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Der Dienstgrad ist ihr nicht wichtig

Kirchwehren Der Dienstgrad ist ihr nicht wichtig

Seit 2003 ist Doris Fuhrmann Mitglied der Kirchwehrener Ortsfeuerwehr. Mittlerweile ist die ehemalige Getränkewartin sogar zur Oberlöschmeisterin befördert worden. Die Zuschauerrolle liegt ihr nicht. Sie packt lieber an.

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Doris Fuhrmann schätzt die Kameradschaft in der Kirchwehrener Ortsfeuerwehr und fühlt sich in der Gruppe wohl.

Quelle: Treeske Hönemann

Kirchwehren. Triebfeder sind die Neugier und die Lust Neues kennenzulernen. Beides hat sie bis nach Lateinamerika gebracht. Auch die Klappe halten liegt Doris Fuhrmann nicht. Sie mischt sich ein, gibt Anregungen und kommt trotzdem mit allen aus. Sie passt schon auf, dass es keinen Unfrieden gibt. Diese Charakterbildung, wie Fuhrmann es nennt, hat sie in jungen Jahren als Stewardess auf einem Frachtdampfer gelernt. Servieren und Putzen war ihre Aufgaben. An Bord gab es drei Frauen und 36 Männer.

Bei der Ortsfeuerwehr Kirchwehren gibt es 27 Aktive, darunter vier Frauen. Eine davon ist die 59-Jährige selbst. Seit 2001 lebt Fuhrmann in dem Seelzer Ortsteil. Zwei Jahre später trat sie der Feuerwehr bei, 2004 absolvierte sie den Grundlehrgang. „Ich wollte nicht nur förderndes Mitglied sein und meine Beiträge bezahlen. Ich wollte alles kennen lernen, alles mitmachen, die Technik beherrschen. Es ist alles spannend.“ Fuhrmann belegte weitere Lehrgänge. Sie lernte Tenorsaxophon, weil sie den Musikzug ihrer eigenen Feuerwehr klasse findet. Und sie baute die Homepage der Ortsfeuerwehr auf.

2012 hörte Ortsbrandmeister Rüdiger Bartsch auf. Kurz zuvor hatte er das Kommando neu aufgestellt. Jeder hatte seine Aufgabe. „Es war keiner mehr über, der den Job des Ortsbrandmeisters übernehmen konnte“, erinnert sich Fuhrmann. Dann solle es die Doris machen, hieß es in den Reihen der Kameraden. Die Doris war damals Getränkewartin und hatte keine Ahnung und auch keine Erfahrung von der neuen Aufgabe. „Du schaffst das schon, sagten alle zu mir.“ Sie hat es geschafft - trotz Vollzeitjob in der eigenen Tierarztpraxis.

Fuhrmann ist nicht wichtig, welchen Dienstgrad sie hat. Kürzlich wurde sie zur Oberlöschmeisterin befördert. Wichtig ist ihr, die vielen administrativen Aufgaben gut zu erfüllen, die Kameradschaft zu fördern, Hilfe zu leisten. „Mich hat die soziale Aufgabe gereizt. Die Menschen verlassen sich auf uns.“ Sie fühle sich sehr wohl in ihrer Feuerwehr. Fuhrmann ist die einzige Ortsbrandmeisterin in Seelze. Und die einzige Frau im Stadtkommando. Diesem Gremium gehörte sie schon vor ihrer Wahl als Schriftführerin an.

Fuhrmann vermutet, dass Frauen anders führen als Männer. Bedauerlich findet sie, dass es zu wenige weibliche Spitzenkräfte in der Feuerwehr gibt. „In kleineren Wehren schaffen sie es bis zum Gruppenführer. Allerdings hätte ich auch mir meine heutige Position nicht erkämpft. Sie ist mir einfach in den Schoß gefallen“, sagt Fuhrmann.

Zwar nicht kämpfen, aber viel Geduld benötigte die gebürtige Düsseldorferin bis sie einen Studienplatz erhielt. Ihr Abitur war nicht gut genug. Sie nutzte die Wartephase, um sich auszuprobieren. Sie fuhr ein Jahr auf dem Frachtdampfer, machte eine Lehre als Tierarzthelferin, sortierte bei der Post Pakete, landete in der Personalabteilung, arbeitete in einem Hotel. Als sie überlegte nach Kanada auszuwandern, klappte es mit dem Studienplatz in Berlin.

Vor wenigen Tagen hat sie ihre Praxis in Letter nach 28 Jahren aufgegeben, dem Job bleibt sie aber treu. „Die Praxis war ein Klotz am Bein. Ich mache jetzt Vertretungen in Deutschland. Ich reise gern. Mich reizt das Abenteuer. Jetzt lerne ich Städte und Landschaften kennen und in anderen Praxen neue Medikamente und andere Behandlungsmethoden“, erzählt Fuhrmann. Erste Station des neuen Berufslebens war Neustadt, demnächst geht es nach Koblenz. Sieht ganz danach aus, als ob die Kirchwehrerer Kameraden ihre Doris seltener zu Gesicht bekommen.

Von Treeske Hönemann

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Von Redakteur Treeske Hönemann

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