Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Kochendes Wasser kann Filzkraut nichts anhaben

Seelze Kochendes Wasser kann Filzkraut nichts anhaben

Die Stadt hat sich ein neues Gerät zur Unkrautbekämpfung angeschafft. Sie verzichtet auf Pflanzengift und setzt stattdessen auf den Brüheffekt. Kochendes Wasser zerstört die Zellstruktur des Wildkrauts, nach mehreren Behandlungen wächst es nicht mehr.

Voriger Artikel
Stadt sucht weiter Wohnraum
Nächster Artikel
Gemeinde plant Luther-Trilogie

Frank-Einhard Schramm guckt sich das Filzkraut auf dem Gelände des Betriebshofs Seelze an. Es findet dort ideale Wachstumsbedingungen.

Quelle: Treeske Hönemann

Seelze. Bei der Vorführung des Brühgeräts für die Medien kürzlich auf dem Gelände des Betriebshofes hat ein Mitarbeiter 110 Grad heißes Wasser über Pflanzen versprüht, die zwischen Steinen hervorragten. Der Diplom-Biologe Frank-Einhard Schramm hat sich das Foto in der Zeitung genau angesehen. Mit dem heißen Wasser wurde dem Deutschen Filzkraut der Garaus gemacht. Auf der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen wird es als stark gefährdet eingestuft.

„Ich habe gegrinst, als ich das Foto sah. Die Stadt will umweltfreundlich Unkraut beseitigen und vernichtet dabei ausgerechnet diese Pflanze“, sagt der Garbsener. Ein trockener, warmer Standort und ein saurer Boden seien ideale Wachstumsbedingungen für das Deutsche Filzkraut. Das Filago vulgaris, so der botanische Name, fühlt sich in Seelze auf dem Gelände des Betriebshofs wohl. An zahlreichen Stellen sprießt es zwischen Pflasterritzen empor. Für den Laien sieht es unscheinbar aus - wie andere Wildkräuter auch. „Das Filzkraut gehört zu den Korbblütlern wie Löwenzahn und Gänseblümchen. Die einjährige Pflanze samt sich aus. Die Samen überleben den Winter“, weiß Schramm.

Auch das kochende Wasser wird die Pflanze nicht kleinkriegen. „Die Stadt darf zudem das Filzkraut beseitigen. Es steht gesetzlich nicht unter Schutz. Anders wäre es nur, wenn es in einem Biotop wie zum Beispiel einem Sandmagerrasen wachsen würde“, sagt Schramm. Die Stadt wiederum hat gar nicht gewusst, was auf dem Betriebshofgelände blüht. „Wir freuen uns, wenn das Areal zur Artenvielfalt beiträgt. Wir werden prüfen, inwieweit es praktikabel ist, die Pflanzen zu schützen“, sagt Edit Gaal, die in der Stadtverwaltung für Umwelt und Natur zuständig ist.

Schramm erinnert an die Situation auf dem Klagesmarkt, den die Stadt Hannover inzwischen bebaut. Auch dort gab es eine sogenannte Pflasterritzenvegetation. Unter anderem wuchs dort das Filzkraut. „Nach Protesten der Bürger wurden die Pflanzen ausgegraben und an anderen Orten wieder in die Erde gesetzt. Selbst ob sie anwachsen, wurde kontrolliert.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Von Redakteur Treeske Hönemann

doc6sms57artkw1m1ujcerv
Adventswochenende klingt musikalisch aus

Fotostrecke Seelze: Adventswochenende klingt musikalisch aus