bis zum Ende des Ersten Weltkrieges im November 1918 Monat für Monat ein Kalenderblatt veröffentlichen. Die bisher erschienenen 25 Blätter können im Heimatmuseum Seelze, Im Sande 14 in Letter, sonntags 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr angesehen werden. Außerdem sind die sie auf der Homepage des Heimatmuseums zu finden und können unter heimatmuseum-seelze.de/kalenderblaetter.html herunter geladen werden.

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Das Kriegerdenkmal in Lathwehren, für das Johann Tomzak spendete.

Quelle: Thomas Tschörner

Von Thomas Tschörner

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