Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Die Männer sind fast unter sich

Seelze Die Männer sind fast unter sich

Das Mentoring-Programm des Landes will Frauen für die Kommunalpolitik gewinnen. Sie werden ein Jahr lang gefördert und mit vielem vertraut gemacht. Auch in Seelze finden so einige Frauen den Weg in die Kommunalpolitik.

Voriger Artikel
Sucher findet Kugeln, Knöpfe und Münzen
Nächster Artikel
Brautleute feiern im Stil von Woodstock

Gabriela Giesche (links) fördert das politische Engagement von Christiane Fichte.

Quelle: Treeske Hönemann

Seelze. 36 Mitglieder hat der Rat der Stadt. Gerade mal vier von ihnen sind weiblich - Sabine Lentge, Susanne Richter, Sandra Sender (alle SPD) und Dorothea Plitzke (CDU). „Das sind erschütternd wenig“, sagt Seelzes Gleichstellungsbeauftragte Gabriela Giesche. In den Ortsräten sieht es mit der Quote etwas besser aus. In Gümmer sind vier von sieben Mitgliedern Frauen, in Kirchwehren drei von sieben. Einzige Ortsbürgermeisterin ist derzeit Petra Cordes (CDU) in Almhorst.

„Politik braucht Frauen!“ heißt der Slogan des Niedersächsischen Mentoring-Programms zur Förderung von Frauen in der Kommunalpolitik. Obwohl es mittlerweile das fünfte Programm ist, sind Frauen in der Kommunalpolitik unter einem Drittel präsent. „In Seelze“, sagt Giesche, finden sich das Meinungsbild, der Erfahrungsschatz und das qualifizierte Wissen der Einwohnerinnen nicht in den Entscheidungsgremien wieder.“ „Frauen übernehmen leider immer noch eher die Verantwortung für ihren Beruf und die Familie.“

Die Gleichstellungsbeauftragte wirbt für das Mentoring-Programm. Es bietet Frauen für ein Jahr die Möglichkeit, den kommunalpolitischen Alltag kennenzulernen. Dazu gibt es Fortbildungen und Veranstaltungen. Sie sollen dabei helfen, sich mit Themen vertraut zu machen, Kontakte zu knüpfen. Begleitet werden die Frauen von erfahrenen Kommunalpolitikern. In Seelze beteiligen sich derzeit Christiane Fichte und Sabrina Gärtner am Programm.

Fichte hört überall zu

Was kann ich machen, um mein Umfeld mitzugestalten? Diese Frage war für Christiane Fichte der Ausgangspunkt, sich für das Programm zu bewerben. Ihr Mentor war zunächst der CDU-Ratsherr Heinrich Oelfke. Inzwischen ist die Letteranerin zu ihrem Ortsbürgermeister Rolf Hackbarth (SPD) gewechselt. Ob die Mediatorin nächstes Jahr für den Ortsrat Letter oder den Rat der Stadt kandidiert, ist noch völlig offen. „Ich habe noch ein paar Monate Zeit für meine Entscheidung.“ Ihre Lust auf Politik ist allerdings gewachsen, auch wenn ihr nicht alles gefällt. „Sitzungstermine liegen weit auseinander. Manche Themen werden zu lange diskutiert, andere zack, zack abgehakt.“ Fichte geht es allein um die Sache, wenn sie bei Fraktionssitzungen und in Ausschüssen zuhört. Die Parteizugehörigkeit ist ihr nicht wichtig. Sie will mit jedem gut auskommen. „Ich habe zu Themen schon meine Meinung. Kann also sein, dass ich mal überstimmt werde. Ein Fraktionszwang ist jedoch nicht mein Ding. Wenn einer auf mich Druck ausübt, bin ich weg“, kündigt Fichte an. Das Mentoring-Programm will Frauen Mut machen, in die Politik zu gehen. Fichte hat bislang alles mitgenommen, was angeboten wurde. Im Herbst geht es weiter mit einem Kurs Rhetorik für Politikerinnen und mit Workshops zu Kommunalpolitik und Verwaltung. Kommunalpolitik, so viel hat Fichte mitbekommen, macht Arbeit, kostet Zeit, kann aber auch Anerkennung bringen.

Frauen sollten sich durch nichts aushebeln lassen

Vater, Mutter, Kinder und der Apfelbaum blüht im Garten – Dorothea Plitzke war als junge Mutter das Hausfrauendasein einfach zu wenig. 1996 war sie nach Kirchwehren gezogen. Nun wollte sie mitmischen und mitreden im Dorf und schaute sich an, was der Ort zu bieten hat. Sie landete in der Politik, ging 2001 in den Ortsrat, wurde Mitglied der CDU, war zunächst für die Partei Bürgervertreterin in zwei Ausschüssen, rückte dann 2004 in den Rat nach. „Ich bin naiv herangegangen. Politik fand ich spannend und ich bin ein entscheidungsfreudiger Mensch. Dennoch war es gut, eine Mentorin zu haben“, erinnert sich Plitzke. Sie suchte sich die Springer Regionsabgeordnete Gabriele Kohlenberg aus. Ein Jahr lang nahm sich Plitzke die Abgeordnete zum Vorbild. „Mit meiner großen Klappe allein, konnte ich nichts reißen. Ausschusssitzungen müssen vorbereitet, Vorlagen gelesen werden. Und obwohl mich vieles interessiert hat, war auch vieles Neuland für mich. Ich habe viel dazugelernt. Auch, dass Politik nicht immer klar und durchsichtig ist und man Kompromisse eingehen muss“, sagt Plitzke. Im Rückblick sei sie froh, zu einer Zeit in die Politik eingestiegen zu sein, als sie noch nicht wieder als Hauswirtschaftsleiterin gearbeitet hat. „Ich weiß nicht ob ich die Kraft gehabt hätte, in der Männerdomäne Fuß zu fassen.“ Dass Mentoring-Programm habe sie aber stark gemacht, dabeizubleiben. Plitzke ist in Kirchwehren stellvertretende Bürgermeisterin. Im Ortsrat könne man einiges für das Dorf erreichen. Klar sei aber auch: „Im Ortsrat werden Dinge manchmal nur angestoßen, im Rat wird entschieden.“ Frauen, die auch in die Politik gehen wollen, rät die 49-Jährige, sich durch nichts aushebeln zu lassen. „Frauen lassen sich schnell ein schlechtes Gewissen machen. Sie sind zu weich. Dabei sollten sie ruhig ausprobieren, was ihnen liegt. Und schauen, ob es ihnen nicht gefällt, mitreden zu können.“

Von Treeske Hönemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sms57artkw1m1ujcerv
Adventswochenende klingt musikalisch aus

Fotostrecke Seelze: Adventswochenende klingt musikalisch aus