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Feuer zerstört historisches Fachwerkhaus

Seelze Feuer zerstört historisches Fachwerkhaus

Ein historisches Fachwerkhaus an der Martinskirchstraße ist am Mittwoch wohl wegen eines technischen Defekts in Brand geraten. Trotz des schnellen Eingreifens der Feuerwehr war das Gebäude nicht zu retten. Die Bewohner, eine zehnköpfige Flüchtlingsfamilie, konnte unverletzt das Haus verlassen.

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Flammen schlagen aus dem Dach des Hauses.

Quelle: Feuerwehr

Seelze. Mitglieder der irakischen Familie bemerkten das Feuer und verständigten den ehemaligen Seelzer Ortsbrandmeister Alfred Blume, der die Familie auch auch schon vor dem Brand betreute, berichtet Feuerwehrpressesprecher Jens Köhler. Blume sorgte dafür, dass auch die übrigen Mitglieder der Familie das Haus verließen. Die Familie besteht aus den Eltern und acht Kindern im Alter von drei bis 21 Jahren. 

Beim Eintreffen der Feuerwehr brannte ein Raum des Hauses bereits lichterloh, berichtet Seelzes Ortsbrandmeister Carsten Strowig. "Bei einem Fachwerkhaus geht das in ein paar Minuten durch." Durch die Fachwerkbauweise mit Holzbalkendecken fand das Feuer reichlich Nahrung, sodass das Gebäude schnell in Vollbrand stand. Das 1756 erbaute Haus konnte jedoch nicht mehr gerettet werden. Die Ortsfeuerwehren aus Seelze und Letter wurden von der Drehleiter und einem Tanklöschfahrzeug aus Garbsen unterstützt. So konnte mit zwei Drehleitern gearbeitet werden, die mit ihren Wenderohren jeweils 2500 Liter Wasser in der Minute in die Flammen schleuderten. Durch den massiven Feuerwehreinsatz und den freien Standort bestand keine Gefahr für Nachbargebäude, sagte Strowig. Insgesamt waren 68 Feuerwehrleute mit 13 Fahrzeugen im Einsatz.

Zur weiteren Gefahrenverhinderung gab der Eigentümer, die evangelische Kirche, den Abriss in Auftrag. Nach Einschätzung der Feuerwehr brach der Brand im Innern des Gebäudes aus. Nach den bisherigen Ermittlungen geht die Polizei von einem technischen Defekt aus, Anhaltspunkte für eine Straftat gebe es nicht. Der Schaden wird auf 100.000 Euro geschätzt.

Die nun obdachlos gewordene Familie werde bis Donnerstag bei Verwandten wohnen, sagte Stadtsprecher Norbert Saul. Danach werden die Flüchtlinge für einige Woche in der Unterkunft an der Almhorster Straße untergebracht. In dieser Zeit versuche die Stadt, für die Familie eine dauerhafte Unterkunft vorzubereiten. "Es gab bereits spontane Hilfsangebote von Seelzer Bürgern", sagte Saul. Die Familie, die ihre Habe bei dem Feuer verloren hat, wurde noch am Mittwoch von der Kleiderkammer des Seelzer Brotkorbs versorgt.

Weil die Flüchtlinge alles verloren haben, startet Pastor Matthias Hoyer eine Unterstützungsaktion. Spenden können eingezahlt werden auf das Konto der Ev. Kirchengemeinde St. Martin Seelze, IBAN DE30 5206 0410 0000 6090 13,
bei der Evangelischen Bank Kassel, mit dem Stichwort "Ausgebrannte Flüchtlinge in Seelze".

Die alte Seelzer Schäferstelle an der Martinskirche: Die Geschichte des Gebäudes lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Stadtarchiv Norbert Saul hat herausgefunden, dass die Inhaber - die Familie Flebbe - der sogenannten Kleinkötnerstelle Nr. 23 (Martinskirchstraße 16) allesamt Schäfer waren. Das ursprünglich dort vorhandene Haus fiel jedoch am 30. Juli 1755 wie auch die Kirche, der Pfarrhof und das halbe Dorf einem Großbrand zum Opfer. Ein Jahr später, 1756, wurde das Haus neu gebaut. Mit der Eisenbahn, die seit 1847 fuhr, ging es mit der Schäferei bergab. "Für die 700 bis 800 Schafe, die einst ihr Futter in der Seelzer Gemarkung gefunden hatten, war kein Platz mehr", erklärt Saul. Die Flebbes gaben die Schäferei um 1880 auf. Das zu dem Haus gehörende Land wurde verkauft, das Gebäude als reines Wohnhaus genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Wohnraum knapp war, lebten in dem Haus zeitweise drei Familien mit zehn Personen. 1968 wurde das Haus von einer Nichte der letzten Flebbetochter an einen Seelzer verkauft, der es drei Jahre später an die Kirchengemeinde St. Martin veräußerte. Zunächst wurde es als Pfarrhaus genutzt, dann als Lager des Seelzer Brotkorbs und zuletzt als Wohnraum für Flüchtlinge. "Am 15. Juni 2016 ist das Haus im Alter von 260 Jahren abgebrannt", bedauert Saul.

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Fotostrecke Seelze: Feuer zerstört historisches Fachwerkhaus

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Von Thomas Tschörner

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