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Auch im Kirchturm gibt es viel zu entdecken

Seelze Auch im Kirchturm gibt es viel zu entdecken

Schon von weitem ist der Seelzer St.-Martins-Kirchturm zu erkennen. Das ist auch Sinn und Zweck des christlichen Wegweisers. Viel seltener bekommt man die Gelegenheit, mal hinter die Turmwände zu schauen und einen Blick auf das Innenleben eines Kirchturms zu werfen.

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Der Handlauf eines Geländers im Turm wurde mit einer geschmiedeten Schneckenform elegant vollendet

Quelle: PATRICIA CHADDE

Seelze. Auch wenn die Kirchturmuhr eifrig schlagend die Stunden anzeigt, scheint die Zeit im Inneren des St. Martins-Kirchturms stehen geblieben zu sein. Auf der Empore hinter der Orgel befindet sich die Tür zum Durchgang in die nicht öffentliche Welt des Kirchenbaus, der zwischen 1765 und 1769 errichtet wurde. Knarzende Stiegen führen in die Höhe und den Holztreppen ist ihr beträchtliches Alter anzuhören und anzusehen. Doch die Konstruktion wackelt nicht und hält und erfüllt damit ihren Zweck. Ein schlichtes, geschmiedete Eisengeländer grenzt Treppenhaus von Glockenstuhl ab. Aber am Ende des Handlaufs hat der Schmied mit einer geschwungenen Schnecke den eleganten Abschluss gefunden.

Neben einfachem Eisen spielt auch Bronze eine gewichtige Rolle im Turm. Denn die große Glocke besteht aus der wohlklingenden Kupfermischung und wurde neu gegossen. Ein Glockenrevisor hatte vor Durchrostung der Glockenaufhängung gewarnt, was den Austausch nötig machte. Der Vorgänger der Stahlglocke wiederum bestand seinerzeit ebenfalls aus Bronze und wurde, wie während des Ersten Weltkrieges üblich, zu Rüstungszwecken demontiert und eingeschmolzen, um als Feinde deklarierte Menschen zu töten.

Seit dem 16. September 2008 hängt das neue Exemplar der großen Glocke wieder im Turm. Glockenbauer und Seelzes Freiwillige Feuerwehr fanden glücklicherweise ein ausreichend großes Turmfenster, um die mächtige Metallform hineinhieven und aufhängen zu können. Besagtes Turmfenster hat übrigens noch Holzrahmen mit klassischer Einfachverglasung, während bröckelnder Wandputz Schilfhalme freilegte. Ein schmaler Draht machte sie zu einem haltbaren Geflecht für den Putzauftrag. Doch scheint der Turm auch für manches geheime Treffen getaugt zu haben. Eine Weinflasche des örtlichen Händlers H.J. genannt "Hajo" Bendlin findet sich ebenso wie die Bleistiftsignatur an der Turmwand. Dagegen vermittelt ein Blick durch die Turmtür italienisch anmutende Impressionen, wenn die rosa getünchten Säulen des Außenganges mit dem Blau des Himmels kontrastieren, als blickte man auf einen toskanischen Palazzo. Derzeit laufen die Vorbereitungen für ein Jubiläum, das 2019 gefeiert werden soll. Dann wird das Bauwerk im Stil des  Bauern-Barock 250 Jahre alt. In der ersten Fassung hatte der Kirchturm übrigens ein Flachdach, aber 1876 entwarf Conrad Wilhelm Hase den jetzigen, markanten Turm, der auch Fledermäusen und Greifvögeln eine Heimat bietet.

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Von PATRICIA CHADDE

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