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Ein Instrument lebt neu auf

Harenberg Ein Instrument lebt neu auf

Ganze 5500 Mark hat 1957 die Orgel für die Barbarakirche in Harenberg gekostet. Richtig zufrieden war die Gemeinde mit dem Instrument aber nicht. Erst seit einer Überholung im Jahr 2006 für rund 32 500 Euro bilden Orgel und Kirche ein „Ensemble, das nicht besser vorstellbar ist“, wie es Christoph Slaby ausdrückt.

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Christoph Slaby greift in die Tasten.

Quelle: Thomas Tschörner

Harenberg. Als Ersatz für das alte Harmonium in der 1882 fertiggestellten Hase-Kirche sollte zunächst ein Pedalharmonium angeschafft werden, vermerkt die Chronik. Davon hielt das Landeskirchenamt aber weniger und schlug stattdessen eine kleine Orgel mit vier bis fünf Registern vor. Ende 1956 erhielt dann die Orgelbaufirma Kruse aus Hildesheim den Zuschlag: Für 5500 Mark sollte die Orgel fünf Register haben, die Metallpfeifen sollten zu 40 bis 60 Prozent aus Zinn und die Pedalpfeifen aus Eichenholz bestehen.

Weil die Firma zwischenzeitlich von Hildesheim nach Lohne bei Oldenburg umzog, kam es zu Verzögerungen. Die Orgel wurde schließlich im September 1957 geliefert und am 1. Dezember 1957 während des Adventsgottesdienstes eingeweiht. Was damals keiner wusste: Die Orgel in Harenberg sollte ein Unikat bleiben. Denn Orgelbaumeister Herbert Kruse konnte kein weiteres Instrument mehr bauen, weil er durch einen Unfall tragisch ums Leben kam. „Ein derartiges Instrument gibt es nirgendwo auf der Welt“, sagt Musiklehrer und Organist Christoph Slaby.

Schon bald gab es aber Probleme. „Die Orgel war schwergängig, sie war in Teilen nicht meistermäßig gemacht“, sagt Slaby. Im Jahr 2006 stand schließlich eine Renovierung durch die Altwarmbüchener Orgelbaufirma Hillebrand (siehe Text unten) an, die mit rund 32 500 Euro ein Mehrfaches des ursprünglichen Kaufpreises kostete. Das Ergebnis der Überholung hat Slaby überzeugt. „Die Orgel ist technisch sehr gut, man kann jetzt sogar ganze Konzerte darauf spielen.“ Sechs Register, das sechste ist im Pedal, und insgesamt 397 Pfeifen stehen zur Verfügung. Selbst als Hammond-Orgel könne das Instrument gespielt werden.

„Man hat hier ein Kleinod“, sagt Slaby. Und fügt hinzu: „Ich liebe diese Orgel.“ Bei aller musikalischen Vielfalt, für die das Instrument geeignet sei, dürfe nicht vergessen werden, dass die Orgel dem Gottesdienst dienen soll. Daran erinnert auch die Inschrift „OMNIA AD MAJOREM DEI GLORIAM“ (Alles zur größeren Ehre Gottes). Die Kombination zwischen Orgel und Gottesdienst habe aber auch dazu geführt, dass sich die Musik gut entwickelen konnte, sagt Slaby. In Harenberg sei das Ensemble Kirche und Orgel nicht besser vorstellbar, lobt er.

 

Heizen ist für Orgel ein Problem

Auf sechs DIN-A-4-Seiten beschreibt die Firma Hillebrand aus Altwarmbüchen im Jahr 2002, was an der Orgel in Harenberg alles gemacht werden muss. Neben der Reinigung und Instandsetzung ist unter anderem auch an eine Klangverbesserung durch ein größeres Prinzipal, eine bessere Geräuschdämmung und sogar an eine stufenlos in der Höhe verstellbare Sitzbank für den Organisten gedacht worden. Damit könne unterschiedlich groß gewachsenen Orgelspielern eine entspannte Sitzhaltung ermöglicht werden. Die Altwarmbüchener betonen, dass die Qualität des gesamten vorhandenen Instrumentes heutigen Standards „sicher nicht mehr entsprechen“ würde, ein Austausch der Pfeifen jedoch für nicht notwendig erachtet wird. Über die technische Qualität lägen keine Erfahrungswerte vor. „Aufgrund der uns bekannt gewordenen Heizungssituation innerhalb des Kirchenschiffes vermuten wir jedoch eher Verstimmungen durch stark schwankende Lufttemperaturen“, heißt es in der Kostenaufstellung. Eine Verbesserung des Heizungssystems hätte naturgemäß auch einer Verbesserung der Stimmhaltung zur Folge.

Seelze hat gute Orgeln

Seelze ist eine Orgelstadt“, sagt Musiklehrer und Kirchenmusiker Christoph Slaby. Der Organist und Mitorganisator des Musikfestivals Seelze (Muse) betont, dass nicht nur in den beiden großen Stadtteilen Seelze und Letter, sondern auch in den kleineren Orten sehr gute Instrumente vorhanden seien – eine Häufung, die nicht selbstverständlich ist. Die Leine-Zeitung hat Slaby beim Wort genommen und stellt die Orgeln vor.

Von Thomas Tschörner

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