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„Obentraut, ich will ein Kind von Dir“

Seelze „Obentraut, ich will ein Kind von Dir“

Wenn die Seelzer Darsteller so fantasievoll weitermachen, kann William Shakespeare bald einpacken. Dann werden die Obentraut-Spiele den „Sommernachtstraum“ ablösen. Freitagabend bot das bunte Treiben rund um den Stadtpark erste eindrucksvolle Szenen.

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Bevor es mit Theaterpädagogin Dorit David in die Landschaft geht, schildert sie die historischen Geschehnisse in Versform.

Quelle: Chadde

Seelze. Gabriela Giesche, Sebastian Knebel und Auszubildende Janine Sladowski vom Stadtmarketing begrüßten die Zuschauer mit geknotetem Bund und brennender Fackel. Vom Minigolfplatz zogen dann rund hundert Zuschauer in eleganter Nordkurve Richtung Bür gerhaus und ließen sich von dem historisch inspirierten Schauspiel gerne in den Bann ziehen. Das lag einerseits an Helmut Bartel, der Hümmelchen spielte, wie die Sackpfeife auch genannt wird. Veronika Heinemann aus Schloß Ricklingen konnte sogar den Text „Kommt ihr Gespielen“ mitsingen. Doch auch die Szenenbilder und Figuren waren eindrucksvoll. So wurde die gemütliche Wanderung jäh unterbrochen, als hungernde Kinder am Wegesrand lagerten und um Essen bettelten. Zum jammernden Klang der Fidel hofften sie auf milde Gaben und wurden bitter enttäuscht. Keinen Apfel und keinen Kanten Brot konnten sie ergattern.

Doch plötzliches Rascheln im Wald ließ aufmerken. Auch der Dieb hatte Hunger und außerdem fünf Frauen samt Kindern zu versorgen. Seine wortreichen Ausflüchte den Schuldnern gegenüber hallten eine Weile durch die Dämmerung, bis die Spaziergänger auf ein Lager voll schlafender „Branntweinleichen“ trafen. Der Geschichte nach handelte es sich um Seelzer Partygänger des 18. Jahrhunderts. Da war die Kräuterhexe ­Cathrin Segert mit einem vitalisierenden Trank gefragt, als Obentrauts Truppen in die ländliche Idylle platzten. Des Ritters Rüstung schimmerter im Fackelschein noch ein bisschen eindrucksvoller als sonst, schnell sammelte er Mitläufer ein, denn bald ging es zum Kampf in den Stadtpark.

Wie die Geschichte ausging, weiß man hier natürlich. 30 Laiendarsteller, darunter neun Kinder, beschäftigten sich eine Woche mit der Aufführungsplanung. Dabei entwickelten sie mit Theaterpädagogin Dorit David neue Figuren wie Dieb, Kräuterhexe, Bettlerin oder Geliebte. Die rief „Obentraut, ich will ein Kind von Dir“ und das trieb sogar Pfarrer und protestantische Nonne aus ihrer trauten Zweisamkeit. Obentraut, ganz Feldherr, sammelte unter den Zuschauern auch neue Rekruten. Nach einem gemeinsamen Tanz ging es in die entscheidende Schlacht, die Freitagabend alle überlebten.

Bei Stockbrot am Lager der Christlichen Pfadfinder von Lothar Wolf sowie Würstchen für einen schlanken Taler klangen die siebten Obentraut-Spiele romantisch aus. Elke Kollwitz und Mona Reiners aus Letter waren, wie die anderen nächtlichen Gäste, begeistert. Im nächsten Jahr sind sie garantiert wieder mit von der Partie und dann müssen die bettelarmen Kinder auch nicht länger Hunger leiden „wir bringen was zu essen mit“, waren sich die Damen aus Letter einig.

von Patricia Chadde

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