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Marktmeister: Wochenmarkt ist nicht teuer
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Seelze Marktmeister: Wochenmarkt ist nicht teuer

Auf dem Wochenmarkt ist es teuer - dieser Ruf hallt den Händlern voraus. „Das stimmt nicht“, sagt dagegen Karl Leipnitz, Marktmeister in Letter. Dort läuft der Markt gut, am Rathausplatz in Seelze nicht.

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Jule Gatzemeyer (links) und Freundin Julia Röske kaufen auf dem Wochenmarkt in Letter frisches Obst und Bioeier.

Quelle: Oliver Kühn

Seelze. Die Gleichung Markt=teuer sei ein altes Vorurteil, meint Leipnitz. „Gerade als Single oder Alleinstehender kann ich die Menge ja selbst bestimmen.“ Individuelles Einkaufen nennt das der 73-Jährige. So nimmt man eben nur zwei Äpfel und eine Zwiebel statt ein ganzes Netz. „Sonst wird am Ende viel weggeworfen, das muss man einrechnen.“

Die Qualität sei in Letter hervorragend - und komme meist aus der Region, sagt der gelernte Koch: nur frische Waren und Spezialitäten. Den Spargel könne man - wenn man ihn lagere, wie vom Händler empfohlen - noch eine Woche später essen. Leipnitz überlegt, künftig angepasst an die Jahreszeiten ein Menü des Monats zu bewerben: im Mai mit Matjes, im Herbst mit Kürbis & Co., im Spätherbst mit Pilzen. Darüber hinaus sei ein Wochenmarkt auch ein sozialer Treffpunkt.

Händler Carsten Bortels kam vor anderthalb Jahren mit seinem Gemüse- und Obststand von Garbsen nach Letter. „Hier, in einem gewachsenen Stadtteil, funktioniert der Markt noch, die Leute sind meist älter und kochen viel selbst“, sagt der 51-Jährige. „Ich bin ganz zufrieden.“

Grundlebensmittel gingen wohl immer, aber bei seinen Tiroler Spezialitäten sehe das schon anders aus, sagt Franco Laudani. „Es ist ruhiger geworden, war schon mal besser“, bilanziert der 45-Jährige. Ein Erklärung habe er nicht, Existenzängste aber auch nicht: „Einen Markt wird es immer geben.“

Wie zur Bestätigung kommen Jule Gatzemeyer (16) und ihre gleichaltrige Freundin Julia Röske mit einem Korb voll Obst und Bioeiern des Weges. „Das ist meiner Mutter wichtig, und wenn die nicht kann, komme ich hierher“, sagt Jule. Eine 69-jährige Lohnderin kommt extra nach Letter, weil der näher liegende Wochenmarkt in Seelze langsam einschlafe. „Und Rhabarber bekommt man im Supermarkt auch nicht mehr.“

Etwas trostlos ist dagegen der Markt vor dem Rathaus. „Früher gab es hier einen Imbiss, da war viel mehr los“, sagt Ebrahim Mansoor, der dort seit 22 Jahren Feigen, Datteln, Ingwer und Oliven verkauft. „Eigentlich lohnt es sich nicht mehr.“ Er stehe nur noch in Seelze, weil seine Rente zu klein sei. Ähnlich sieht es Imker Willi Hölter, obwohl er Rapshonig und Bienenwachskerzen aus eigener Herstellung verkauft. „Ich bin Rentner, und das ist mein Hobby - leben könnte ich davon nicht.“

Oliver Kühn

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