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Im Januar 1916 wird Brotgetreide knapp

Letter Im Januar 1916 wird Brotgetreide knapp

Im Januar 1916 wirkt sich der Erste Weltkrieg auch in den Seelzer Dörfern aus. „Das Brotgetreide wird knapp“ hat Stadtarchivar Norbert Saul das zu diesem Monat gehörende Kalenderblatt überschrieben, das im Heimatmuseum Letter aushängt.

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Ansichtskarte vom Bahnhof Douai bei Lille, die Willi Karg im Januar 1916 nach Lathwehren schickte.

Quelle: Tschörner

Letter. Pünktlich zum Jahresbeginn mahnte eine Anzeige in der Leine-Zeitung Neustadt: „Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande und macht sich strafbar.“ Gleichzeitig versuchten die Behörden, Geistliche für die Werbung von Kriegsanleihen zu gewinnen - also dafür, dass die Menschen in Seelze ihre Ersparnisse dem Staat zur Kriegsfinanzierung geben.

Im Januar vor 100 Jahren sterben auch vier Männer aus Seelzes Dörfern. Der Arbeiter Wilhelm Böhning aus Seelze fällt bereits am 5. Januar im Alter von 34 Jahren. Der erst 22-jährige Schreiber Ludwig Steuernagel kommt am 16. Januar ums Leben und ist damit schon der 33. Kriegstote in Seelze. August Gieseke aus Velber, über den keine näheren Daten bekannt sind, fällt am 24. Januar, der Lohnder Korbmacher Hermann Egestorff am 31. Januar mit 28 Jahren.

Saul berichtet in dem Kalenderblatt aus Notizen des Seelzer Lehrers Heinrich Wittmeyer: Danach hat das Wehrkommando angeordnet, dass Todesnachrichten immer erst dem Pfarrer zuzustellen seien. Der Geistliche habe sie dann den Angehörigen schonend überbringen sollen. Dies sprach sich offenbar herum. „So kam es dann wohl, dass der Besuch des Geistlichen in manchen Familien Angst und Schrecken hervorrief“, vermerkt Wittmeyer.

Die Seelzer versuchten, den Soldaten im Felde zu helfen und sie zu unterstützen. In Lohnde wurde im Januar ein Schwein von 275 Pfund geschlachtet und am 10. Januar die ersten 57 Wurstpakete zu je 500 Gramm verschickt. Die Lathwehrener Familie Bremer schickte regelmäßig an Verwandte und Bekannte an der Front Pakete, darunter auch Willi Karg. Karg bedankt sich am 25. Januar mit einer Ansichtskarte vom Bahnhof Douai bei Lille in Frankreich.

Nach Meldung des Landratsamtes Linden befanden sich auf fast jedem Hof russische Arbeiter oder russische Kriegsgefangene. Bei den Arbeitern handelte es sich nach den Recherchen Sauls größtenteils um Saisonarbeiter aus den russischen Gebieten, die im Sommer 1914 vom Krieg überrascht wurden und nicht mehr zurück nach Hause konnten.

Die Kalenderblätter sind eine Fortsetzung der Ausstellung „Der Erste Weltkrieg 1914-18 und seine Bedeutung für die Menschen in Seelze“, die jeweils im Raum „Leben in Seelze“ des Museums, Im Sande 14, zu finden sind. Alle Kalenderblätter können außerdem auf heimatmuseum-seelze.de nachgelesen werden.

Von Thomas Tschörner

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