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Geschwister aus Bagdad verstärken die Feuerwehr

Seelze Geschwister aus Bagdad verstärken die Feuerwehr

Erst seit sechs Jahren sind Samar und Ghassan Gago in Deutschland. Obwohl sie in ihrer alten Heimat - dem Irak - nie etwas mit der Feuerwehr zu tun hatten, haben sie in Velber ihre Leidenschaft für das Retten, bergen, löschen entdeckt. Im März absolvierten sie erfolgreich die Prüfung zum Truppmann.

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Ghassan und Samar Gago verstärken die Feuerwehr in Velber.

Quelle: Sandra Remmer

Velber. Das Samar das einzige Mädchen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Velber ist, macht ihr überhaupt nichts aus. "Ich wollte als Kind immer Polizistin werden. Da dachte ich, Feuerwehr ist auch gut", erzählt die 18-Jährige. Gemeinsam mit ihrem Bruder Ghassan (24) hat sie gerade den ersten Teil der Truppmannausbildung mit Erfolg absolviert. Doch ausruhen wollen die beiden sich auf ihren Lorbeeren nicht. Atemschutz - und Funklehrgänge stehen auf  ihrer Liste, bevor sie in zwei Jahren auch den zweiten Teil der Ausbildung zum Feuerwehrmann absolvieren wollen. Bis dahin ist auch die regelmäßige Teilnahme an den wöchentlichen Übungsabenden eine Selbstverständlichkeit für die beiden Geschwister. "Feuerwehr ist wie eine Familie", sagt Ghassan Gago. 

Ein ehemaliger Klassenkamerad am Georg-Büchner-Gymnasium hat den Iraker auf die Idee gebracht, mit zur Feuerwehr zu kommen. Da die regelmäßigen Übungen jedoch immer am Abend sind, sollte es noch etwas dauern, bevor Ghassan Gago daran teilnehmen konnte. "Ich habe zu dieser Zeit gerade mein Abitur an einem Abendgymnasium gemacht", berichtet der junge Mann. Weil er bei seiner Ankunft in Deutschland schon älter als 18 Jahre war, konnte er am GBG nur die Sprachlernklasse besuchen. Um sein Abitur zu absolvieren, musste er sich eine andere Alternative suchen. Inzwischen studiert der 24-Jährige an der Universität Hannover Physik und Mathe, er möchte Lehrer werden. Seine Schwester Samar hat sich aktuell um eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin beworben. Doch so ganz aus dem Kopf will ihr das Thema Schauspiel noch nicht. "Ich war mit viel Spaß und Begeisterung lange in der Theater-AG am GBG", verrät die 18-Jährige.

Angekommen in Seelze sind Ghassan und Samar Gago zusammen mit ihrem Bruder Ghazwan und ihrer Mutter als Flüchtlinge. Den Vater der Familie hatten IS-Terroristen während eines Gottesdienstes erschossen. "Wir sind Christen", erklären beide. Ihre Mutter überlebte den Anschlag, schwerst verletzt. Eine lange Zeit des Bangens begann. Während die Mutter nach mehreren Operationen im Krankenhaus um ihre Leben kämpfte, warteten die Kinder in der Wohnung auf sie. "Das in der Nachbarschaft Bomben einschlugen war normal. Irgendwann gewöhnt man sich dran" schildert Gago seine Erinnerungen. Auch, dass die Terrormiliz in den Wohnungen klingelte und Menschen erschoss erlebten die Kinder regelmäßig. Als die Nachricht eintraf, dass die Mutter wieder gesund werden würde, beschloss die Familie, ihre Heimat zu verlassen. "Unsere Mutter war beim Roten Kreuz. Deswegen hatte sie das Glück, in einem amerikanischen Militärkrankenhaus operiert zu werden", erzählen die Geschwister. "Ich vermisse unser altes Zuhause nicht", sagt Gago. Freunde und Familie seien nicht mehr dort. "Zuhause ist das, wo Menschen sind, die ich verstehe und die mich verstehen", erklärt der Student. Velbers Feuerwehr leistet einen großen Beitrag dazu.

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Von Redakteur Sandra Remmer

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