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Behinderte verliert ihre Wohnung

Letter Behinderte verliert ihre Wohnung

Einer 54 Jahre alten, schwer behinderten Frau droht ab Mitte August die Obdachlosigkeit. Weil sie einen Rechtsstreit mit ihrem Vermieter verloren hat, muss sie ihre Dreizimmerwohnung in der Liebermannstraße in Letter räumen.

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Eine 54 Jahre alte, schwer behinderte Frau muss nach einem verlorenen Rechtsstreit ihre Wohnung räumen.

Quelle: Symbolbild

Seelze. Auslöser des Rechtsstreits war eine neue Therme im Badezimmer. Bis heute behauptet die Mieterin, das Gerät funktioniere nicht einwandfrei. Den Mangel habe die Frau jedoch selbst zu verantworten, befand der Richter und gab der Klägerin, der Wohnungsgenossenschaft Gartenheim, Recht.

Alles begann mit dem Einbau einer neuen Therme für Warmwasser und Heizung Ende April 2013. Das alte Gerät war defekt, es gab keine Ersatzteile mehr. Ein paar Tage später, zeigte die neue Therme eine Fehlermeldung an, und ging aus. Die Mieterin rief den Kundendienst, doch immer wieder schaltete sich das Gerät aus. Ein Schornsteinfeger legte die Therme schließlich still. Bis Oktober hatte die Frau kein warmes Wasser und ging zum Duschen zu ihrer Mutter.

Eindeutig ein Mangel, befand ihre Rechtsanwältin Kristina Monecke. Sie drohte der Wohnungsgenossenschaft eine Mietminderung an. Tatsächlich wurde die Miete dann für vier Monate einbehalten. Immer wieder versuchten Mieterin und Installateure, die Therme wieder in Betrieb zu nehmen. Im September wurden bei einem weiteren Reparaturversuch die Dichtungen an Fenstern im Badezimmer, Wohnzimmer und Gästezimmer auf einer Länge von etwa 15 Zentimetern entfernt, um die Luftzir- kulation zu erhöhen. Doch schon ein paar Tage später musste der Schornsteinfeger die Therme erneut abstellen.

Therme fällt häufig aus

„Die Therme ist ein Topgerät, nur eben nicht für die kleine Wohnung von 65 Quadratmetern geeignet“, sagt Monecke. Ihre Mandantin könne beim Duschen bis heute das Ausgehen der Therme nur verhindern, wenn alle Zimmertüren geöffnet sind, die Fenster auf kipp stehen und am besten noch der Luftschlitz in der Eingangstür frei ist. Weil aber die Therme die warme, nach oben aufsteigende Heizungsluft ansauge, friere ihre Mandantin in der Wohnung. Folge: Sie habe die Räume besser isoliert und zum Beispiel einen weiteren Teppich ausgelegt. Doch Therme falle auch bei Regen, Sturm und Luftdruckveränderung aus.

Die Wohnungsgenossenschaft Gartenheim kündigte schließlich das Mietverhältnis im November 2013 fristlos. Sie ist der Ansicht, dass die Mieterin für die Funktionsunfähigkeit der Therme verantwortlich ist. Die Isolierungen ließen keine ausreichende Luftzirku- lation zu. Die Therme schalte sich wegen zu hoher Gaskonzentration ab. Folglich gebe es keinen Mangel und keinen Grund für eine Mietminderung, so Gartenheim. Ein vom Gericht bestellter Sachverständiger sah die Sache genauso.

Räumung am 17. August

Das Amtsgericht gab der Klägerin im vergangenen Mai Recht. „Die Miete zu mindern, war ein Fehler. Das ist bedauerlich. Man geht das Risiko ein, zu viel zu mindern. Am besten lässt man vorher feststellen, ob man das Recht dazu hat“, sagt Frank Bentes, Rechtsanwalt der Klägerin. Die Mieterin habe die Wohnung nicht ordnungsgemäß genutzt. Die Isomatten an den Wänden behinderten die Luftzirkulation. „Der Vermieter hat alles getan, um die Situation zu retten.“

Obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, weil Monecke Berufung eingelegt hat, hat der Richter der Genossenschaft erlaubt, es zu vollstrecken. Am 17. August will ein Gerichtsvollzieher die Wohnung räumen. Die Anwältin sucht nun dringend eine neue Wohnung für ihre Mandantin.

Von Treeske Hönemann

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