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Brotkorb ist an der Belastungsgrenze

Seelze Brotkorb ist an der Belastungsgrenze

Der Seelzer Brotkorb stößt an seine Belastungsgrenze. Viele Neuaufnahmen von Flüchtlingen und die erhöhte Nachfrage nach Lebensmitteln setzen den Ehrenamtlichen zu. Von Behörden und der Politik fühlen sie sich im Stich gelassen.

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Das Team vom Brotkorb bereitet die Ausgabe vor. Die Mitarbeiter sind mittlerweile voll ausgelastet.

Quelle: Symbolbild

Seelze. Weil Heiligabend und Silvester auf den Ausgabetag Donnerstag fallen und deshalb geschlossen ist, können die ehrenamtlichen Helfer zwei Wochen verschnaufen. Die Pause benötigen alle. „Wir kommen langsam an unsere Grenzen“, sagt die Vorsitzende Marion Straschewski. Allein am Donnerstag vor zwei Wochen habe der Brotkorb 64 Neuanmeldungen registrieren müssen. „Das ging zulasten der 250 Kunden, die in der Schlange standen und auf Lebensmittel warteten. Sie mussten sich gedulden“, sagt Straschewski.

An dem Tag hat der Brotkorb seine Waren bis 20 Uhr ausgegeben. Die Folge: Ältere Ehrenamtliche waren abends platt. „Wir brauchen mehr Leute. Mit der Ausgabe ist es ja nicht getan. Die Regale müssen vormittags aufgefüllt werden. Wir arbeiten in zwei Schichten“, sagt Straschewski. Auch fehlten Fahrer, um die Lebensmittel von den Märkten abzuholen.

Jeder neue Kunde steht für eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft. Das kann eine ganze Familie sein. Wie viele Kunden der Brotkorb hat, kann Straschewski auf Anhieb nicht sagen. Nur dass es immer mehr werden. Im August waren es 610 Bedarfsgemeinschaften, die im Zwei-Wochen-Rhythmus kommen dürfen. „Wir wollen niemanden abweisen, aber wenn es bei uns richtig voll und eng wird, dann ist die Hölle los.“

Straschewski meint, dass es sich Behörden und Politik zu einfach machen. „Sie schicken alle Bedürftigen zu uns. Noch reicht die Ware gerade eben. Noch mehr Märkte aufzutun, ist eher unrealistisch“, sagt sie. „Andererseits haben wir auch keine Lagerkapazität. Niemand macht sich Gedanken, wie wir das alles wuppen. Wir fühlen uns ausgenutzt.“

Mit seinen Problemen steht der Brotkorb nicht allein da. Auch die Tafeln im Calenberger Land müssen ihre Ausgabe auf alle zwei Wochen strecken. Ob es in Seelze auch so weit kommt, entscheidet sich im Januar.

Von Treeske Hönemann

Kommentar von Treeske Hönemann

Das kann nicht gut gehen

Die Tafeln und damit auch der Brotkorb sind einmal angetreten, um Bedürftigen zu helfen. Die Zielgruppe waren Senioren, die mit ihrer Rente nicht über die Runden kommen, Alleinerziehende und Familien mit schmalem Einkommen. Sie sollten sich einmal in der Woche mit Lebensmitteln für ein paar Tage eindecken können, damit etwas Geld übrig bleibt für einen Kaffee oder ein Eis für die Kinder. Die vielen Flüchtlinge bringen die Tafeln an den Rand der Belastung. Letztere sind zur Dauereinrichtung geworden. Ohne das ehrenamtliche Engagement wären viele Menschen noch ärmer. Die Politik verlässt sich auf die Helfer, nimmt soziale Schieflagen hin, wälzt sie auf die Einrichtungen ab. Das kann nicht gut gehen.

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