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Seelze liefert 7,65 Millionen Liter Abwasser

Seelze Seelze liefert 7,65 Millionen Liter Abwasser

Auf gut 500000 Quadratmetern liegt Niedersachsens größtes Klärwerk etwas versteckt und jenseits der Bundesstraße 441 im Gümmerwald. 160 Millionen Liter Abwasser werden dort jeden Tag angespült, gereinigt und wieder in die Leine geleitet. Etwa 7,65 Millionen Liter davon kommen täglich aus Seelze.

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Die beiden Faultürme sind das Wahrzeichen der Kläranlage Gümmerwald.

Quelle: Remmer

Gümmer. Durchschnittlich 125 Liter Wasser verbraucht jeder Mensch am Tag. Die wenigsten machen sich darüber Gedanken, dass bereits mit einer Toilettenspülung gut zehn Liter Wasser den Weg in die Kanalisation finden. Doch welchen Weg nimmt das Wasser eigentlich, dass wir tagtäglich nutzen?

Seit Mitte der 80er Jahre versorgt das Klärwerk Gümmerwald nicht nur die Landeshauptstadt Hannover, sondern auch die Kommunen Garbsen, Gehrden, Hemmingen, Laatzen, Ronnenberg und Seelze. 460 Mitarbeiter von der Fachkraft für Abwassertechnik über den Industriemechaniker bis zum Ingenieur für Abwasser- und Deponiebau sind dort beschäftigt. Jeden Tag werden dort 95 Millionen Schmutzwasser angespült, circa 7,65 Millionen davon stammen aus Seelze. Einen Tag dauert es, bis das gereinigte Wasser wieder in die Leine zurück geführt werden kann, mit einer Geschwindigkeit von 1100 Liter pro Sekunde. Wenn es in dem Fluss ankommt, hat es einen Reinheitsgrad von 98 Prozent. "Hormone, Medikamente, Reste von aggressiven Rohrreinigern, alles kriegen wir nicht raus", erklärt Helmut Lemke, Pressesprecher der Stadtentwässerung Hannover, die das Klärwerk betreibt. 

Doch zuerst muss das ankommende Abwasser mithilfe eines Schneckenpumpwerks auf Klärwerksniveau angehoben werden. Während dieser ersten Stufe der Reinigung werden Grob- und Feinreste heraus gekämmt und kostenaufwendig entsorgt. Immerhin zwei Tonnen Restmüll bleiben jeden Tag an den Rechenanlage in Gümmerwald hängen. Von dort aus läuft das Wasser in den Sandfang, wo sich Schwebstoffe wie Sand, Kies und Steine am Boden absetzen können. Diese Feststoffe werden anschließend aufbereitet und als Boden verwertet. Auch Fette und Öle, die hier an der Oberfläche schwimmen, werden dort gesondert und in den sogenannten Faulbehälter geleitet. "Den Faulbehälter muss man sich vorstellen wie das menschliche Verdauungssystem", erklärt Lemke. Was beim Faulungsprozess im Faulbehälter entsteht ist Faulgas, welches für den Betrieb eines Blockheizkraftwerks eingesetzt wird, dass die Kläranlage mit Strom versorgt. "Unser angestrebtes Ziel ist es, den ganzen Strom, den wir brauchen, selber zu erzeugen", sagt Hans-Otto Weusthoff, Bereichsleiter Planung und Bau bei der Stadtentwässerung Hannover. Doch ob diese Unabhängigkeit das bei der enormen benötigten Menge gelingt, sei fraglich - auch wenn auf dem Gelände in Gümmerwald derzeit ein neues Blockheizkraftwerk für 18 Millionen Euro entsteht.

Weiteres Nebenprodukt bei der Aufbereitung des Abwassers ist der Klärschlamm. "60000 Tonnen pro Jahr produzieren wir hier", erzählt Lemke. Der größte Teil davon lande als Dünger in der Landwirtschaft.

Toiletten werden als Mülleimer missbraucht: Etwa zwei Tonnen Restmüll landen täglich in den Rechenanlagen im Klärwerk Gümmerwald. Von Essensresten über Hygieneartikel bis zu Coladosen ist alles dabei.Traurige Höhepunkte dessen, was die Klärwerksmitarbeiter in dem Sieb der Anlage gefunden haben, waren eine lebende Schildkröte und eine menschliche Totgeburt.

Der Anblick von Kondomen, Damenbinden, Tampons, Ohrstäbchen und weiteren benutzten Hygieneartikeln können die Mitarbeiter der Klärwerks Gümmerwald nicht mehr schocken und gehören zum täglichen Anblick. Dazu gesellen sich Essensreste, gefüllte Babywindeln und einiges mehr. "Wir hatten auch schon Geldscheine, Goldgebisse, Scheckkarten und Schmuck in den Rechenanlagen", erzählt Helmut Lemke. Für die Stadtentwässerung Hannover ist dieses Verhalten vor allem deswegen ein Ärgernis, weil die Entsorgung aufwendig und mit hohen Kosten verbunden ist. "In die Toiletten gehören nur Fäkalien und Toilettenpapier", stellt Lemke klar. Ein Mülleimer im Badezimmer sollte in jedem Haushalt selbstverständlich sein.

Ein weiteres Problem, dass sich in den Klärbecken in Gümmerwald als dicker, schillernder Film präsentiert, ist Fett, welches nach dem Braten direkt in den Ausguss gegossen wird. "Eine Pfanne sollte zuerst immer mit Küchenpapier ausgewischt werden. Wer keines zur Hand hat, kann auch eine Zeitung benutzen", erklärt Lemke. Eine Tonne Fett aus Haushalten landet jeden Tag über die Kanalisation im Klärwerk Gümmerwald. Bei verstopften Rohren rät Lemke dazu, eine herkömmliche Saugglocke, umgangssprachlich als Pömpel bezeichnet, zu verwenden oder gegebenenfalls selber den ersten Rohrabschnitt zu öffnen. Wenn auch das nichts bringt, sollte ein Klempner hinzu gezogen werden. Gar nichts hingegen hält der Fachmann von scharfen Rohrreinigern, die nicht nur die Rohre kaputt machen, sondern auch ins Abwasser gelangen. "In unseren Becken arbeiten 495 Quendizillionen Bakterien - eine Zahl mit 60 Nullstellen. Aber mit diesen Rückständen werden auch die nicht fertig", sagt Lemke. Scharfe Reinigungsmittel stören den biologischen Abbaumechanismus. Aus diesem Grund rät Lemke auch dazu, biologische Reinigungsmittel zu benutzen.

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