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Gute Resonanz zum Muse-Auftakt

Seelze Gute Resonanz zum Muse-Auftakt

7 Konzerte in 20 Tagen. Kaum sind die ersten Töne erklungen, ist man auch schon mittendrin im Festival Muse. Gleich drei Konzerte wurden dem Publikum am vergangenen Wochenende geboten - zwei davon in der angenehm kühlen Kirche St. Martin. Was auch dazu geführt haben dürfte, dass die Veranstaltungen gut besucht waren.

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Ekaterina Litvintseva, Heribert Beissel

Quelle: Treeske Hönemann

Seelze. Wer nicht hingegangen ist, hat gute Unterhaltung, ausdrucksstarke Interpreten und lustvolles Musizieren verpasst. Das sehen aber nicht alle so. „In der Vorverkaufsstelle gab es Kritik. Die Karten seien zu teuer, wir holten die falschen Leute“, erzählte Muse-Manager Robert Leschik am Eröffnungsabend am Freitag in der Hannoverschen Volksbank. „Das finden wir nicht.“ Karten kosteten zwischen 15 und 25 Euro. „Und wir wollen bei unserem Anspruch bleiben, gute Künstler zu engagieren.“

„Seelze hat sich zur Kulturstadt entwickelt“, sagte Vize-Bürgermeister Knut Werner. Es werde immer mehr Kultur geboten, auch und gerade in den Ortsteilen. Das sei fantastisch. Werner hatte sich wie viele Fans auf die 16. Neuauflage gefreut. „Es kribbelte seit Tagen in meinen Füßen. Es ist wieder Muse-Zeit.“ Zu den Förderern gehört die Hannoversche Volkbank. „So lange ich hier in Seelze bin, werden wir das Festival begleiten“, versprach Filialleiter Gerd Kalendruschat. Werner Brzuska vom Muse-Team lobte die Vielfalt und die tollen Künstler. „Nur bei den Förderern haben wir noch etwas Aufholbedarf.“

 

Bravo-Rufe für Ekaterina Litvintseva

Reinhard Niemann hat einen Spleen. Dieser hat den Kölner am Sonnabend in die Kirche St. Martin geführt zum Konzert mit der Klassischen Philharmonie Bonn unter Leitung von Heribert Beissel und der Pianistin Ekaterina Litvintseva. „Wir fühlen uns sehr geehrt. Wir hatten noch nie ein solch großes Sinfonieorchester hier“, bedankte sich Pastor Matthias Hoyer bei Niemann.

Der Rheinländer ist ein Musikfreund und Förderer Hochbegabter. Neben seinem Labor für Endokrinologie hat er sich einen Konzertsaal gebaut. Unter anderem unterstützt Niemann die Pianistin Ekaterina Litvintseva. Für das Konzert mit dem Orchester, das sich ebenfalls zum Ziel gesetzt hat, hochtalentierte Musiker zu fördern, hat Niemann mal eben 50 000 Euro spendiert. Die 150 Besucher in St. Martin dankten ihm mit Applaus.

Das Konzert wurde in Bild und Ton aufgezeichnet. Im Mittelpunkt standen die Konzerte für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll und Nr. 2 f-Moll von Frédéric Chopin. Dirigent, Musiker und Pianistin haben schon öfter zusammengearbeitet. Litvintseva saß aufrecht und hochkonzentriert am Flügel. Den Kopf im Nacken, die Augen geschlossen, hörte sie dem Orchester zu. Bei ihren Einsätzen presste sie die Lippen zusammen. Erst beim dritten Satz des ersten Konzerts war ihre Anspannung weg, spiegelte sich Fröhlichkeit in ihrem Gesicht wider. Zwischen den Sätzen gab es ein aufmunterndes Lächeln von Beissel.

„Es war ein wunderbares Konzert. Die Pianistin hat eine sensationelle Dynamik. Sie ist brillant in der Lautstärke und auch den leisen Stellen“, sagte Professorin und Konzertmeisterin Ervis Gega. Litvintseva bedankte sich nach dem Konzert bei der Violinistin mit einem Küsschen auf die Wange. Aus dem Publikum gab es Bravo-Rufe für die Pianistin.

Vier Hände machen aus Elise ein bockiges Mädchen

Ihr Metier ist Entertainment: Unter dem Motto „4 Hands 4 Fun“ eröffnete das Allgäuer Klavierduo Stephan Weh und Marcel Dorn das Muse-Festival. Das Publikum genoss es am Freitag in vollen Zügen. Es war ein Vergnügen, den ausgezeichneten Pianisten bei ihren ausgefallenen vierhändigen Arrangements zuzuhören und zuzusehen. Auf einer Leinwand neben dem Flügel konnten die 150 Besucher deren flottes Fingerspiel sowie die Mimik- und Gestik-Show verfolgen.

Wer das Stück „Für Elise“ von Beethoven nur als langsame Fingerübung für Klavierspieler kennt, wurde von den Piano-Comedians überrascht. Ihre Interpretation war eine bockige, sture und freche Elise inmitten der Pubertät im südamerikanischen Rhythmus. Dorn setzte sich dafür eine Sonnenbrille auf und legte die Füße in schwarz-weißen Lackschuhen auf den Flügel.

Ihre Hommage erwies das Duo Johann Pachelbel, dessen Kanon in D-Dur wohl jedes Kind kennt. Mit Augenzwinkern präsentierten die Künstler anhand von 30 rasant vorgetragenen Beispielen, welche Komponisten angeblich das Bassschema von Pachelbel als Vorlage genommen hatten. Das Spektrum reichte von der russischen Nationalhymne über „Lemon Tree“ von Fools Garden bis zu Eric Claptons „Tears in Heaven“.

Weh und Dorn bezogen das Publikum immer wieder in ihre Show ein. So durfte es auch fünf Emotionen für das Stück „Fröhlicher Landmann“ von Robert Schumann nennen, die die Entertainer dann auch prompt spielten. Als die Besucher, in drei Gruppen aufgeteilt, auch noch „Alle Vögel sind schon da“, „Ein Männlein steht im Walde“ und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ gleichzeitig im Kanon sangen, erklärten die Pianisten Seelze zur „Musikhauptstadt der Republik“ und bescheinigten ihrem Publikum „,musikalischen Sachverstand und Augenmaß“.

Das bedankte sich für den wundervollen Abend mit lang anhaltendem Applaus. Nach zwei Zugaben durften sich die schweißgebadeten humorvollen Allgäuer schließlich an der Bar erfrischen.

Aufregende Sängerin mit frischer Stimme

Wow, was für eine aufregende Stimme. Frisch, hell, makellos. Der Auftritt der griechisch-holländischen Sängerin Maria Markesini am Sonntag in St. Martin war ein Ereignis. Mit den Klazz Brothers stellte sie Songs aus ihrem Album „Cinema Passionata“ vor und überwand dabei die Grenzen zwischen Barock und Jazz mühelos und, ja, spielerisch. Markesini war eine ausgezeichnete Konzertpianistin. Seit einer schweren Ellenbogenverletzung kann sie nur noch eingeschränkt spielen. Bei ihren Auftritten, wie in Seelze, setzt sie sich aber immer mal wieder an den Flügel, um sich wie bei dem Song „C’est si bon“ selbst zu begleiten.

Kein griechischer Künstler kommt derzeit, so scheint es, umhin, sich zur politischen Lage zu äußern. „Kunst verbindet, Politik spaltet, weil die Kunst von dem Herzen kommt“, sagte die Sängerin.

Von Treeske Hönemann

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Von Redakteur Treeske Hönemann

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