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Demokratie lebt vom Ehrenamt

Seelze Demokratie lebt vom Ehrenamt

Das Ehrenamt in der Öffentlichkeit stärken, die Rahmenbedingungen für diese Tätigkeit ändern, um den Partikularinteressen der Gesellschaft entgegenzuwirken - Hannover-96-Präsident Martin Kind sprach beim Stadtempfang den rund 300 Besuchern aus dem Herzen.

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Preisträger und Laudatoren: Wilfried Nickel (großes Bild, links), Heinrich Oelfke (Zweiter von links), Knut Werner (Vierter von links) und Detlef Schallhorn (rechts) freuen sich mit den Preisträgern Ursel Marx und Nese Karabük sowie Jürgen und Edelgard Biskup.

Quelle: Treeske Hönemann

Seelze. „Ich bitte die Unternehmen, Mitarbeiter freizustellen, damit sie eine Vorbildfunktion übernehmen und sich aktiv in Projekte einbringen können“, sagte der Unternehmer im Festzelt. Der zweite Seelzer Stadtempfang hatte erneut unter dem Motto „Wirtschaft trifft Ehrenamt“ gestanden, bei dem wieder ein beispielhaftes Engagement einer Einzelperson, ein gemeinwohlorientiertes Unternehmen und eine richtungsweisende Organisation ausgezeichnet wurden.

Kind erinnerte daran, wie viel Wirtschaftskraft in ehrenamtlicher Arbeit steckt: „Das sind Milliardenbeträge, die sonst durch Steuern oder Beiträge aufgebracht werden müssten.“ Demokratie lebe von ehrenamtlichen Leistungen, diese führten umgekehrt zur Identifikation mit der Demokratie.

Der 96-Präsident gehörte mit Bürgermeister Detlef Schallhorn zu den ersten Gratulanten der diesjährigen Preisträger. Eine Miniaturausgabe der Bronzeskulptur „Seelzer Dialog“ des Künstlers Wolfgang Tiemann nahmen Edelgard und Jürgen Biskup entgegen. Laudator und zweiter stellvertretender Bürgermeister Heinrich Oelfke würdigte „das weiche Herz der Geschäftsführung“ des Familienbetriebs Kreklau & Hagedorn. Den Biskups war es gar nicht recht, am Donnerstag im Mittelpunkt zu stehen. Sie agieren lieber im Verborgenen und spenden an Vereine und Organisationen. „Wir hätten zu unserem Firmenjubiläum nach Mallorca fahren können. Aber die Feuerwehr benötigte das Geld viel dringender“, führte Edelgard Biskup in ihrer Rede an.

Der dritte stellvertretende Bürgermeister Knut Werner würdigte die Leistungen von Tanja Nikolaizik: „Sie hat einen schier unbegrenzten Vorrat an Ideen und Energie.“ Nikolaizik, die beim Empfang wegen einer Familienangelegenheit fehlte, ist in der Sportgemeinschaft Letter 05 groß geworden. Sie ist Spartenleiterin Turnen und Übungsleiterin.

Mit den Worten „wir brauchen sie einfach“ kündigte der erste stellvertretende Bürgermeister Wilfried Nickel den - vielmehr die - dritten Preisträger an: die 24 Integrationslotsen. „Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag und machen sich um den sozialen Frieden außerordentlich verdient.“ Ursel Marx und Nese Karabük nahmen die Skulptur stellvertretend entgegen. Kind versprach, ein Hannover-96-Trikot mit den Unterschriften aller Spieler nach Seelze zu schicken. Die Summe der Versteigerung will er verdoppeln - zugunsten der Lotsen.

Der Papierkram ist eine große Hürde

24 Integrationslotsen gibt es im Stadtgebiet. Ursel Marx aus Velber war die Erste, die sich in der Volkshochschule zur Helferin ausbilden ließ. Ihr erster Einsatz galt einer Familie aus dem Libanon. Mehr als fünf Stunden in der Woche wendet sie für ihre Aufgabe auf.

„Es ist wirklich eine schöne Aufgabe, die persönlichen Kontakte bringen einem viel“, sagt Marx. Die Velberanerin ging 2008 als Beamtin im Innenministerium in den Vorruhestand. Wo sie sich künftig einbringen konnte, stand schnell fest – Migranten helfen, dabei selbst die Stadt kennenlernen und neue Kontakte knüpfen. Ursel Marx war mit ihrem Mann gerade von Barsinghausen nach Seelze gezogen. „Als Erstes betreute ich eine Familie aus dem Libanon und kümmerte mich um den Jungen, der gerade zur Schule kam. Die Mutter sprach kein Deutsch. Also war ich es, die den Kontakt zur Schule hielt“, erinnert sich Marx. Noch heute wird sie von der Familie zu Festen eingeladen. 2010 gründete Marx mit der zweiten Integrationslotsin im Stadtgebiet, Nese Karabük, das internationale Frauenfrühstück. Einmal im Monat treffen sich bis zu 20 Frauen in der Begegnungsstätte in Letter und sprechen dabei über aktuelle Themen.Sprachkurse von Anfang an, auch eine Arbeitsgelegenheit sind für Marx die wichtigsten Angebote, die der Staat Flüchtlingen offerieren sollte. „Das bedeutet Integration von Anfang an. Es gibt keinen größeren Gefallen, den wir uns tun können. Die Neuankömmlinge werden in die Lage versetzt, wieder ihr eigenes Leben zu gestalten.“ Seelze sieht Marx bei der Hilfe der Neuankömmlinge noch gut aufgestellt. „Es gibt uns Lotsen, die die Flüchtlinge begleiten zu Ämtern und Ärzten. Die größte Hürde der Menschen ist der Papierkram. Sie verzweifeln daran“, weiß Marx. Außerdem sei vielen nicht klar, dass ein Termin in Deutschland ein anderes Gewicht hat als in ihrem Land und eingehalten werden muss. Marx will weiter daran mitarbeiten, dass es bei einer Willkommenskultur in Seelze bleibt. Der Arbeitskreis Integration, in dem sie Mitglied ist, will sich von den Lotsen separieren. In dem Gremium sollen Vertreter von Polizei, Kirchen, Schulen, Vereinen mitarbeiten und Probleme frühzeitig erkennen und für Abhilfe sorgen.

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Von Redakteur Treeske Hönemann

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