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Ein Forsthaus als Schweigegeld

Lathwehren/Kirchwehren Ein Forsthaus als Schweigegeld

Vor genau 150 Jahren begann die Planung für das Forsthaus an der Lenther Straße in Kirchwehren: 1865 lag die Bauzeichnung vor, 1867 war das Haus bezugsfertig. Eng verbunden mit dem Gebäude ist Förster Friedrich Pieper (1820-1897), für den es auf Geheiß des hannoverschen Königs Georg V. (1819-1878) errichtet wurde.

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Heinrich Bremer hat Unterlagen über Förster Friedrich Pieper, das französische Kindermädchen und König Georg V. gesammelt.

Quelle: Thomas Tschörner

Seelze. Der König und der Pieper hatten ein Geheimnis. Das Forsthaus und Privilegien für den Förster waren eine Art Schweigegeld.

Pieper hatte gute Kontakte zum Hof, nicht zuletzt durch seine Frau Franzoise Bornett (1816-1888). Sie war das Kindermädchen des 1845 geborenen Kronprinzen Ernst August. Ernst August besuchte gelegentlich das Dorf, in dem Pieper 1861 seinen Dienst angetreten hatte. 1864 kam sogar der König höchstpersönlich zum Schützenfest, woran eine Eiche die Nachwelt erinnert.

„Natürlich war das alles über viele Jahre Thema bei Dorfgesprächen“, sagt der Lathwehrener Landwirt Heinrich Bremer. Die von Bremer zusammengetragene Überlieferung kennt Hintergründe. Pieper besuchte oft das damalige Gasthaus Ostermeyer, wo auch Bremers Zeitzeuginnen Martha Ostermeyer und Lina Karg arbeiteten. Sie hörten Piepers Geschichten und erzählten sie Bremer weiter.

Pieper nahm offenbar kein Blatt vor den Mund und berichtete freimütig von seinem Leben als Leibförster auf dem Königshof und wie es ihn nach Kirchwehren verschlagen hatte. Hofdame Franzoise Bornett erwartete dummerweise ein Kind des Königs. „Das Problem ließ sich am einfachsten aus der Welt schaffen, wenn Leibförster Pieper das Mädchen heiratete.“ Wie verordnet so getan.

Dafür bekam Pieper die gute Unterkunft an der Lenther Straße und eine ordentliche Anstellung als Reitender Försters - ein höherer Rang als die bis dato in dem Dorf üblichen Holzknechte und der Gehende Förster.

Seine Zeitzeuginnen hätten sogar mit Piepers Tochter Sophie Arabell gespielt, berichtet Bremer. Der Landwirt vermutet, dass das Leben auf dem Dorf für die Hofdame wohl eher langweilig gewesen sein dürfte - das Schützenfest 1864 dürfte einer der wenigen gesellschaftlichen Höhepunkte gewesen sein. Die Familie Pieper konnte zwar das Forsthaus beziehen, musste aber fortan auf königlichen Besuch verzichten.

Denn Hannovers letzter König hatte sich 1865/66 bei den Preußen unbeliebt gemacht und musste ins österreichische Exil gehen. Pieper durfte im Forsthaus bleiben. Finanziell wurde sein Leben schwerer, weil die nun zuständigen preußischen Beamten seine Privilegien nicht recht nachvollziehen konnten.

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