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Lutz Degenhardt liebt seinen Jeep von 1944

Seelze Lutz Degenhardt liebt seinen Jeep von 1944

Eine frühe Liebe verbindet Lutz Degenhardt mit seinem 1944 gebauten Jeep der Firma Willys. Schon als Sechsjähriger saß der 45-jährige Seelzer Zahnarzt in der Garage seines Vaters Bernd am Steuer und träumte von Touren mit dem Geländewagen. Doch erst vor sieben Jahren konnte er das Fahrzeug übernehmen und restaurieren.

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Trotz des Alters ist der Jeep für Lutz Degenhardt ein Auto für jeden Tag.

Quelle: Thomas Tschörner

Seelze. Ende der sechziger Jahre hatte Degenhardts heute 74-jähriger Vater den Wagen gekauft, mehr zum Spaß. Angemeldet wurde der Jeep nicht, wohl aber für Fahrten im Gelände genutzt. Nach einem Überschlag, bei dem zwar weder der Fahrer verletzt noch das Auto nennenswert beschädigt wurde, intervenierte Lutz Degenhardts Mutter. So ginge das nicht weiter, appellierte sie an die Verantwortung des Familienvaters und drängte zum Verkauf des Geländewagens. Doch trennen mochte sich Bernd Degenhardt nicht von dem Jeep, der stattdessen in einer Garage eingemottet wurde. "Als Sechsjähriger habe ich in dem Auto in der Garage gesessen und gedacht, wie cool es wäre, damit zu fahren", sagt Lutz Degenhardt. Doch lange passierte nichts. Vor sieben Jahren nutzte der Seelzer Zahnarzt dann bei einer Familienfeier die Gunst der Stunde und überredete seinen Vater, ihm den Wagen zu überlassen.

"Ein Jahr habe ich Tag und Nacht den Jeep wieder fahrtauglich gemacht, der einige Standschäden hatte." Das nötige Wissen eignete er sich autodidaktisch an. "Ich habe mir bei den Arbeiten alles selbst beigebracht, jetzt könnte ich das Auto mit verbundenen Augen reparieren." Weil er früher viel an Mopeds und Motorrädern geschraubt hatte, war ihm der Umgang mit Werkzeug nicht ganz fremd. Und der Jeep ist leicht instand zu setzen, eine Forderung des amerikanischen Militärs an den Hersteller. "Sie kriegen auch noch alle Teile." Besonders auf den Philippinen sei das Fahrzeug auch heute noch weit verbreitet, weil die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg große Stückzahlen dort zurückgelassen hätten.

Das Auto ist insgesamt eher unbequem, es gebe keinerlei Komfort, räumt Degenhardt ein. "Wenn Sie 300 Kilometer am Stück fahren und hinterher noch ein Grinsen im Gesicht haben - dann ist der Wagen das Richtige für Sie." Der Jeep fahre sich anders. Nicht zuletzt, weil der Fahrer praktisch nicht in, sondern auf dem Wagen säße. Zwar sei die Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern für damalige Verhältnisse nicht schlecht gewesen, doch das Auto sei kein Rennwagen, sagt Degenhardt, der gelegentlich mit dem Jeep auch im Gelände fährt. Und bei Tempo 100 habe man schon das Gefühlt, zu fliegen. "Es kommt mir nicht darauf an, schnell von A nach B zu kommen, sondern wie." Für Degenhardt ist der Jeep kein Sonntagsauto, er nutzt ihn jeden Tag.

Ein altes Auto zu fahren, reicht Degenhardt nicht. Ihn interessiert auch die Geschichte. Anhand der Fahrgestellnummer hat er rekonstruieren können, dass "sein" Jeep" 1944 gebaut wurde und an die Navy ausgeliefert wurde. Dort wurde das Fahrzeug beim Construction Battalion, den Bautruppen der US-Marine in Frankreich eingesetzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges seien die Amerikaner froh gewesen, nicht alles Material wieder verschiffen zu müssen - besonders, wenn es defekt war. Die Franzosen wiederum seien dankbar gewesen, aus mehreren beschädigten Fahrzeugen wieder ein funktionsfähiges bauen zu können. Bei Paris gab es ein besonderes Werk, das so Fahrzeuge für die französische Armee zusammenstellte. In so einem Werk sei auch der Jeep wieder flott gemacht worden. Der Wagen gelangte schließlich in den Besitz einer Pariser Baufirma, die in dann ins Saarland an den dortigen Chef der Carlsberg Brauerei verkaufte. Dieser benutzte ihn eine Zeit für die Jagd, dann wurde der Jeep nach Hessen veräußert und kam schließlich zu Degenhardts Vater. Lutz Degenhardt orientierte sich bei der Generalüberholung an dem Originalzustand von 1944 und achtete auch auf die richtigen Abzeichen. Allerdings ohne zu übertreiben. "Ich bevorzuge ein gebrauchtes Aussehen." Das Auto sei für ihn keine Wertanlage oder ein Sammlerstück. Deshalb nehme er in Kauf, dass es Abnutzungserscheinungen gebe. Heute sei sein Vater stolz auf den Jeep und schraube gelegentlich mit. Eins steht für Degenhardt fest: Der Wagen sei wie ein Haustier, den er nie wieder hergebe - auch nicht für viel Geld.

Geschichte begann 1941: Der kleine Geländewagen mit Allrad-Antrieb der US-Armee wurde vermutlich nach einer Figur aus den Popeye-Comics schließlich "Jeep" genannt. Der 1941 konzipierte Wagen wiegt etwa eine Tonne, hat einen Hubraum von 2,2 Liter und leistet 60 PS. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 14 Liter Benzin war das Auto relativ sparsam. Für die Ausschreibung der Armee hatten sich Bantam, Ford und Willys beworben, von denen Willys wegen der stärkeren Motorisierung schließlich den Zuschlag bekam. Bis 1945 wurden rund 640.000 Stück gebaut. Weil Willys Overland nicht genug Kapazität hatte, wurde der Wagen in Lizenz auch von Ford gebaut. In Frankreich wurde das Fahrzeug bis in die siebziger Jahre in Lizenz gebaut. Der Jeep erfreute sich nicht nur bei den Soldaten großer Beliebtheit, auch viele Prominente wie Englands Premier Winston Churchill, die US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman sowie die Queen ließen sich mit einem Willys ablichten.

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Fotostrecke Seelze: Lutz Degenhardt liebt seinen Jeep von 1944

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